Metroid: Other M

Seltsam, faszinierend und richtig gut

Nintendos große Marken leben seit jeher von ihrem spielerischen Gehalt, die Geschichte ist stets eher ein Mittel zum Zweck. Natürlich, so manche Zelda-Episode wartet mit netten Story-Überraschungen auf und das (nie im Westen erschienene) Ausnahme-RPG Mother 3 für den GameBoy Advance bringt mit seiner tragischen Geschichte selbst gestandene Männer zum Heulen.

Aber Nintendo ist nie auf den großen Story-Zug aufgesprungen. Titel wie God of War, Uncharted, Halo und natürlich auch Final Fantasy erzählen in aufwendigen Renderszenen und durchgehender Sprachausgabe groß angelegte, manchmal sogar epische Geschichten und bedienen sich dabei sämtlicher Stilmittel des modernen Kinos.

Bei Nintendo ist das anders. Marios Vokabular stößt bereits kurz nach "It´s-a me!" an seine Grenzen und mehr als ein paar Kampfschreie, Keuchen und Stöhnen haben wir auch von Spitzohr Link noch nie gehört. Nintendo hatte bisher einfach kein Interesse an Storytelling nach Art der klassischen PlayStation-Schule.

Auch wenn mancher Tester den stummen Link und den ewig Prinzessinen-raubenden Bowser nicht mehr für zeitgemäß hält, so funktioniert die Mischung aus Textkästen und Pantomime nicht nur gut, sie sorgt auch dafür, dass Nintendos Helden Ikonen bleiben, freie Flächen, in die jeder Spieler sein eigenes Bild von Link, Mario, Kirby, Donkey Kong oder eben Samus Aran projizieren kann.

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Zielt ihr mit euren Raketen, dann könnt ihr euch nicht bewegen. Wechselt also im richtigen Moment die Perspektive und lasst euch nicht aus der Ruhe bringen.

Kein Wunder, dass Metroid: Other M die Spieler jetzt kalt erwischt, war doch gerade Samus Aran so etwas wie die Vorzeigeheldin der klassischen Nintendo-Schule. Samus war seit jeher ein Mysterium. Wer ist die kühle Kopfgeldjägerin im schweren Kampfanzug? Wo kommt sie her, was sind ihre Ziele? Tatsächlich erzählt Super Metroid, das beste Spiel der Metroid-Serie und eines der faszinierendste Spiele aller Zeiten, nach dem kurzen Vorspann seine Geschichte komplett ohne Worte, ohne Textkästen und ohne Zwischensequenzen.

Und jetzt? Ein langes Intro. Ein Tutorial. Eine weitere Sequenz. Jetzt darf ich ein paar Meter laufen. Huch, ein langer Dialog. Jetzt ein gerenderter Flashback... Ich bin irritiert. Das soll das neue Metroid sein? Ein Spiel, dass mich mit Handlung, Rückblenden, Dialogen und inneren Monologen erschlägt? Klar, die Sequenzen sind nicht schlecht und die Handlung ist eigentlich auch nicht ganz uninteressant, aber sind wir doch mal ehrlich... das hier ist Metroid und nicht irgendein PS2-Action-Adventure. Darf man da nicht eine etwas ausgefeiltere Dramaturgie, einen etwas eleganteren Aufbau erwarten?

Und dann ist es auf einmal wieder da, das klassische Metroid-Gefühl. Ich bin alleine in einer kalten, feindseligen Umgebung. Die interstellaren Marines, mit denen ich gerade eben noch den ersten Boss bekämpft habe, sind nicht mehr bei mir und ich bin nur auf meine Geschicklichkeit, meinen Instinkt und vor allem meine Beobachtungsgabe angewiesen.

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Mit ein paar neuen Nahkampf-Attacken könnt ihr so manches Gefecht schön abkürzen. Quick-Time-Events bleiben euch hier erspart

Die Gegner sind aggressiver denn je und so manch normales Monster könnte sich bei anderen Titeln locker schon als kniffliger Zwischengegner bewerben. Überall sind nützliche Power-Ups versteckt, die mir das Leben auf lange Sicht kolossal leichter machen und als ich schließlich einem echten Boss gegenüber stehe, fühle ich das erste mal seit langem wieder den herrlichen Adrenalin-Kick, den einem nur ein richtig kniffliger Endgegner verpassen kann. Ja, das hier ist wirklich Metroid, auch wenn es sich in der ersten Stunde nicht so anfühlt.

Aber halt, halt... was für ein Metroid ist es denn jetzt? Ein klassisches 2D-Metroid wie die famosen Episoden für NES, SNES und GameBoy Advance? Oder ein Ego-Abenteuer wie die drei ebenfalls exzellenten Metroid-Prime-Episoden? Oder ist es vielleicht gar ein Flipper wie Metroid Prime Pinball..? Tatsächlich stecken in Metroid: Other M Elemente von allen Episoden - außer Pinball. Die meiste Zeit spielt es sich so schnell, exakt und dynamisch wie die 2D-Spiele. Trotzdem könnt ihr jederzeit in die Ego-Perspektive wechseln, um eure Umgebung genauer zu betrachten oder einen Gegner anzuvisieren und ihm eine Rakete zwischen die Kiefer zu jagen. Aber obwohl sich Metroid: Other M fast genau wie die 2D-Episoden anfühlt, könnt ihr euch frei im Raum bewegen, in die Tiefe gehen und die stets feste Kamera ist mal seitlich, mal schräg, mal hinter eurem Rücken positioniert.

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