Driver: San Francisco

Neuer Versuch, neues Glück?

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Mit der Driver-Marke wurde schon jede Menge Schindluder getrieben. Nach dem technisch unterirdischen, spielerisch aber gelungenen zweiten Teil wurde Driv3er im Sog von Grand Theft Auto von Reflections in ein durch und durch mittelmäßiges Action-Adventure verwandelt, das eher durch gekaufte Wertungen als spielerische Qualitäten von sich reden machte. Und auch der Nachfolger Driver '76 war meilenweit von der Bedeutung des damals bahnbrechenden Erstlings entfernt. Wieder Rumlaufen, nur diesmal in den Siebzigern. Macht auch kein besseres Spiel.

Bei Driver: San Francisco gibt es deshalb erst einmal eine gute Nachricht. Reflections überlässt das Open-World-Geballer mit Fahrzeugunterstützung Rockstar und konzentriert sich ganz aufs Fahren. Und das mit 60 Frames pro Sekunde. Das sieht zwar nicht ganz so gut aus wie bei großen Konkurrenten á la Need for Speed: Hot Pursuit, steuert sich aber vollkommen flüssig und bietet eine offene Welt. Ganz wie das Original. Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht: Wer nun ein klassisches Driver mit Krimi-Story und "normalem" Gameplay erwartet, dürfte etwas enttäuscht sein. Reflections führt ein Feature ein, dass nicht nur paranormal daherkommt, sondern sich auch extrem ungewöhnlich spielt.

Das Ganze nennt sich Shift und ist eine Art Seelenwanderschaft auf Knopfdruck. Ihr könnt während des Spielen jederzeit aus dem aktuellen Körper hinausschlüpfen, wie ein Gott über dem Spielfeld schweben und mit einem weiteren Knopfdruck in einem anderen Fahrer beziehungsweise Fahrersitz landen. Während ihr also gerade noch mit einem Krankenwagen mit Blaulicht über die Straßen von San Franciscos brettert, um ein Unfallopfer so schnell wie möglich in die Notaufnahme zu bringen, seid ihr Sekunden später im Körper eines potentiellen Sportwagenkäufers, der den Verkäufer mit wilden Manövern und Beinahe-Unfällen in den Wahnsinn treibt. Das klingt natürlich im ersten Moment wenig nach "dem Driver". Doch wenn man den ersten Schock überwunden hat, macht das Seelengehüpfe sogar Spaß.

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass der Hauptdarsteller der ersten drei Teile, John Tanner, auf einmal einen auf "Ghost - Nachricht von Sam" macht? Naja, Driver: San Francisco fängt relativ normal an. Tanner hat gerade den Verbrecherboss Charles Jericho eingebuchtet und könnte sich eigentlich auf ein paar entspannte Wochen freuen. Doch als dieser in ein anderes Gefängnis verlegt wird, kribbelt es dem Cop in den Fingern. Er möchte wirklich sicher gehen, dass der Psychopath seiner wohlverdienten Strafe überführt wird. Doch es kommt, wie es kommen muss: Jericho gelingt es, dank einer Säure-Kapsel, einer Helferin mit Raketenwerfer und seinen nicht zu unterschätzenden Nahkampf-Fähigkeiten, zu fliehen. Tanner rast natürlich hinterher.

Doch die Jagd durch die Stadt der Hügel endet in einer Katastrophe. Jericho drängt Tanner mit dem gepanzerten Gefangenentransporter von der Straße und sorgt für einen brutalen Unfall, der den Helden mit einem großen Wumms ins Koma befördert. Doch statt das Zepter nun gar an einen neuen Protagonisten zu übergeben, steuert ihr von diesem Zeitpunkt an Tanners Geist, der scheinbar in die Körper anderer Menschen schlüpfen kann. Was davon Traum und was Realität ist, bleibt Reflections uns schuldig.

Immer wieder sorgen kurze Einblendungen und Flashbacks für den Eindruck, dass sich das gesamte Abenteuer nur im Kopf des Koma-Patienten abspielt. Interessanterweise fahrt ihr gleichzeitig in dieser Parallelwelt ganz ohne Schaden mit eurem Partner auf der Jagd nach Jericho über die Straßen von San Francisco. Aus diesen Ausflügen in den eigenen Körper werden beim neusten Driver praktisch die Story-Missionen. Diese muss man aber wiederum durch das Erledigen von Nebenmissionen erst einmal freischalten.

Und genau hier überzeugt Driver: San Francisco mit einer Vielfalt, die nur mit dem Shift-Feature möglich wird. So springt ihr zum Beispiel in einen TV-Truck, der auf der Suche nach halsbrecherischen Autofahrern und Verfolgungsjagden ist. Erst positioniert ihr den Aufnahmewagen an der richtigen Stelle, dann geht es in einen nahen Sportwagen und ihr hakt einen Wunsch nach dem anderen ab. Erst rauscht ihr mit Höchstgeschwindigkeit über eine Kreuzung, dann verursacht ihr einen satten Frontal-Unfall und zu guter Letzt liefert ihr euch eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei samt Stunt-Sprung. Immer in einem anderen Fahrzeug, immer mit einem anderen Fahrgefühl.

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