Apache: Air Assault - Test

Das Call-of-Duty-Syndrom

So langsam geht mir der ganze Terroristen-, Piraten- und Drogenboss-Quatsch auf die Nerven. Ja ja, und das aus dem Mund von Mister „Ich-gebe-Medal-of-Honor-eine-8". Doch dank Call of Duty und seinen vielen mehr oder minder erfolgreichen Ablegern und Kopien schlägt man sich inzwischen in nahezu jedem Militär-Titel mit Turban-Trägern und Putschisten herum. Klare feindliche Auseinandersetzungen oder gar richtige Kriege werden ausgeklammert und aufs Abstellgleis befördert.

So verwandeln sich selbst Flugsimulationen mit ihren dynamischen Frontverläufen, komplexen Taktiken und High-Tech-Auseinandersetzungen in generische Einzelspieler-Erfahrungen und schnöde Nummernrevuen. Momentaufnahmen, die ohne das entsprechende Budget nicht mal ansatzweise die Bildgewalt oder die Abwechslung eines Big-Budget-Shooters erzielen.

Und es geht immer wieder um asymetrische Kriegsführung. Altes russisches Ballermaterial gegen die hochmoderne High-Tech-Kriegsführung der Amerikaner. Was bei Infanteriegefechten noch einigermaßen funktioniert, verwandelt sich in einer Action-Flugsimulation zu einer Farce. Ja, im realen Kriegseinsatz werden Drohnen, Kampfjets und schwer bewaffnete Kampfhubschrauber gegen Pick-Ups mit Maschinengewehren und einfache Raketenwerfer eingesetzt, doch im Spiel verliert ein Titel dadurch an Spannung.

Apache: Air Assault ist wie schon H.A.W.X. 2 das beste Beispiel dafür, wie man sich mit dem Call-of-Duty-Syndrom zumindest storytechnisch ins Abseits befördert. Es muss ja nicht gleich die Klasse eines Strike Commander oder Red Baron erreichen, doch mit den ausgelutschten Feindbildern, der Mager-Geschichte und einer entsprechend dürftigen Präsentation kann man keinen Blumentopf gewinnen.

Natürlich bieten auch die Call of Dutys und Medal of Honors dieser Welt in puncto Charaktere und Emotionalität nur Dünnpfiff, doch dank der brachialen Inszenierung bekommt man es die meiste Zeit gar nicht mit. Lieber mal wieder eine dynamische Kampagne und einen waschechten Krieg. Manchmal muss man sich einfach entscheiden, ob man Action-Spiel oder Flugsimulation sein will. Noch dazu liefert das recht monothematische Hubschauber-Szenario in den Missionen kaum überraschende Elemente. Ohne eine gewaltige Übermacht haben die 08/15-Truppen keine Chance gegen einen dick gepanzerten Apache-Kampfhubschrauber. Die Entwickler müssen also tricksen, um das Spiel spannend zu gestalten.

Mehr zu Apache: Air Assault

Apache: Air Assault erzählt zwar auch das Märchen von einem stinkreichen Drogenkartell, das über modernste russische Kampfhubschrauber verfügt, doch irgendwie wirkt das ganze Szenario so ausgelutscht und beliebig, dass man den russischen Entwicklern eine Nachhilfestunde zum Spannungsaufbau geben will. Dazu passend gibt es nur schlecht gemachte Zwischensequenzen und ein paar Textfenster, um die Geschichte einer amerikanischen Spezialeinheit zu erzählen, die auf der ganzen Welt gegen Bösewichter kämpft.

Bei den meisten Missionen geht es dann auch designtechnisch recht simpel vonstatten. Abheben, Navigationspunkte abklappern, dort die jeweiligen Kontrahenten ausschalten und am Ende wieder heil landen. Nur ab und an müsst ihr einen verbündeten Konvoi beschützen oder mit eurer Bordkanone in ein Infanteriegefecht eingreifen. Ein Handlungsfaden lässt sich dabei nur schwer erkennen, im Prinzip werden in der Kampagne 16 recht umfangreiche Missionen geliefert, die oft zusammengewürfelt und generisch wirken.

Hier wurde viel Potential verschenkt, auch wenn der Titel optisch in der ersten Liga mitspielt. Es gibt ein halbes Dutzend unterschiedliche Locations samt wirklich erstklassiger grafischer Umsetzung. Mal fliegt ihr über einen dichten südamerikanischen Dschungel, mal durch arabische Canyons oder über dem indischen Ozean. Überhaupt ist die Optik ein Highlight des Spiels. Vor allem bei der Beleuchtung, aber auch bei den Bodendetails und den wirklich wunderhübschen Hubschraubern haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Über weite Strecken kann der Nischentitel zumindest hier das Stigma eines Nischenprodukts für Hardcore-Fans ablegen.

Kommentare (12) Latest comment vor 1 Jahr

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  • Longbow #1 vor 2 Jahren

    Also doch nichts für mich...
  • Harvey_Dent #2 vor 2 Jahren

    Weiß nun gar nicht was ich machen soll:ugly:

    Grafik gut, Steuerung gut, maue Story die eh egal ist, lange Missionen und relativ viele und Helikopter.
    Negatives habe ich jetzt nichts wirklich aus dem Test rausziehen können respektive was für mich negativ wäre.
  • Kristian #3 vor 2 Jahren

    @Harvey_dent: Naja, eben immer der gleiche Helikopter, keine Auswahl an Bewaffnung, kein spannendes Missionsdesign und sinnfreier Gunner. Das fällt mir noch ein. Ach ja und kein Online-KoOP in einem Hubschrauber oder ein motivierendes Multiplayer-System.
  • agony #4 vor 2 Jahren

    Ich vermute mal, die Entwickler wollten halt halbwegs realistische Inhalte anbieten, darum kann man halt den Apache nicht beliebig pimpen, individualisieren und mit besseren Waffen ausrüsten. Persönlich find ich das jedenfalls nicht tragisch. Und @Kristian: Wieso sinnfreier Gunner? Versteh ich nicht: Er macht ja durchaus Sinn mit seiner Funktion. Alternativ kannste das in den Optionen deaktiveren, dann ist dies auf gewisse Weise auch kein Kritikpunkt mehr. :)

    Persönlich hätte ich schon zu einem 7er gegriffen..aber vermutlich kann ich mit dem Spielkonzept etwas mehr anfangen? Jedenfalls mochte ich damals schon Commanche oder Gunship...gerader erstgenannte Serie ist ja entfernt vergleichbar...also was Action vs. Simulation betrifft.
  • Kristian #5 vor 2 Jahren

    @agony: Der KI-Gunner trifft einfach nichts. Und setzt immer wieder aus.
  • agony #6 vor 2 Jahren

    @Kristian: Auf welcher Plattform hast Du denn vorrangig gespielt? Also nicht treffen kann ich eigentlich nicht bestätigen? Aussetzen ist aber normal...muss ja auch nachgeladen werden...wird dann deutlich, wenn man selbst übernimmt...
  • Kristian #7 vor 2 Jahren

    @agony: Durch hab ich es auf der Xbox. Beim Rest hab ich nur reingeschaut. Mit dem Aussetzen mein ich nicht das Nachladen, sondern Phasen, wo er nicht schießt, obwohl Ziele in der Nähe sind. Außerdem hätte ich es besser gefunden, dass er auf ein ausgewähltes Ziel schießt. Mir ist das alles zu zufällig.
  • Harvey_Dent #8 vor 2 Jahren

    @Kristian, das sagst wem der Comanche Gold bis zum erbrechen gespielt hat:D

    Vielleicht trotzdem mal schauen ob es eine Demo gibt.
    Editiert von Harvey_Dent um 27/11/10 @ 01:10
  • Harvey_Dent #9 vor 2 Jahren

    Habe eben die Demo gespielt und jor, ganz gut soweit.

    Wobei ich mich erst in die Steuerung reinfuchsen muss.

    Nur die Heiligkeit ist Standardmäßig zu niedrig eingestellt.
  • S-Markt #10 vor 2 Jahren

    ich habe es und mir gefällt es. das mit dem bordschützen stimmt zwar, zwingt einen aber auch, häufiger auf die waffenkamera umzuschalten. man kann auch als pilot mit der bordkanone schießen. die physik des choppers gefällt mir gut, die storyline fehlt mir nicht so sehr, wie kristian. bin halt ein alter gunship-spieler. angenehm finde ich auch, daß die lenkraketen kein allheilmittel sind. dadurch ist man gezwungen, mit den hydras zu schießen und natürlich auch zu zielen.
    richtig nervig fand ich, daß man mit der bordkanone gegnerische flieger kaum vom himmel holen kann. eine freundlichere hitbox wäre hier mehr gewesen. generell: den trainigsmodus so schnell wie möglich abschalten und cockpitsicht einschalten.
    was auch spaß macht: versucht mal im tiefflug mit dem chopper einer straße zu folgen. ein bischen kunstflug geht auch.
  • brainbird #11 vor 1 Jahr

    Hmmm... als 'Fan der Materie' und nach der Demo wird das Ding bald mal in meiner 360 landen. Aber dass es nicht für jedermann ist leuchtet mir ein.
    Editiert von brainbird um 28/11/10 @ 22:22
  • Harvey_Dent #12 vor 1 Jahr

    Jor.

    Wirkt irgendwie wie Sniper (nicht vom Gameplay per se).