Verärgerte High-Voltage-Leute verrissen scheinbar Buch eines Spieletesters

Retourkutsche für Conduit-2-Review

Wow. Guter Stil geht irgendwie anders, das müsste doch gerade ein Art Director wissen: Eine an die Öffentlichkeit gelangte interne Email von The-Conduit-2-Art-Director, Matt Corso, deutet stark darauf hin, dass der Entwickler Mitarbeiter zu einer unschönen Aktion aufrief: Das Buch eines Kritikers, T. Michael Murdock, auf Amazon mit negativen Kundenbewertungen zu bombardieren.

Wie Wired berichtet, schrieb Corso in einer Email, "Michael war so freundlich, ein Review zu The Conduit 2 zu schreiben. Tut euch also keinen Zwang an und erwidert diesen Gefallen, indem ihr eine Leser-Bewertung für Michaels Buch schreibt (lest es natürlich vorher)."

Binnen eines Tages seien daraufhin laut Wired mehrere negative Meinungen zu Murdocks Buch, The Dragon Ruby, auf der Amazon-Produktseite erschienen, die aber mittlerweile wieder entfernt wurden.

Zugegebenermaßen ging Murdock im Test für die Kollegen von Joystiq recht hart mit dem Wii-Shooter ins Gericht. Am Ende stand nur einer von fünf Sternen unter dem Text. Die mittlerweile von High Voltage Softwares Eric Nofsinger als echt bestätigte Email erreicht aber einen Grad an persönlichem Gift-und-Galle-Ausstoß, wie sie jeglicher Professionalität entbehrt.

"Ich glaube, er hat das ironisch gemeint", so Nofsinger zu Wired. "Wir würden niemals jemanden für seine Meinung bezüglich eines Spieles attackieren wollen." Weiterhin kritisierte er zwar den Artikel wegen seiner "schwachen Form" und als "kindisch", dies rechtfertige aber keine ebenso geartete Vergeltung.

Corso hat sich inzwischen entschuldigt, relativiert aber seinen Brief im gleichen Atemzug:

"Ich hatte nicht wirklich so böse Gedanken, als ich das schrieb. Tatsächlich zog ich es sogar ernsthaft in Betracht, dieses Buch zu kaufen. Ich wollte ernsthaft wissen, wie gut es sein musste, dass dieser Typ sich im Recht empfand, unser Game so zu zerreißen und das Ende zu verraten. Und dann am Ende auch noch so eine Schleichwerbung für sein Buch zu betreiben, um zu implizieren, dass wir mies sind und er total super."

Tatsächlich steht unter Murdocks Review ein Link zur Amazon-Seite von The Dragon Ruby. Allerdings darf man durchaus davon ausgehen, dass dieser von Joystiqs Redaktion eingefügt wurde, um dem freien Autoren Profil zu verleihen und nicht vom Freelancer selbst eingefügt wurde, um Überlegenheit zu demonstrieren.

Murdock reagierte jedenfalls kritisch auf High Voltages Antwort:

"Es ist ihnen wirklich egal, was da passiert ist. Und sie versuchen gerade, ihre Finger aus dem Keksglas zu bekommen, bevor ihnen jemand draufschlägt. Sie haben schlicht kein Bedauern für das, was sie getan haben und denken, die Industrie und alle anderen tun es mit einem Lachen ab."

"Ich hoffe, das wird nicht passieren", fügt er hinzu. "Eine Spielefirma sollte sich nicht immer wieder in den Fuß schießen und hoffen, dass das Humpeln irgendwann verschwindet."

Also High Voltage: Schaum vom Mund abwischen und bloß nicht noch einmal bei so einer peinlichen Aktion erwischen lassen. Am besten, einfach das scheinbar durchaus vorhandene Temperament in relevantere Spiele investieren, dann klappt's auch mit den Wertungen. Bei uns erhielt The Conduit 2 im Test 6 von 10 möglichen Punkten.

Kommentare (10) Latest comment vor 1 Jahr

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  • Kain201 #1 vor 1 Jahr

    Das macht mich wirklich wütend. Joystiq sollte sich von diesem Autor trennen, Spoiler über das Ende haben nichts in einem Test verloren.
  • m_coaster #2 vor 1 Jahr

    Solche Reviews braucht doch echt kein Mensch, ein selbstverliebter Redeakteur der sich mit seiner "Macht" zum Gott aufschwingt und Spiele abstraft. Ich kann die Aufregung von High Voltage durchaus verstehen - also Joystiq Schaum vom mund abwischen und andere Redakteure einstellen... ;)
  • fallingskyline #3 vor 1 Jahr

    Es mag zwar ein Armutszeugnis für einen Kritiker sein, das Ende eines Spiels vorwegzunehmen, aber es ist ein noch größeres Armutszeugnis Seitens des im Betrag genannten Art Directors mit Kritik, sei sie gerechtfertigt oder nicht, nicht umgehen zu können, und deshalb so eine Aktion zu starten...
  • Bohnsen #4 vor 1 Jahr

    Auch ohne The Conduit 2 durchgespielt zu haben und auch als Gegner von Spoilern in Artikeln: Das Ende wurde mit mit einer entsprechenden Spoiler-Warnung versehen ("wer es nicht wissen will, überspringt den nächsten Abschnitt") und als Beispiel für die schwache Geschichte herangezogen.

    Außerdem darf man davon ausgehen, dass vor allem die harsche Kritik am Rest des Spiels für Unmut beim Entwickler gesorgt hat. Der Spoiler sollte demnach nicht von der Tatsache ablenken, dass die Revanche doch ziemlich kindisch und böswillig daherkommt.

    Alex
  • Nekator #5 vor 1 Jahr

    Naja, haben sich beide Seiten nicht mit Ruhm bekleckert.
  • OtaQ #6 vor 1 Jahr

    Bin mal gespannt wann sich bestimmte Leute bei 4Players rächen werden...
  • Kain201 #7 vor 1 Jahr

    Du willst doch wohl Joystiq nicht mit 4Players vergleichen, oder? 4Players liefert sich schon seit Jahren ein Kopf an Kopf Rennen mit Computer Bild Spiele wer im Niveaulimbo am tiefsten runterkommt.
    Editiert von Kain201 um 23/05/11 @ 11:33
  • Gonzo09 #8 vor 1 Jahr

    "ein selbstverliebter Redeakteur der sich mit seiner "Macht" zum Gott aufschwingt und Spiele abstraft."

    Gut, dass mir das dank meiner göttlichen Macht nie passieren könnte.

    Spoilerwarnung hin oder her, das Ende als "Beispiel" nennen ist schon ziemlich schlecht. Ungefähr so schlecht, wie danach Rachebewertungen bei Amazon zu hinterlassen. Aber dank dieses Kleinkrieges sind immerhin zwei Sachen passiert, die sonst nie geschehen wären. Ich habe das Buch bestellt und einen Conduit-2-Test gelesen. Spielen werde ich es wohl nicht. Das Ende ist doof.
  • m_coaster #9 vor 1 Jahr

    Ja war etwas drastisch - aber ich finde bei Kritiken allgemein manche Schreiber wirklich anstrengend. Dieser Schlag von Redakteuren, so lässt es sich beim lesen vermuten, halten wich wirklich für die wichtigste letzte Instanz.
    Editiert von m_coaster um 23/05/11 @ 13:08
  • Sevens #10 vor 1 Jahr

    'Wie Wired berichtet, schrieb Corso in einer Email, "Michael war so freundlich, ein Review zu The Conduit 2 zu schreiben. Tut euch also keinen Zwang an und erwidert diesen Gefallen, indem ihr eine Leser-Bewertung für Michaels Buch schreibt (lest es natürlich vorher)."'

    Wenn das der Gegenstand der Problematisierung ist, halte ich diese für äusserst übertrieben. Der gegebene Hinweis bewegt sich durchaus im Rahmen. Das Prinzip der gleichen Münze ist nicht zwangsläufig schlecht.