Darksiders 2

Der Tod steht ihm gut

Als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten Lebewesens rufen: Komm! Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heißt «der Tod»; und die Unterwelt zog hinter ihm her. Offenbarung 6, 5-6

Es ist eine düstere Geschichte vom Ende der Welt, die Johannes in seiner Offenbarung beschreibt. Das Fegefeuer und die Erlösung in einem fiebrigen Opus. Und Tod, der vierte Reiter der Apokalypse spielt dabei eine wichtige Rolle. Er ist der Sensenmann, der die Menschheit auf das Ende vorbereitet. Sie bis zum letzten Mann ins Jenseits befördert, wo Gott über sie richten kann. Doch diese Vision ist bei Darksiders nicht eingetreten. Der Zerstörer hat sich über das Buch hinweggesetzt und vorzeitig das Ende der Welt eingeläutet. Und nun muss gerade Tod das unmögliche Schaffen, das Gleichgewicht wieder herstellen und die Menschen wieder zum Leben erwecken.

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Seit Kriegs epischem Kampf gegen die Mächte der Finsternis ist eine Menge passiert. Die Menschheit selbst ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nicht einmal die Untoten haben das Wüten der dämonischen Horde überstanden. Skelette und Geister durchstreifen ruhelos eine Welt, die nur noch ein fernes Echo von einst darstellt. Als Teil der ewigen Ödnis, zwischen Himmel und Hölle, wirkt sie wie eine fantastische Dimension weitab der Realität, die mich mit ihrer wahnsinnigen Architektur und gewaltigen Größe von der ersten Minute an fasziniert.

Während Creative Director Marvin Donald die ersten Schritte durch das Zwielicht wagt, tauchen im Hintergrund zwei titanische Schlangen auf, die sich über dem Kopf des neuen Anti-Helden einen gewaltigen Kampf liefern. Das sieht nicht nur beeindruckend aus, sondern verleiht Darksiders 2 vom ersten Moment an ein Gefühl von Größe.

Und auch Tod selbst scheint nach der ersten Skepsis, ob seiner starren Todesmaske, vielschichtiger zu sein, als es den Anschein hat. Ihm geht es nicht um Ehre oder andere unsinnige Gefühlsregungen, sondern um seine eigene Sinnlosigkeit. Ohne die Menschheit ist er ein Mann ohne Aufgabe. Denn die Wesen, die sich in den Ebenen herumtreiben, sind schon längst tot. Also macht er sich auf, die Menschen wieder zum Leben zu erwecken und vielleicht auch sein eigenes Volk, die Nephilim, zu seiner früheren Größe zurückzuführen. Deren Beinahe-Auslöschung hat er nämlich selbst zu verantworten, sich im Wahn auf die eigene Rasse gestürzt.

Doch mit dem Wechsel des gesichtslosen Protagonisten ändert sich nicht nur der Ton der Erzählung, sondern auch ein Teil des Gameplays. Darksiders 2 bewegt sich gewaltig in Richtung Rollenspiel. "Wir wollten schon im ersten Darksiders Loot und andere Rollenspiel-Elemente hinzufügen, aber uns hat einfach die Zeit gefehlt", erklärt uns Donald im Interview. Mit einer fertigen Grafik-Engine und einer funktionierenden Spielmechanik im Hintergrund kann Vigil Games damit nun ein weiteres Puzzlestück zu ihrer Vision vom perfekten Darksiders hinzufügen.

An der zugrundeliegenden Gamemechanik wurde dagegen kaum etwas verändert. Ihr steuert wie schon beim Vorgänger euren Protagonisten aus der Third-Person-Pespektive und kämpft ganz wie bei God of War und Co. über ein actiongeladenes Kampfsystem mit Kombos und Countern. Statt zu Blocken weicht Tod einfach aus und statt die komplette Chaos-Leiste auffüllen zu müssen, könnt ihr diesmal eure Super-Form, den Sensenmann, auch zwischendrin einsetzen.

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