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Golden Sun: Die dunkle Dämmerung

Rollenspiel für lange Nächte

So richtig direkte Sequels sind bei Rollenspielen japanischer Machart eigentlich ausgesprochen selten. Final-Fantasy-Spiele wechseln von Teil zu Teil Welt und Protagonisten, und selbst wenn zwei JRPGs mal in der gleichen Welt spielen, dann liegen oft die allseits beliebten 1.000 Jahre zwischen zwei Episoden. Da ist Camelots Golden Sun: Die dunkle Dämmerung doch mal eine überraschende Ausnahme: Zwischen dem und der letzten Episode für den GameBoy Advance, Golden Sun: Die vergessene Epoche, liegen gerade einmal 30 Jahre!

Das bedeutet im Klartext, dass die Helden der ersten beiden Episoden mittlerweile gut in ihren 40ern sind – eindeutig zu alt für ein JRPG, das Genre, in dem Weltenretter selten älter als 16 Jahre sind. Also treten Isaac, Garet, Ivan und Co. zugunsten ihres minderjährigen Nachwuchses freiwillig in den Ruhestand. Jetzt sind Matthew, Tyrell, Karis und deren Mitstreiter an der Reihe. Aber nicht, bevor die alte, bärtige Garde der Vorgänger ihnen in einem ziemlich umfangreichen, aber auch angenehm unterhaltsamen Tutorial all die großen und kleinen Feinheiten des Golden-Sun-Universums beigebracht haben.

So charmant dieses Tutorial aber auch ist, wer ein wenig Ahnung von RPGs hat, wird sowieso ziemlich genau wissen, wo es bei Golden Sun lang geht, ist der Camelot-Titel doch ein Rollenspiel der klassischsten Sorte. Ihr erforscht Dungeons, haut Monster in rundenbasierten Zufallskämpfen mit Schwert und Magie und levelt regelmäßig auf. Und das ist auch 25 Jahre nach dem ersten Dragon Quest immer noch ein grundsolides und ungemein unterhaltsames Konzept, zumal all die Grundlagen hier absolut kompetent umgesetzt sind.

Für die nötige Komplexität sorgen die Dschinn – kleine Elementarwesen, die ihr mit euren Charakteren koppelt, um deren Charakterwerte zu verbessern und ihnen neue Manöver ins Repertoire zu zaubern. Außerdem sind die Dschinn der Schlüssel zu den grafisch beeindruckenden Beschwörungszaubern. Die wollen aber mit Bedacht eingesetzt werden, müsst ihr dafür doch die Dschinn von euren Helden entkoppeln – das schlägt sich sofort in der Kampf-Performance nieder.

Golden Sun: Dark Dawn - Trailer

Aber bei Golden Sun wird nicht nur gekämpft, sondern auch gerätselt. Als Magie-Adepten beherrschen Matthew und seine Mitstreiter diverse Psynergie-Techniken, mit denen sie ihre Welt manipulieren können. Verschmurgelt lästige Hindernisse mit Feuer, bewegt per Telekinese sperrige Objekte, um Wege freizuräumen, oder lasst kleine Ranken wachsen, um an ihnen auf höher gelegene Plattformen zu klettern – das bringt Würze in den Heldenalltag und gibt den Dungeon-Ausflügen einen willkommenen Zelda-Touch und hält den RPG-Alltag frisch.

Das Kampfsystem ist sehr durchdacht und komplex. Das Dschinn-System gibt euch eine ganze Menge Freiheiten bei der Entwicklung eurer Charaktere und gibt dazu den Kämpfen noch den richtigen strategischen Kick. Wann setzt ihr eure Dschinns frei? Wann löst ihr eure mächtigen Beschwörungszauber aus? Leider wird diese beeindruckende Komplexität aber nur in den seltensten Fällen genutzt.

Der Schwierigkeitsgrad ist durchgehend so niedrig, dass ihr all diese Feinheiten eigentlich nie benötigt. Warum sollt ihr groß mit der Dschinn-Verteilung taktieren, wenn es doch am meisten bringt, einfach jedem Charakter möglichst viele Dschinns der gleichen Elementarklasse aufzuladen? Warum sollt ihr euch mit dem Freisetzen der Dschinns herumschlagen, wenn doch ganz normale Angriffe die Kämpfe schneller und effektiver beenden?

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