LEGO Universe

Kindheitsträume erfüllen? Nur 10 Euro im Monat...

LEGO Universe könnte der beste Deal in Richtung Spielzeug sein, den ihr derzeit machen könnt. Für die 30 Euro Anschaffungskosten und zehn Euro im Monat, die ihr hier zahlt, bekommt man im Spielzeugladen erstaunlich wenig echtes LEGO. Ich musste das auf die harte Weise lernen, kommen doch langsam diverse Kinder im familiären Umkreis in das Alter, in dem sie zu Weihnachten LEGO-Dinge haben möchten. Und wer schon mal probiert hat, 5.000 Legosteine zu kaufen, diese bitte sortiert in 500 Kategorien von Formen, der weiß, dass ein Kleinkredit hilfreich bei der Anschaffung eines solch kolossalen Steinhaufens sein könnte.

Das ist nämlich grob die Menge an Steinen, die ich innerhalb weniger Tage bei LEGO Universe einsammelte. Und selbst mit über 30 bleibt das Kind im Manne voller Ekstase angesichts der Möglichkeit, diesen Berg völlig frei zu verbauen. Hinter dem MMO relativ klassischer Natur – zumindest an der Oberfläche – bietet LEGO Universe etwas, das weit wertvoller ist und sogar die monatlichen Gebühren allein rechtfertigen kann. Wenn ihr euch damit abfindet, dass die LEGO-Traumwelt, die ihr im eigenen kleinen Mini-Realm gebastelt habt, für immer digital im Rechner bleiben wird, dann bekommt ihr hier alles LEGO, das ihr euch jemals wünschen konntet.

Das Bauen selbst geht ziemlich locker von der Hand. Stein suchen, drehen, einpassen, in kaum mehr Sekunden, als es dauern würde, einen realen Stein zu verbauen. Ihn zu finden dauert jedoch mitunter genauso lange, wie früher in der großen Kiste nach dem einen, bestimmten und flüchtigen Teil zu kramsen. Es gibt eine Sortierung in dem riesigen Auswahlfeld der Steine, aber angesichts der schieren Masse an Steinarten hilft das auch nur bedingt. Man kann es LEGO Universe nur am Rande vorwerfen und ich persönlich hätte es schade gefunden, wenn man zugunsten von etwas mehr Übersichtlichkeit die Zahl der Steine und damit Möglichkeiten drastisch reduziert hätte.

Ein paar Sachen sind sogar möglich, die mit realem LEGO eher schwer umsetzbar wären. Trigger erlauben das plötzliche Auftauchen von Monstern beim Öffnen einer Kiste und Katapulte befördern das eigene LEGO-Männchen in hohem Bogen auf entfernte Plattformen. Geht auch mit den echten Figuren, nur die Präzisionslandung bleibt dann doch meist dem Zufall überlassen. Hier kann man seiner Kreativität also freien Lauf und auf Wunsch auch die ganze Welt daran teilhaben lassen. Gebt euer Realm frei und andere Leute werden bewerten, wie spannend sie dieses Geschöpf eurer Fantasie so fanden.

Das sind jedoch alles Sachen, die ihr erst in Angriff nehmen könnt, nachdem ihr eine ganze Weile im eigentlichen LEGO-Universe zugebracht habt und dort all die kleinen Steinchen hortetet. Inhaltlich bleibt es so kindgerecht, wie man es erwarten kann. Ihr sollt im Laufe vieler Missionen dabei helfen, den Fluss der Kreativität – ein MacGuffin, so gut wie jeder andere – wiederherzustellen. Die Erzählung und die Texte selbst wurden mit erstaunlich viel Liebe geschrieben und sogar vernünftig übersetzt. Es bleibt alles ein wenig kindisch, aber hier war jemand am Werk, der die Intelligenz von Kindern wohl nicht beleidigen wollte.

Am erstaunlichsten dürfte es sein, dass es keine Erfahrungspunkte im eigentlichen Sinne gibt. Ihr sammelt in Kämpfen – in denen die Gegner natürlich nur in LEGO-Steine zerfallen – Geld, neue Steine, Lebens- und Rüstungsenergie oder auch gelegentlich Abzeichen für eure jeweilige Fraktion. Diese braucht ihr, um innerhalb dieser aufzusteigen und neue, spezielle Waffen zu bekommen. Auch eine Art von Hochleveln und selbst wenn die Grenze derzeit bei Ausbaustufe drei liegt und niedrig klingt, dauert es eine ganze Weile, dort anzukommen. Vielleicht sogar ein wenig zu lange, da man für jeden Gegenstand eines bestimmten Levels diese Währung neu aufbringen muss.

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Vier Fraktionen gibt es und einmal nach etwa zwei Stunden entschieden, gibt es auch für diese Figur - vier könnt ihr pro Account haben - kein zurück. Krieger, Entdecker und Baumeister sind die „Guten", die Chaos-Truppe glaubt, dass man die böse Energie, die die Monster entstehen lässt, selber nutzen sollte, um das Böse zu bekämpfen. Näher kommt ihr in diesem Spiel nicht heran, wenn ihr einen bösen Charakter spielen wollt. Ist immer noch LEGO, echte Todesritter sind also eher selten.

Die Quests führen in einem manchmal zu weiten Bogen durch die verschiedenen Welten, sodass viel Sightseeing mit schon bekannten Ansichten stattfindet. Die Welten selbst reichen von eher schlicht und übersichtlich gestrickt bis zu recht verschachtelten und spannenden Werken wie der Ninja-Welt auf hohen Riesenbaumkronen und Bergspitzen. Diese Spannweite wird jedoch derzeit ein wenig zu dünn ausgefüllt.

Gerade mal acht Welten sind es und da muss man schon den Zentral-Hub, einen Haustier-Versammlungsort und eine Halb-Tutorial-Welt dazunehmen. Bereits nach zehn oder zwölf Stunden nahm die Zahl der Quests merklich ab und man musste schon ein wenig suchen, wollte man sich nicht nur mit generischen „Finde X von Y" abgeben. Die gute Nachricht ist, dass bereits über ein halbes Dutzend weiterer Orte angekündigt und die Startpunkte dieser als Baustelle verteilt sind. Nachschub wird also in Kürze bereitstehen, selbst wenn ihr euch derzeit das Vorhandene, zumindest bei intensivem Spielen, einteilen solltet.

Derzeit finden sich am Rande des Geschehens zwei Mini-Spiele. Das Erste, ein Rennspiel, macht einen guten Ersteindruck, schon allein, weil man sich sein Auto selber zusammenbasteln darf. Bei näherer Betrachtung jedoch sind es gerade mal zwei Strecken – weitere kommen später –, vor allem jedoch fiel die Fahrphysik, wenn man das hier so nennen möchte, selbst für eine Casual-Ablenkung ein wenig zu schlicht aus. Für ein paar Runden ganz lustig, aber nichts, was einen länger fesselt.

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