Marvel vs. Capcom 3 – Fate of Two Worlds

Hektische Hauerei oder komplexe Kampfkunst?

Eines muss man klar und fest konstatieren: Wenn es um große Crossovers geht, dann zieht das keiner so stilvoll durch wie Capcom. Erinnert ihr euch noch an das piefige Mortal Kombat vs. DC Universe? Höchstwahrscheinlich kaum, so öde und austauschbar war die dünn inszenierte und spielerisch lauwarme 2,5D-Klopperei. Capcoms Marvel vs. Capcom 3 dagegen ist ein üppiges Prügel-Festmahl, über das man noch lange reden wird.

Von der ersten Sekunde an bietet Marvel vs. Capcom 3 satten Diskussionsstoff. Das schicke Intro, die große und oft überraschende Auswahl der Figuren und schließlich auch der erste Kampfeindruck... ältere Semester laufen hier spontan Gefahr, vor diesem audio-visuellen Generalangriff erst einmal zu kapitulieren: Was hier auf dem Bildschirm los ist, das muss man geistig erst einmal verorten.

Die Spielgeschwindigkeit ist exorbitant hoch, in den Hintergründen tanzt die Kuh und bereits normale Special-Moves würden bei anderen Prüglern als Super-Attacken durchgehen. Also, erst einmal langsam... durchatmen... runterkommen... Ja, das Spiel wirkt spontan hektisch, wild und überfrachtet, doch dieser Eindruck gibt sich nach ein paar Matches und bald habt ihr zumindest einen gewissen Durchblick.

Hilfreich ist da vor allem, erst einmal mit ein paar vertrauten Gesichtern in den Kampf zu ziehen. So reizvoll Amaterasu, Rittersmann Arthur, Fiesling Dormammu oder Wasserkopf M.O.D.O.K. auch aussehen mögen, für den Anfang ist es gar nicht mal so dumm, erst einmal mit einfacheren Figuren wie Ryu oder Captain America in den Ring zu steigen, bevor ihr euch an die komplexeren Kämpfer macht. Denn die haben es in sich – so sehr, dass wir einfach auf ein paar von ihnen genauer eingehen müssen.

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Marvel-Helden für jeden Geschmack: X23 überzeugt mit Speed und Sex-Appeal, Iron Man ist ordentlich flexibel und mit Deadpool habt ihr eine Menge zu lachen.

Eine ganz andere Liga als Chun Li oder Akuma ist beispielsweise die Okami-Wolfsgöttin Amaterasu. Wollt ihr sie beherrschen, dann ist das Verständnis über die verschiedenen Kampfposen unabdingbar. Drückt ihr zweimal nach unten und einen der Angriffsknöpfe, dann wechselt die Wölfin die Haltung und hat andere Manöver zur Verfügung: Mit dem Schwert könnt ihr krachende Kombos verteilen, die Peitsche ist dagegen großartig, um den Gegner auf Distanz zu halten. Aber all diese Manöver wollen natürlich erst einmal beherrscht werden...

Noch kniffliger spielt sich der bärtige Arthur: Der ist langsam und hat keine Dash-Manöver, ist dafür aber ein fantastischer Fernkämpfer: Mit Lanzen, Dolchen und anderen Hilfsmitteln hält er sich den Gegner vom Leib. Einer seiner Super-Moves ist besonders taktisch: Mit dem richtigen Kommando wechselt er in seine goldene Rüstung und freut sich über einen gehörigen Angriffs-Boost. Doch nach einiger Zeit lässt die Wirkung nach und Arthur steht – ganz wie im Original – in rot getupften Unterhosen da... keine Frage, Arthur ist eine echte Profi-Figur.

Marvel vs. Capcom 3 - Gameplay-Video

Und dann ist da noch M.O.D.O.K., ein altgedienter Marvel-Bösewicht, der so durchgeknallt aussieht, dass er nur der Feder des großen Jack Kirby entsprungen sein kann. M.O.D.O.K. ist groß, ziemlich hässlich und sein Kampfstil ist zuerst einmal hochgradig verwirrend. Ähnlich wie Arthur ist auch er ein ausgesprochener Distanzkämpfer, ist dabei aber hochgradig mobil: Anstatt zu springen, fliegt er einfach hoch in die Luft und beharkt euch dann von oben: In den Händen eines fähigen Spielers könnte euch der fies grinsende Fiesling den letzten Nerv kosten.

Zum Glück gibt es ein paar einfache Tricks, die man sich schnell beibringt und die das Leben hier kolossal erleichtern. So ist es beispielsweise sehr wichtig, regelmäßig eure aktive Figur zu wechseln. Ein Teil eures eingesteckten Schadens ist nicht sofort permanent: Schickt ihr einen angeschlagenen Recken erst einmal auf die Ersatzbank, dann regeneriert der dort langsam aber sicher den roten Teil seiner Energieleiste: Mit einem guten Wechseltiming könnt ihr so ordentlich lange durchhalten. Aber Vorsicht: Jede Figur beherrscht ein Manöver, mit der sie den momentan aktiven Kämpfer aus dem Ring hauen und so einen Wechsel erzwingen kann.

Sehr praktisch, besonders wenn die Lage so richtig eng wird, ist der X-Faktor. Aktiviert ihr den, beginnt eure Figur rot zu glühen und legt nochmal so richtig los. Ihr freut euch über einen Speed-Up, härtere Attacken, bessere Cancel-Möglichkeiten und dazu lädt sich der rote Teil eurer Energie sogar auf, wenn ihr im Ring seid. Das ist insofern sinnvoll, als dass der X-Faktor wirklich ein letztes Aufbäumen darstellen soll: Wenn eure beiden Mitstreiter bereits zu Boden gegangen sind, dann hält der X-Faktor weit länger an als wenn all eure Kämpfer noch aktiv sind.

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