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Tom Clancy's Ghost Recon: Future Soldier

Mehr Action, weniger Taktik

Die Ghost-Recon-Serie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich im letzten Jahrzehnt der Geschmack des Computer- und Videospiel-Publikums verändert hat. Gestartet als knallharte Militär-Simulation mit langwierigen Planungsphasen und einem gnadenlosen Trial-&-Error-Gameplay, wurden Schritt für Schritt der Schwierigkeitsgrad und der Taktik-Anteil gesenkt. Bei Ghost Recon: Advanced Warfighter lag der Schwerpunkt schon deutlich mehr auf Action. Hier gab es Rail-Shooter-Sequenzen und packende Deckungsgefechte. Doch zumindest in den Koop-Missionen lieferte es immer noch äußerst herausfordernde Situationen, für die der Einsatz der neu eingeführten Drohnen essentiell war, um gegen die geschickte KI zu gewinnen.

In Future Soldier wird das Taktik-Geballer noch simpler und zugänglicher. Ubisoft versucht mit neuen Kontrollmethoden, frischen Ansätzen und einer deutlich packenderen Inszenierung eine neue Zielgruppe zu gewinnen. Klar, dass die Fans der ersten Stunde sauer sind. Aber ist dieser Schritt wirklich ein Fehler? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber auch ich habe mich verändert. Damals machte es mir nichts aus, wenn ich stundenlang in einer Mission versagte. Wenn kurz vorm Ziel mein letzter Mann starb, die Geiseln erschossen wurden und ich wieder an den Anfang zurückgeworfen wurde. Ich mag Speicherpunkte, einen anpassbaren Schwierigkeitsgrad und ab und an richtige Action. Wenn am Ende noch genug Taktik übrig bleibt, darf es deshalb gern auch etwas dramatischer inszeniert sein.

Und eins muss man Future Soldier lassen, auch wenn mir persönlich das Areal in einigen Abschnitten der Demo etwas zu klein war, entsteht in den Kampfszenen eine gefühlte Authentizität, die sich dank anspruchsvollem Aiming auch in das Gameplay überträgt. Eure komplett modifizierbaren High-Tech-Waffen, die sich bis auf die Wahl der Verschlüsse und Kaliber auf eure Bedürfnisse anpassen lassen – was übrigens auch per Kinect möglich ist –, haben nämlich einen überraschend starken Rückstoß. Run'n'Gun á la Call of Duty ist auch 2012 bei Ghost Recon unmöglich. Eine Menge Feuergefechte müssen vorher geplant und im Team korrekt ausgeführt werden. Zumindest das hat sich nicht verändert.

Sonst hat Ubisoft seit der ersten Vorstellung im letzten Jahr eine Menge umgestellt. Nur die Geschichte bleibt die Gleiche: Ihr seid John Kozak, Mitglied der berühmt berüchtigten Ghost-Recon-Einheit, die auf der ganzen Welt für Ruhe und Ordnung sorgen muss. Im Kern geht es um Ultra-Nationalisten, die sich Russland unter den Nagel gerissen haben. Gemeinsam mit euren drei Ghost-Kollegen, dem Scharfschützen Pepper, dem Aufklärer 30k und dem Ingenieur Bones, müsst ihr deren Machenschaften auf die Schliche kommen und einen Weltkrieg verhindern.

Ghost Recon: Future Soldier - Trailer

Verändert wurde vor allem das Gameplay. Zum Beispiel ist das seltsame Snap-On-Squad-System scheinbar vollkommen aus dem Multiplayer verschwunden. Die Mehrspieler-Partie spielte sich relativ gewöhnlich – dazu später mehr. Und auch die feste Einteilung samt Ausrüstung wurde aufgebrochen. In der Beispielmission ist nicht nur jeder Soldat mit einem Stealth-System ausgerüstet, ihr könnt Klassen und Waffen sogar selbst zusammenstellen. Sowohl als Einzelgänger mit KI als auch online im Vier-Spieler-Koop. Für mich ein wichtiger Schritt, um das Spiel flexibler zu gestalten.

Im ersten spielbaren Abschnitt ging es nach Nigeria. Euer Ziel: Eine Zielperson befreien und extrahieren. Doof nur, dass in dem Land gerade Krieg herrscht und ihr euch durch Horden von feindlichen Soldaten kämpfen müsst. Los geht es in einem kleinen Dorf. Kozak setzt gleich die neue Mini-Drohne ein, die deutlich flexibler funktioniert als der Mini-Hubschrauber aus dem Vorgänger. Ihr könnt das Ding über eine optische Leitung direkt steuern und eure Ziele vorab markieren. Diese sind so auch durch Wände hindurch sichtbar. Diese Funktion ist vor allem bei größeren Feindgruppen von entscheidender Bedeutung. Damit weist ihr euren KI-Partnern beziehungsweise euren menschlichen Kollegen Ziele zu. So lassen sich mehrere Gegner gleichzeitig ausschalten, ohne dass ihnen die Chance zur Gegenwehr bleibt.

Bei den Bildschirmanzeigen folgt Future Soldier dem Trend, Missionsziele und Informationen an Häuserwänden oder direkt auf den Gegenständen anzuzeigen. So findet ihr die verbleibende Munition direkt als Ring um die Waffe und eine schnelle Deckungswechsel-Funktion an den hüfthohen Mauern. Wer Splinter Cell: Conviction gespielt hat, wird sich auf jeden Fall gleich wie Zuhause fühlen. Der erste Teil der gezeigten Mission ist übrigens sehr linear. Es geht durch die engen Gassen des Dorfes, ihr müsst einzelne Feinde ausschalten und aufpassen, dass ihr nicht die Zivilisten erwischt.

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