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Sonic The Hedgehog 4: Episode I

SEEEEGAAAA! (Oder: Wo ist mein Modul?)

Was ist der größte Fehler von Sonic The Hedgehog 4? Da steht Episode I dahinter. Es sollte eigentlich nur Sonic 4 heißen, komplett in einer Mega-Drive-Box ausgeliefert werden und Technologie, Logik, Raum und ein paar weiteren Belanglosigkeiten trotzen, indem es sich als Modul materialisiert und trotzdem in meine PS3 passt. Dies ist das Sonic-Spiel, nach dem wir uns unsere gesamte bisherige Nach-Pubertät gesehnt haben. So wie wir versuchten, unser Leben auf die Reihe zu bekommen, Jobs fanden, Kinder zeugten, Triumphe feierten, Niederlagen einsteckten und herauszufinden versuchten, wer wir eigentlich sind, machte der Igel eine ähnliche – wenn auch in seinem Falle nur mäßig erfolgreiche – Selbstfindungsreise durch.

Und so, wie wir es auch tun, in den Momenten, in denen wir mal einen alten Schatz aus der Spielekiste kramen oder uns zumindest zurücklehnen über die Gegenwart reflektieren und dann an lange vergangene, schöne Games zurückdenken, uns eine Auszeit vom modernen Gaming-Trubel nehmen, so hält es auch der blaue Igel. Er besinnt sich auf seine größten Erfolge zurück und da man sich bei solchen Gedanken die Welt ein wenig schön malt, wurde Sonic 4 eine Hommage an sich selbst und die ersten drei Nummern. Eine schöngezeichnete Vergangenheit, real spielbar mit dem Pad in der Hand. Bei so viel greifbarer Nostalgie wäre es dann auch nur konsequent gewesen, das Ganze als Modul in der Hand halten zu dürfen.

Wenn ein völlig irrationaler Wunsch, der nicht erfüllt wurde oder überhaupt erfüllt werden konnte, der größte Kritikpunkt an einem Spiel ist, dann heißt der Umkehrschluss, dass alles andere perfekt sein muss. Richtig? RICHTIG?! Los Spieletester, sag mir, dass SEGA es nicht schon wieder verbockt hat!! Entspannt euch. Ich sage euch hiermit offiziell, dass SEGA es nicht wieder verbockte. Ganz im Gegenteil. Aber da ist eine Kleinigkeit, bevor ich in den Full-Swing-Komplimente-Modus abdrifte. Die Spielzeit und der Schwierigkeitsgrad.

Zweieinhalb Stunden und eine Sitzung. Und ich bin wahrlich kein Gott, was die alten Games angeht. 15 Euro, vier Stages, unterteilt in jeweils drei Zonen plus einen Boss. In Stage eins und zwei sammelte ich bereits 20 Leben, beendet habe ich es allerdings auf dem Letzten und ich kann euch sagen, dass man das Leben erst schätzt, wenn man mit seinem Letzten rennt. Die abschließende Stage war hart. Aber nicht Sonic-hart. Es bleibt sehr fair, seid vorsichtig, springt nicht dauernd mit Highspeed in das Ungewisse und Sonic 4 wird euch leben lassen. Meistens. Trotzdem, wer von euch ein Spiel einwirft, einmal durchspielt und es dabei bewenden lässt, für den hat Sonic 4, was den Umfang angeht, wirklich nicht die Welt zu bieten.

Wer aber alles herausholen will, hat eine Menge vor sich und wird hier sehr viel Freizeit opfern dürfen. Erst einmal bietet jede der gewaltigen Zonen eine Vielzahl von Wegen, die sich nehmen lassen, teilweise abhängig davon, ob ihr auf Speed oder bedächtig vorgeht oder schlicht geschickt genug seid, den perfekten Moment abzupassen, der mitunter bei jedem Durchgang nur einmal auftaucht.

Es ist eine gesunde Mischung aus Reflexen, auswendig lernen und Beherrschung der Kontrollen. Spielt ihr richtig, ist Glück kein Faktor. Die Erkundung der Wege gehört zu den Disziplinen, wollt ihr im Time Attack und damit den weltweiten Ranglisten irgendwie erfolgreich sein. Ich prophezeie Sonic 4 angesichts der Möglichkeiten der Stages eine glorreiche Zukunft als Wettkampf-Favorit. Jede einzelne Zone kann euch auf diese Weise Abend um Abend kosten, wollt ihr die beste Route finden.

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