DC Universe Online

Der Fanboy-Bonus

Ich glaube, mein erster erwachsener Comic war Conan der Barbar. Damals noch von Condor mit dem unsäglichen Papier, einigen Schwarz-Weiß-Seiten und einer kruden Übersetzung. Der Zeitraum? Irgendwann in den Achtzigern. Ich war glaube ich zehn. Vorher habe ich natürlich Micky Maus und Donald Duck gelesen, doch mit Conan begann ein neues Zeitalter. Geschichten, die mich ganz ohne moralische Komponente in ein fremdes, faszinierendes Universum beförderten. Schnell begann ich mit dem Hulk, den Fantastischen Vier und den Rächern. Superhelden-Comics, die von spannenden Übermenschen erzählten. Dann ging der Wahnsinn richtig los. Englische Comics aus einem Spezialladen, monatliche Serien und bis heute locker 2.000 Hefte.

Man kann mich also als einen Fanboy bezeichnen, der sich damals sogar auf Champions Online gefreut hat. Doch dieser Titel der Cryptic Studios hat mir die Lust auf ein Superhelden-MMO so richtig verdorben. Und nein, als City of Heroes gestartet ist, waren MMOs für mich uninteressant. Nun also DC Universe Online, von dem ich mir dank Champions wirklich nichts erwartet habe und das mich in ein paar Punkten ehrlich überrascht hat. Deshalb gibt es angesichts der Größe und Epik ausnahmsweise mal eine andere Präsentationsform. Viel Spaß!

Punkt 1: Die Grafik. Okay, die Außenareale können kaum mit einem GTA mithalten, liefern vor allem viel zu wenig NPCs und keinen richtigen Verkehr, aber in puncto Art Design und Beleuchtung sind Gotham und Metropolis dank Unreal Engine 3 eine wahre Pracht. Wenn sich dichter Nebel nachts über Gotham legt und der Mond zart die Retro-Hochhäuser beleuchtet, fühlt man sich direkt in den Sündenpfuhl von Batmans Heimatstadt hineinversetzt. Und auch Metropolis hat seine schöne Seiten. Dicht bewachsene Stadtparks, strahlende, futuristische Hochhäuser und schicke Statuetten zeugen von der Pracht einer Zukunftsmetropole. Kein Vergleich mit den hässlichen Polygon-Kulissen von Champions.

Außerdem sind die meisten Spielfiguren schön detailliert. Von den bekannten Helden hatte ich zwar etwas mehr erwartet, aber die Spielercharaktere sehen fast alle fantastisch aus. Der Charakter-Generator ist zwar lange nicht so mächtig wie bei Champions Online, dafür stimmt das Endergebnis und es kommt selten zu Geschmacksverirrungen. Allein bei den Animationen der NPCs sollte Sony noch nachlegen. Passanten und Gegner zittern so sehr beim Laufen, dass man meinen könnte, sie haben ständig epileptische Anfälle.

Punkt 2: Die Ausrüstung. Doch es wird noch besser: Unter der schönen Haube steckt auch noch ein deutlich sinnvollerer Gameplay-Motor. Sony Online geht nämlich bei der Ausrüstung einen anderen, für mich logischeren Weg. Hier gibt es endlich wieder den bewährten Loot-Faktor. Man sammelt Waffen, Rüstungsteile, Schmuck und Trinkets. Diese bringen verschiedene Stats und stets einen Style mit sich. Damit ein neues Ausrüstungsstück nicht euer liebevoll zusammengestelltes Aussehen zerschießt, könnt ihr euren Look frei definieren. Neben der Verbesserung eurer Kräfte bekommt ihr so noch zusätzlich den Anreiz, euch noch mehr kreative Freiheit zu erspielen. Ein geniales System.

Punkt 3: Das Kampfsystem. Auch im Kampf geht Sony einen eigenen, wirklich interessanten Weg. Es gibt keine Auto-Attacke. Stattdessen haut euer Charakter wirklich nur dann zu, wenn ihr den entsprechenden Knopf drückt. Auf der PS3 geht das Ganze wie bei einem Action-Rollenspiel zur Sache. Anvisieren, drücken, treffen. Auf dem PC gestaltet sich das Zielen etwas schwieriger. Ihr könnt zwar per Tab einen Gegner in den Fokus nehmen, die Angriffe gehen aber doch manchmal daneben. Im Gegenzug spielen sich die Gefechte deutlich dynamischer als zum Beispiel in World of WarCraft. Ihr könnt zwar immer nur sechs Fähigkeiten mitnehmen, doch dank eines komplexen Systems aus Kombos, Kontern, Unterbrechungen und Blocks sind die Gefechte keinesfalls anspruchslos. Viel mehr müsst ihr euch gut überlegen, welche Fähigkeiten ihr mitnehmt und wo ihr eure Punkte investiert. Außerdem verbrauchen die Kräfte Macht (Mana), können also nicht die ganze Zeit eingesetzt werden.

Es gibt Hunderte Kombinationen für die sechs Klassen und vier Grundausrichtungen. Außerdem müsst ihr euch die diversen Tastenkombinationen merken, die zu wirklich durchschlagkräftigen Attacken mit Spezialeffekten führen. Sony hat nämlich eure Waffenfertigkeiten von euren Kräften getrennt. Angriffe mit Bogen, Pistolen, Handblastern und Äxten sind also der Ersatz für die Auto-Attacken. Neu ist dabei, dass ihr euren Charakter entweder auf Waffen oder auf Kräfte auslegen könnt. Das erweitert gehörig die Möglichkeiten und sorgt für überraschend viel Tiefe. Mit etwas Geschick lassen sich so auch Gegner mit einem deutlich höheren Level besiegen. Ein wirklich interessanter Ansatz.

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