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Stacking

Hochstaplerei

Hans Allendorf ist eine ziemlich kleine Matrjoschka-Puppe, nur eine Nummer größer als ihr, Charlie Blackmore. Er ist deutscher Einwanderer, trägt ein blaues Matrosenkostüm zu seinem roten Haarschopf und verfügt über eine zentrale Qualität: Einen extrem flachen und ebenmäßigen Kopf.

Der führt dazu, dass andere Matrjoschkas gerne sperrige Gegenstände auf ihm abstellen: Einen Stapel schwerer Koffer oder einen Mixer samt bis zum Rand gefüllter Rührschüssel zum Beispiel. Hans hat außerdem eine Schwäche für Kekse, weshalb er sich oft ein bisschen zu eifrig am Gebäck vergeht. Daraufhin wird ihm übel und er muss sich übergeben. Die Leckereien purzeln auf Knopfdruck aus ihm heraus und kullern unter den Augen der entsetzten Gäste am Kaviar-Buffet noch ein wenig den Boden entlang.

Hans ist mit Mutter und Schwester eigentlich nur auf dem Weg ins Schnitzelmuseum, allerdings verliert sich das Trio in jeder der vier Welten aufs neue. Immer wieder kreuzt ihr Hans' Weg und jedes Mal hat er – als einzige der ungezählten Puppen im Stacking-Universum – dank absurd veränderter Begleitumstände eine andere "Fähigkeit". Es ist diese Sorte Running-Gag, die Double Fines Ausnahmestellung unter den Spielestudios dieser Welt unterstreicht. Tim Schafers Team hat ein echtes, wahrhaftiges Talent, Leute zum Lachen zu bringen und sieht darin sogar seinen zentralen Auftrag.

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Gestatten: Familie Allendorf aus Deutschland

Die einzige Frage, die sich daraus für euch ergibt, ist, ob euer Humorverständnis eine Schnittmenge mit dem von Double Fine aufweist. Falls ja, findet ihr in Stacking den ersten und damit gleichzeitig auch weltbesten Slapstick-Simulator. Man muss tatsächlich ein neues Wort dafür erfinden, denn der Begriff "Videospiel" greift hier nur bedingt. Oder besser gesagt: Würde man Stacking unter reinen Spielgesichtspunkten bewerten, käme ein wenig schmeichelhafter Artikel dabei heraus.

Es ist leicht, der erste Durchlauf ziemlich kurz und die gesamte Gameplay-Mechanik beschränkt sich darauf, durch den Level zu wanken, bis man die Puppe mit der richtigen Spezialfähigkeit gefunden hat, um das gesetzte Hindernis zu überwinden. Teils ziemlich lange Wege und Trial and (immerhin folgenloser) Error inklusive. Das war's. Damit würde man es sich aber nicht nur viel zu einfach machen, sondern auch komplett daneben liegen.

Natürlich ist man vermutlich nicht mehr als fünf Stunden mit Charlies Suche nach seinen entführten Familienmitgliedern beschäftigt. Wer sich aber darauf beschränkt, geht vermutlich auch während eines Stand-Up-Programms von Ricky Gervais bei jedem zweiten Scherz an die Bar, auf die Toilette oder telefonieren. Nicht nur steckt jeder der vier Level voll mit lustigem Quatsch, auch für jedes der zentralen Rätsel gibt es mindestens drei, oft sogar fünf verschiedene Lösungen. Das Spiel zeigt euch jedes Mal, wie viele ihr schon gefunden habt und belohnt jeden eurer Erfolge aufs Neue mit urkomischen Animationen.

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Das Stapeln in eine größere Figur hinein ergibt ein befriedigendes Klackern.

Einige einzigartige Matrjoschkas sind zudem nur unter bestimmten Voraussetzungen zu bekommen, was durchaus einigen Ehrgeiz im Spieler weckt. Denn in der Zentrale eures Feldzuges gegen den bösen Baron dokumentiert ein freundlicher Landstreicher euren Fortschritt mit mehrteiligen Gemälden und einer exemplarischen Sammlung der "Uniques".

Und dann sind da noch die "Schabernack"-Aufgaben, die an verschiedene Achievements gebunden sind. Stapelt ihr euch von hinten in eine Figur mit einem besonderen Talent hinein, müsst ihr dies an bestimmten Stellen einsetzen, um die "Mission" zu erfüllen. Da ihr nur sachte Hinweise bekommt, was ihr zu tun habt, müsst ihr mit den schillernden Figuren experimentieren. Der Jahrmarkt-Muskelmann verteilt zum Beispiel "Royal Wedgies", zieht den anderen Figuren also die Unterhosen stramm. Macht er das oft genug, erhält er als Auszeichnung eine goldene Unterhose, die er auf dem Kopf trägt. Wer als Fotograf eine bestimmte Anzahl an Puppen mit dem Blitz blendet, bekommt auch ohne selbstbeweihräuchernde Gala-Veranstaltung eine goldene Kamera und die dicke Walküre muss mit ihrem Gesang nur für genügend Scherben sorgen, um sich eine besonders güldene Version ihres behornten Helmes aufzusetzen.

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