Ubisoft spricht über Entwicklung von Splinter Cell: Conviction und Features

Zeitdruck und schwierige Arbeit

Mit Gamasutra sprachen Ubisoft Montreals Patrick Redding, Alex Parizeau und Maxime Beland jüngst über die Entwicklung von Splinter Cell: Conviction.

Erstmals angekündigt wurde das Spiel im Jahr 2007 und sorgte bei seiner Veröffentlichung in diesem Jahr für gespaltene Meinungen. Der Titel unterschied sich so deutlich von seinen Vorgängern, dass Ubisoft "der Meinung war, dass eines seiner wichtigsten Franchises möglicherweise in Gefahr" wäre.

Durch eine spätere Veröffentlichung wollte man dem Team die Chance geben, bestimmte Features einzubauen, die die bisherigen Fans der Reihe von einem Splinter-Cell-Titel erwarten. Im Grunde genommen fing man wieder von vorne an, allerdings war es praktisch unmöglich, alles zu implementieren.

"Viele Features, die zu einem Splinter Cell gehören, etwa dynamisches Licht, das Feuern mit zwei Händen und das Gadget-Management, mussten im wahrsten Sinne des Wortes von Grund auf neu progammiert werden", heißt es.

"Jegliche neue Mechaniken mussten auf diesen Must-Have-Features aufbauen, was für weiteren Zeitdruck sorgte und das Bugrisiko deutlich erhöhte."

"Der Schwarz-Weiß-Filter, der dem Spieler zeigt, dass nahe KI-Feinde ihn nicht sehen können, war von der Erneuerung des Licht-und-Schatten-Systems abhängig. Es war unmöglich, Änderungen an der Umgebungsbeleuchtung oder an der Nuance der Schatten vorzunehmen, ohne dadurch die Logik des Schwarz-Weiß-Filters zu beeinflussen, was das Ganze nur noch kniffliger machte und uns davon abhielt, es optisch so zu polieren, wie wir es wollten."

"Unglücklicherweise hatten wir nicht die Zeit, alles neu zu machen. Die analoge Bewegungsgeschwindigkeit wurde zugunsten eines vereinfachten Run-Walk-Systems aufgegeben. Die Möglichkeit, tote Gegner aufzuheben und ihre toten Körper zu verstecken, wurde niemals eingebaut - ebenso wenig das Knacken von Schlössern oder weitere Mechaniken zum Öffnen von Türen."

Conviction sollte insgesamt zugänglicher werden und den Spieler bei den Stealth-Elementen weniger bestrafen, um so eine größere Zielgruppe anzusprechen. Dadurch fielen eben bestimmte Features weg, etwa die schon erwähnte Möglichkeit, getötete Feinde zu verstecken, oder die Nutzung eines Messers für Nahkampf-Kills.

"Stealth-Games nehmen allgemein eine relativ kleine Nische ein und Ubisoft musste den Anreiz des Franchise erhöhen oder riskieren, dass es irgendwo dazwischen landet und niemanden zufriedenstellt", sagt man.

"Frühere Teile der Splinter-Cell-Reihe nutzten ein ziemlich bestraftendes Modell des Stealth-Gameplays, das eine gewissenhafte Beobachtung und Verschleierung erforderte und normalerweise böse endete, wenn die Aufmerksamkeit der Gegner bis hin zur Ausführung von Gewalt anstieg."

"Die Reihe für neue Spieler zu öffnen, die sich der Reputation der Serie bewusst waren, bedeutete, sich völlig neue Spielmechaniken auszudenken und einen Großteil der Komplexität der ursprünglichen Systeme zu straffen. Unglücklicherweise fielen einige der von den Leuten erwarteten Features - das Verstecken toter Feinde, die Nutzung von Messern in Nahkämpfen - dabei weg, weil sie niemals in den ursprünglichen Anforderungen an das Design auftauchten und es nicht genug Zeit gab, um sie erneut einzubauen und sie auf den Qualitätsstand früherer Titel zu bringen."

"Neben anderen Dingen sorgte auch der Entwicklungsdruck dafür, dass das Team nicht genügend Zeit hatte, um einen echten "Realistisch-Hardcore"-Schwierigkeitsgrad zu integrieren und zu balancieren, der die Spieler zufriedengestellt hätte, die das Spiel gerne auf traditionellere Art und Weise angegangen hätten."

Kommentare (7) Latest comment vor 1 Jahr

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  • Stachel #1 vor 1 Jahr

    Wenn man ein Franchises spieltechnisch von Grund auf umkrempelt, bleibt nur noch der Name übrig und Dank INet & Co habe ich das Spiel nun ausgelassen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Stealth ein Nischenprodukt sein soll. Das Gameplay ist ruhiger und kopflastiger und ich denke, dass es inzwischen viele "Gamer der ersten Stunde" wie mich gibt, die die 40 schon überschritten haben und dieses stresslose Gameplay bevorzugen ...
  • f1r3storm Bestätigt Redakteur, Eurogamer Deutschland #2 vor 1 Jahr

    Ich fands recht gut, hab allerdings davor auch nur das erste Splinter Cell ein bisschen gespielt.
  • AtlantisPrince #3 vor 1 Jahr

    Zwar habe ich es nie gespielt, aber kann ich mir nicht vorstellen, dass Conviction irgendwie etwas mit den Vorgängern zu tun haben könnte, von denen ich mit keinen habe entgehen lassen. Klar, die Story klingt für einen Fan wirklich interessant, weil sie sich mehr um Sam als Mensch, als Vater dreht. Aber das haben sie bestimmt auch nicht das gesamte Spiel über durchgezogen, oder?
    Sicher, in den Trailern die ich mir angeschaut habe, sieht das Gameplay ziemlich cool und interessant aus, aber nicht wie ein Splinter Cell.
    Hervorzuheben finde ich allerdings, dass die Entwickler so ehrlich und mutig sind, den Spielern zu sagen, was sie anders machen mussten und was einfach nicht mehr ging. Alles wiederum ein Beispiel dafür, wie sich Zeitdruck auf die Qualität eines Spieles auswirken kann. Ich meine damit nicht, dass das Spiel schlecht wäre, sondern irgendwie ja doch an der Fanbase vorbeigeht.
  • macone #4 vor 1 Jahr

    Das Game macht wohl Spaß, aber es hat nichts mit Splinter Cell zu tun. Ich mochte es immer, für die Gegner unsichtbar zu sein und ein Level mit möglichst wenig Toten zu beenden, teilweise sogar ohne jeglichen Gegnerkontakt. Zur Abwechselung hab ich dann mal versucht möglichst viele Gegner zu messern oder bin auch mal mit Schrotflinten Aufsatz durch die Levels gerannt.
    Und jetzt? "Renne von A nach B und töte alle Gegner." Sogar im Nahkampf muss man die Gegner töten. Ich hab kein Problem mit Ego-Shootern, in denen das üblich ist, aber in Splinter Cell war es vorher nicht so und deshalb finde ich es Schade. Seit SC III ging es in meinen Augen bergab.
  • fallingskyline #5 vor 1 Jahr

    Sehe es auch so, es hätte möglich sein müssen, sich komplett durch das Spiel zu schleichen und keinen, bis auf die evtl. Zielperson töten zu müssen. Conviction hatte für mich mehr was von einem Shooter als einem Stealthspiel, und somit bis auf den nichts mit Splinter Cell zu tun...
  • Garrus #6 vor 1 Jahr

    @macone
    "Seit SC III ging es in meinen Augen bergab."

    Wobei, Double Agent auf Xbox1/PS2 richtig gut war.
  • PaladinFenris #7 vor 1 Jahr

    Auch wenn es ein wenig actionbasierter ist, man hat meistens immer noch die Wahl, wie man vorgeht. Und auch ich ziehe lieber die Schleichwege vor, anstatt das offene Rumholzen.

    Das mit den Leichen hat mich aber auch gestört. Deswegen habe ich mir, wo möglich, angewöhnt, die Gegner erstmal als Schutzschild gegriffen, dann in die dunkle Ecke gehen und dann *knack*... naja, ihr wisst schon.

    Aber der nächste Teil muss meiner Meinung nach wieder an alte Tugenden anschließen. Ich warte ab erstmal auf die alte Trilogie in der Neufassung. Hoffentlich wird das kein Griff ins Klo wie die vergleichsweise schlecht geratene Prince of Persia Trilogie.