Darkspore

Besser als befürchtet, schlechter als erhofft

Beim Spielen von Darkspore ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr ich vernünftige Action-Rollenspiele vermisse. Obwohl der Titel mit vielen Problemen zu kämpfen hat, spielerisch nicht einmal ansatzweise an Diablo 2 herankommt und auch optisch eine eher durchschnittliche Figur macht, wurde ich zumindest für ein paar Stunden wieder direkt und unaufhaltsam ins Spiel gesogen. Immer auf der Jagd nach dem nächsten guten Gegenstand, der nächsten knallharten Auseinandersetzung und dem nächsten abgefahrenen Helden.

Angetrieben durch die wirklich erstklassige Hintergrundmusik, die mich mit ihren sphärischen Klängen erfreulicherweise an Blade Runner und Co. erinnert, konnte ich mich eine Nacht kaum losreißen und kroch erst gegen 4 Uhr müde ins Bett. An einem Arbeitstag! Ein gutes Zeichen. Doch nachdem die Anfangseuphorie abgeklungen ist und sich langsam die Ernüchterung breitgemacht hat, ist der Zauber wieder verflogen. Darkspore versagt nämlich genau dort, wo Diablo 2 einen so richtig am Schlafittchen packt: Bei der Langzeitmotivation.

Doch der Reihe nach: Darkspore hat, wie schon in der Vorschau erwähnt, wenig mit Spore zu tun. Das Maxis-Team verwendet bis zu einem gewissen Punkt den berühmten Kreaturen-Designer und inhaltlich könnte das Ganze in einer ähnlichen Welt spielen. Ein Volk namens Krogenitoren manipuliert an DNA herum und produziert dabei die sogenannten Darkspore. Fiese Viecher, die nun das Universum heimsuchen und dabei auch noch ihre Schöpfer auslöschen. Eure Wenigkeit ist einer der letzten Krogenitoren, der mit seinen selbstgebastelten Spore-Kämpfern versucht, die dunkle Bedrohung aufzuhalten.

Im Grunde also eine Standard-Science-Fiction-Geschichte, die leider ohne richtige Charaktere, Quests oder andere atmosphärische Highlights auskommt und so spannungstechnisch keine Bäume ausreißt. Ja, bei Diablo 2 hat am Ende auch niemand mehr nach Kain und Konsorten gekräht, trotzdem war wenigstens der erste Durchgang spannend. Darkspore lässt einen trotz eingeschobener Zwischensequenzen und wirklich hervorragender Musik seltsam kalt. Man hat stets das Gefühl, dass erst das Spiel und dann die passende Geschichte entwickelt wurde.

Nacheinander geht es auf verschiedene Welten, auf denen ihr ganze Horden unterschiedlicher Gegner mit abwechslungsreichen Kräften und Attacken platt macht und euch jeweils am Ende einem Endgegner stellt. Im vierten Unterlevel wartet dann ein Riesen-Darkspore auf euch, der besonders hart austeilt. Danach geht es auf den nächsten Planeten mit einem anderem Thema. Mal Eis, mal Feuer, mal Wald. Insgesamt warten sechs mehr oder weniger hübsche Welten auf euch. Zum Glück hat sich hier seit der ersten Beta eine Menge getan. Dank neuer Beleuchtungseffekte und mehr Details sieht das Spiel deutlich besser aus. Technisch ist Darkspore damit zumindest gut, beim Design aber sehr gewöhnungsbedürftig. Besonders die schrägen Helden dürften nicht jedermanns Geschmack sein. Manche sehen einfach peinlich aus.

Habt ihr dann die erste Welle bezwungen, geht es mit einem höheren Schwierigkeitsgrad von vorne los. Eine entscheidende Rolle spielt dabei eure Ausrichtung. Insgesamt gibt es drei unterschiedliche Klassen und sechs Elemente. Die insgesamt 100 Helden, die ihr nach und nach freispielt, sind entweder Tank, schadensorientierte Verwüster oder eher magische Sturmhelden. Die Elemente sind Natur, Cyber, Nekro, Quanten, Plasma und Psy. Diese spielen insofern eine besondere Rolle, weil Gegner mit dem gleichen Element wie der aktuell aktive Held doppelten Schaden machen.

Ihr zieht immer gleichzeitig mit drei Kämpfern in die Schlacht, die ihr auf Knopfdruck austauschen könnt. Jeder hat dabei drei Fähigkeiten. Zwei stehen nur ihm zur Verfügung, die Dritte können auch seine Kollegen nutzen. Das klingt nicht nur sehr limitiert, sondern ist es auch. Zum Teil wird es durch die vielen Helden wieder ausgeglichen. Diese sehen sich später aber sehr ähnlich. Eine wirklich seltsame Mischung.

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