Red Dead Redemption: Undead Nightmare

Auferstanden von den Toten

Von einem Open-World-Spiel zum Nächsten. Gerade noch in Fallout: New Vegas in Nevada Mutanten gejagt und schon geht es mit John Marston in den Wilden Westen. Genauer gesagt in den Singleplayer-DLC Undead Nightmare, der auf den realistischen Ansatz des Hauptprogramms pfeift und euch gegen Zombies antreten lässt. Doch mal abgesehen von 300 Jahren Zeitunterschied und den herumschlurfenden Untoten sind mir drei Dinge bei dem direkten Wechsel aufgefallen. Erstens: Red Dead Redemption sieht wirklich verdammt gut aus. Nach der mittelprächtigen Gamebryo-Engine schmeichelt Rockstars RAGE mit seinen herrlichen Figuren, brillianten Sonnenuntergänge und weichen Animationen den geplagten Fallout-Augen. Hier stimmt fast alles.

Zweitens: Was für einmalige Kämpfe. Angetrieben durch wunderbares Trefferfeedback und herrlich explodierende Köpfe (auch in der deutschen Fassung), macht das Zombie-Abballern bei Undead Nightmare einen Haufen Spaß. Kein Vergleich zur Fallout-Schießbude. Okay, das ist ein Rollenspiel, trotzdem ist das Echtzeitballern in dem Endzeit-Brocken wirklich unbefriedigend. Und last but not least, und da zieht Red Dead Redemption klar den Kürzeren, man vermisst die weitreichenden Entscheidungen, die Fallout so spannend machen. Hier erlebe ich „nur" einen Film. Kann zwar bei Zufallsbegegnungen eingreifen, zum Beispiel einen Kannibalen töten oder Deserteure erledigen, doch am Drehbuch ändert das nichts. Ja ja, auch hier wieder: Es ist eben kein Rollenspiel. Passen würde es trotzdem.

Doch zurück zum DLC der eher ungewöhnlichen Sorte. Das Add-On fungiert als eine Art Zwischenspiel. John Marston hat sich gerade mit seiner Familie auf seiner Farm zur Ruhe gesetzt, als die Hölle losbricht. Tote steigen aus ihren Gräbern und drohen das junge Familienglück zu zerstören. John muss mal wieder losziehen, um den Karren aus dem Dreck zu holen. Sonst verwandeln sich Frau und Kind endgültig in Gourmet-Hirnfresser. Und man mag es kaum glauben, die Mischung aus Zombies und Western funktioniert. Zum großen Teil liegt das daran, dass Rockstar das Szenario immer wieder auf die Schippe nimmt.

Das hier ist keine Walking-Dead-alle-Menschen-sind-böse-und-müssen-sterben-Situation, sondern eine bewusst leichte Interpretation, die auch Freiraum für Blödsinn lässt. Neben den Zombies warten nämlich noch einige mystische Kreaturen auf euch, die es zu jagen beziehungsweise zu zähmen gilt. Neben den vier Pferden der Apokalypse, die jeweils über ganz eigene, praktische Fähigkeiten verfügen, könnt ihr auch Sasquatchs/Yetis jagen, ein Einhorn finden und einen Wolpertinger. Eingebettet in witzige Dialoge und garniert mit der richtigen Portion Gesellschaftskritik, gelingt es Rockstar, an die Qualitäten des Hauptspiels anzuknüpfen.

Na schön, bis auf ein frisches Areal wird vor allem Recycling betrieben. Ihr tobt euch bei Undead Nightmare auf der gesamten Karte aus und müsst diese mit den Pferden auch nahezu komplett selbst bereisen. Die angebotenen Reituntersätze, von einfachen Zombiepferden, die sich recht störrisch verhalten, über die Pferde der Apokalypse bis hin zu dem erwähnten Einhorn sind zwar deutlich schneller und ausdauernder, trotzdem ist man für meinem Geschmack etwas zu viel unterwegs. Vor allem weil das Add-On inhaltlich natürlich weniger zu bieten hat als das Hauptspiel. Die Leere zwischen den Orten mag ein wenig der Seuche geschuldet sein, trotzdem muss man hier ein paar Abstriche machen.

Seltsamerweise wurde auch die Schnellreisefunktion am Lagerfeuer abgeschafft, stattdessen geht das nur noch in den so genannten Safehouses. Auf eurem Weg durch die Zombie-Apokalypse trefft ihr nämlich immer wieder auf belagerte Dörfer, denen ihr beim Saubermachen unter die Arme greifen könnt. Gelingt es euch, eine bestimmte Anzahl von Zombies zu erledigen oder das Dorf mit genug Munition zu versorgen, bekommt ihr von den dankbaren Überlebenden Munition und ein Dach über dem Kopf geschenkt. Hier könnt ihr speichern, euch neue Klamotten anziehen oder aber zu anderen Siedlungen teleportieren.

Wirklich komplett anders spielen sich die Kämpfe. Anstatt packende Deckungsgefechte auszutragen, müsst ihr bei Undead Nightmare ständig in Bewegung bleiben. Einzelne Zombies sind natürlich keine Herausforderung, aber die Fieslinge sind meist Dutzendfach unterwegs und deutlich schwerer zu erledigen als ein normaler Räuber. Schüsse auf den Körper zeigen nahezu keine Wirkung. Mit etwas Glück fällt euer Opfer einfach um, steht aber ein paar Sekunden später wieder auf. Am besten zielt ihr gleich auf den Kopf. Habt ihr damit Probleme, setzt ihr auf den Dead-Eye-Modus, der in den folgenden Stunden euer bester Freund wird. Nur in der Zeitlupe lassen sich die Gegnerhorden unter Kontrolle bringen und so neben den Dörfern auch die Friedhöfe befreien.

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