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Zeit²

Spielspaß hoch zwei?

Nach dem Spielen von Zeit² bin ich richtig froh, dass Plattformen wie Microsofts Xbox Live Arcade existieren. Ohne diese Vertriebswege kämen wir wahrscheinlich nie in den Genuss vieler Perlen. Vor allem nicht, wenn das Spiel als bloßes Studienprojekt startet.

In solch einem Fall kann man von Glück reden, dass die Studenten dazu ermutigt wurden, ihre Arbeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren, um später das Interesse von Ubisoft zu gewinnen. Ansonsten wäre es höchstens in einer weniger überarbeiteten Version im Netz gelandet und kaum jemand hätte es mitbekommen. Doch daran möchte ich gar nicht denken, sondern den kreativen Jungs lieber danken.

Denn Zeit² ist ein wirklich einmaliges Erlebnis, das frischen Wind in das – seien wir einmal ehrlich - angestaubte Genre der Shoot 'em Ups bringt. Der größte Unterschied zur Konkurrenz besteht in eurer Schildenergie. Ihr startet jeden Level mit 100 Prozent und erreicht durch erfolgreiche Treffer sowie das Aufsammeln von kleinen Tanks bis zu 200 Prozent. Viel interessanter ist jedoch die Tatsache, dass ihr bei jedem abgefeuerten Schuss Energie verliert und sich euer Schild ebenso verringert, falls Feinde an eurem Schiff vorbeifliegen.

Diese Eigenart scheint zunächst merkwürdig zu wirken, verwandelt das Geschehen nach wenigen Minuten allerdings in eine seltsame Mischung aus Shooter und Puzzler, die sich als eindrucksvolle Symbiose herausstellt. Blinde Schießerei führt unweigerlich zum Bildschirmtod. Vielmehr müsst ihr die Oberfläche beobachten und schnell auf die auftauchenden Gegnerformationen reagieren. Nur was tun, wenn die zähen Feinde gleichzeitig an der Ober- sowie Unterseite eures Fernsehers erscheinen?

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Lasst ihr keine Feinde an euch vorbei, steigt der Punktemultiplikator.

Genau an dieser Stelle benötigt ihr die Zeitfunktion, die der Name des Titels bereits erahnen lässt. Kümmert euch zuerst um die obere Gruppe und spult dann per Knopfdruck die Zeit zurück. Lasst ihr die Taste wieder los, erscheint eine Kopie eures Flugkörpers und führt dieselbe Aktionen noch einmal aus.

Während der Schattenkollege also die erste Truppe vernichtet, zerstört ihr die vorher unerreichbaren Flugmonster an der Unterseite. Da ihr diese Technik nicht unbegrenzt nutzen dürft, muss der Einsatz taktisch klug abgewägt werden. Über die vier Welten verteilt, wirft euch der Arcade-Modus immer wieder neue Barrieren vor die Füße, damit das Spielprinzip bis zum Ende hin frisch bleibt. Sobald ihr gelernt habt, mehrere Gruppen mit Hilfe der Zeitfunktion zu erledigen, tauchen verschiedene Monster auf, denen nur euer Doppelgänger oder das Original Schaden zufügen kann. Zudem wird der Weg eurer intergalaktischen Reise zunehmend von Geschützen gepflastert, deren Projektilen ihr besser ausweichen solltet. Als Belohnung für erfolgreich absolvierte Bosskämpfe, die unter einem akuten Abwechslungsmangel leiden, kassiert ihr ab und zu neue Spezialwaffen wie den Super-Beam. Ein riesiger Strahl, der alles in seiner Reichweite in Weltraumstaub verwandelt.

Für ehrgeizige Punktejäger existieren darüber hinaus weitere Feinheiten, um die Spitze der Leaderboards zu erklimmen. Schafft ihr es kurz nach dem Rückspulen, mehrmals auf eure Kopie zu schießen, gibt diese eine gewaltige Explosion von sich, die sämtliches Leben um euch herum pulverisiert und den Punktestand in die Höhe treibt. Je mehr Energie euer Schiff besitzt, desto größer ist der Schild um euch, wodurch es wiederum leichter fällt, euren Doppelgänger zu treffen.

Da sich die vier Welten mitsamt den Bonusarealen in weniger als zwei Stunden meistern lassen, stellt sich schnell die Frage nach dem Wiederspielwert. Auch hier brilliert Zeit² mit zahlreichen Modi, die alle einen bestimmten Aspekt aufgreifen und eine eigene Aufgabe um diesen herum stricken. So stellt euch der Taktik-Modus vor eine feste Anzahl an Feinden, die ihr auf eine bestimmte Weise vernichten müsst, um möglichst viele Punkte zu ergattern.

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Leider besteht die gesamte Farbpalette nur aus Rot und Blau.

Im Wellen-Modus hingegen darf kein Gegner den linken Bildschirmrand berühren und bei Zeitlimit zählen bloß die zurückgespulten Sekunden. Die Bezeichnung abwechslungsreich darf sich der Titel daher in großen Druckbuchstaben auf das Cover tattoowieren.

Was im Gegensatz zum Spielablauf keinesfalls für das Design gilt. Weder Sound noch Optik gewinnen irgendwelche Preise. Während euch dieselben monotonen Klänge in die Ohrmuscheln dringen, fliegt euer Raumschiff vor dem immer gleichen blauen Hintergrund. Halt, wartet: Einen Roten gibt es auch noch. Selbst die Gegner, die mit ihrem organischen Aussehen stark an flOw erinnern, variieren lediglich in ihrer Größe. Besonders von den Bossen hätte ich mir mehr erwartet, die sich bis auf den letzten Obermotz zu sehr ähneln. Einen wirklichen Höhepunkt abseits der letzten fünf Minuten sucht ihr vergebens.

Diese negativen Punkte sollten jedoch keinen Fan des Genres von einem Kauf abhalten und auch Einsteiger dürfen wegen des moderaten Schwierigkeitsgrades gerne zugreifen. Wer innovative Spiele wie Ikaruga mag, das brutale Kugelgewitter jedoch als abschreckend empfindet, könnte mit Zeit² das geeignete Shmup gefunden haben. Hardcore-Fans, die sich eher an japanischen Vertretern orientieren, stören sich vielleicht gerade deswegen an dem Titel und haben Probleme, über die Mängel der Optik hinwegzusehen. Zu diesen Leute sage ich nur eins: Selbst Schuld.

8 / 10

Zeit² steht ab sofort auf Xbox Live für 800 Microsoft Punkte oder auf Steam für 9,99 Euro um Download bereit. 360-Besitzer, die Probleme mit einer möglichen invertierten Steuerung haben, müssen ihre Einstellung in den Profiloptionen ändern.

Zeit² Björn Balg Spielspaß hoch zwei? 2011-01-25T12:00:00+01:00 8 10
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