DJ Hero 2

Ein Schritt nach vorne

Dumpf, wummernd, unnachgiebig dröhnt der Bass durch die Eingangstür. Er gräbt sich immer tiefer in den Magen, jagt tonnenweise Adrenalin durch die Venen und zaubert ein verstohlenes Lächeln auf das Gesicht. Dann geht das Tor zum Himmel auf. Lichtblitze, Körper, Menschen. Nun klar, rein, versetzt die Musik einen in Vorfreude. Auf die Exstase, auf eine Nacht voller Tanz, Spaß und Ausschweifungen. Ein Wochenende im Club: Urlaub von sich selbst. Abstand vor den Sorgen des Alltags. Ein Besuch in der Kathedrale des Vergessens mit dem DJ als Zeremonienmeister.

Vier Jahre lang lebte ich den Rhythmus der Nacht. Folgte DJs auf ihrem Weg durch die Clubs, begann über die Nächte zu schreiben und mich mit elektronischer Musik zu identifizieren. Ich lernte viele große Musiker kennen, deren Medium der Bass war. Interviewte sie, kroch in ihr Gehirn. Tauchte ein in die Mischung aus einzelnen, filigranen Elementen, die Erschaffung von ausufernden Klangteppichen und innersten Bedürfnissen. Seltsamerweise habe ich aber nie gelernt, selbst aufzulegen. Bei all meiner Liebe zu den verspielten Tonspuren, den Flirt mit den Erwartungen der Tänzer, dem Versuch, Emotionen zu strukturieren und hervorzurufen, war ich einfach zu untalentiert. Vielleicht auch ein wenig zu faul.

Trotzdem war für mich das erste DJ Hero eine kleine Enttäuschung. Zu starr, zu sehr auf das Nachspielen von großen Ideen fixiert. Kein Raum für Kreativität, obwohl die gleichgeschalteten Tonspuren doch gerade hier so viele Möglichkeiten bieten. Kurz: Ein Musikspiel wie jedes andere.

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Links sehr ihr eine Freestyle-Sektion. Im richtigen Moment Crossfader rüber und Punkte sammeln.

Auf diese Schwäche angesprochen, versicherte mir Freestyle-Boss Kevin McSherry in einem Interview, dass sie selbst nicht vollkommen zufrieden sind. Durch eingeschränkte Budgets und den Zwang, sich auch am Mainstream zu orientieren, konnten sie nur einen Teil ihrer Vision umsetzen. Ein Schritt in die richtige Richtung auf dem Weg in die Welt des Mixens und Scratchens. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und auch DJ Hero 2 ist noch nicht am Ziel angekommen. Die neuen Freestyle-Elemente geben euren Ideen zwar mehr Raum zum Atmen, doch noch immer ist es nicht möglich, einen komplett eigenen Sound zu erschaffen. Seltsam, wenn man bedenkt, dass bei dem passenden Online-Mini-Game, diese Funktion eine entscheidende Rolle spielt. Doch für ein Musikspiel sind die Freestyle-Abschnitte sensationell. Erstmals gibt es Sequenzen, in denen ihr selbst den Ton angebt. Entscheiden könnt, was, wann zu hören ist. Ihr schiebt den Crossfader im Takt der Spuren hin und her, sorgt für passende Soundeffekte und werft Scratch-Sequenzen in den Klangteppich. Gleichzeitig versucht das System, eure Performance in diesen Bereich einzuordnen. Euer Rhythmusgefühl, euren Sinn für Spannung und Abwechslung.

DJ Hero 2 verlangt also mehr von euch als das simple Nachspielen von Tönen. Es möchte, dass ihr euch mit dem Mix auseinandersetzt, ihn versteht und richtig einordnet. Dadurch wird jeder einzelne Track zu einem Abenteuer. Eine Reise in die Abgründe des Beats. Keine simple Matrize für richtige Reaktionen.

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Ja, RZA war schon mal in Berlin. Trotzdem ist hier Hip-Hop in Clubs mausetot.

Noch dazu wurde das gesamte Spielsystem perfektioniert. Anstatt sich wie beim Vorgänger durch ein Dutzend Tutorials kämpfen zu müssen, um an Quick Play heranzukommen, ist es diesmal gleich der erste Menüpunkt. Außerdem wurde der komplette Grafik-Stil geändert und präsentiert sich nun deutlich reduzierter. Kein Pop-Art-Overkill, sondern sanfte, ruhige Menüs und stilsichere Hintergrundgrafiken.

Die Singleplayer-Erfahrung basiert diesmal vor allem auf dem Empire-Modus. Wie bei Guitar Hero zieht ihr dabei mit eurem Xbox-Live-Avatar oder einem von fünf DJs durch europäische Clubs und versucht euren Sound unter die Leute zu bringen. Erwartet aber keine tiefergehende Spielmechanik. Im Prinzip spielt ihr Mixe nach und tretet in den sogenannten DJ Battles an. Diese bringen euch nach und nach die neuen Multiplayer-Funktionalitäten bei, die dem Spiel eine neue Ebene verpassen. Erstmals tretet ihr hier gegen andere Plattenvirtuosen an. Erspielt euch Checkpoint für Checkpoint einen Vorsprung, um am Ende siegreich den Club zu verlassen. Das System ist simpel, aber motivierend. Insgesamt erspielt ihr euch so 80 Song-Mash-Ups und ein halbes Dutzend DJ-Charaktere.

Der eigentliche Star des Spiels ist aber das Spielgefühl. Durch die Freestyle-Erweiterung bekommt das Gameplay genau den richtigen Kick in die richtige Richtung. Schnelle Abspielfolgen werden durch freie Sequenzen aufgebrochen , bei denen ihr stets auf den Takt achten müsst. Wie oben erwähnt, misst das Spiel bis zu einem gewissen Punkt eure Kreativität und erfordert so nicht nur schnelle Reaktionen. Das grundlegende System bleibt dabei aber gleich: Ihr drückt im richtigen Moment die Knöpfe auf dem Turntable, um Tonspuren zu aktivieren, reagiert mit dem Crossfader auf Mix-Anweisungen, scratcht an vordefinierten Stellen und verändert die Tonhöhen.

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