Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2

Zuletzt siegt immer das Böse

Ich könnte jetzt nett sein. Rational. Sagen, dass Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ein irgendwie nur leicht unterdurchschnittlicher Deckungs-Shooter mit aufgeklebter Zauberer-Tapete sei. Der ein wenig besser wäre als sein bereits ebenso verfehlter Vorgänger. Was eigentlich eine Übertreibung wäre. Dass Fans des Genres ja vielleicht einen Blick riskieren könnten. Aber ich habe keine Lust mehr. Harry Potter hatte einen guten Run, es gab ein paar nette Games und dass es jetzt mit diesem traurigen Haufen spielerischen Elends enden soll, der weder etwas mit einem guten Spiel noch einer würdigen Adaption des Materials zu tun, ist ein Schlag ins Gesicht aller, die Harry-Potter-Krams und/oder einen guten Shooter schätzen. HPudHdTT2, wie ich elegant bis zum Fazit abkürzen werde, ist eine kreative wie spielerische Bankrotterklärung.

Bevor ich haltlos anfange zu schwadronieren, warum Potter generell als gradliniger Deckungs-Shooter bescheuert ist, gibt es erst mal ein paar Fakten, die dafür sorgen, dass ihr schon ohne dieses Detail auf Abstand gehen werdet. Das Spiel kostet 60 Euro und war nach etwas dreieinhalb Stunden beendet. Auf Hart waren es dann dank einiger billig platzierter Tode knapp unter fünf. Wiederspielwert? Man kann die Missionen als Challenge mit einer Stoppuhr in der Ecke nochmal spielen, aber alternative Wege, interessante Sammeleien oder ähnliches? Fehlanzeige. Sagen wir also vier bis fünf Stunden inklusive Installation für 60 Euro. Und kein Multiplayer, mit dem sich das Game herausreden könnte.

Es wird komplett lineares Schlauch-Shootern der belastenden Art geboten, bei dem jeder Blick um die nächste Ecke, wo man eine nach hinten gestaffelte Reihe von offensichtlichen Deckungsmöglichkeiten erblickt, mit echten Überraschungen aufwartet. Na? Kommen jetzt die Death Eater? Kommen sie? Oooohh, ich bin so gespannt...! Ja! Da sind sie! Jedes. Einzelne. Mal. Wenn ich mich das nächste Mal über das etwas uninspirierte Level-Design eines CoD und Konsorten ärgere, denke ich einfach an HPudHdTT2 zurück und spiele dann wieder fröhlicher weiter.

Die Deckungsmechaniken sind ungefähr das, was man kennt. Harry und Friends hechten per Tastendruck etwas hakelig von Mauerkante zu Brüstungswall und so weiter. Blindfeuer ist möglich, an Waffen hat man Pistole, MG, Scharfschützengewehr, Granatwerfer und einen Schildbrecher. Das einzig Interessante ist das, wenn auch viel zu spät und selten eingeführte und genutzte Teleportieren von Deckung zu Deckung. Das Waffen-Feedback ist lächerlich. Was daran liegt, dass es eben keine Waffen, sondern falsch interpretierte Zauber sind. Nichts hat Wucht oder Masse, es fühlt sich an und sieht auch aus wie ein Kind, das mit einem Stock auf etwas zeigt und „piuhh, piuhh"-Geräusche von sich gibt. Zu dem Thema „Waffen" später in gebührender Verabscheuung noch mehr, erst einmal sind die Gegner dran.

Während die Umgebungsgrafiken noch ganz okay sind – auf eine tollpatschige Anfangs-Next-Gen-Art – staksen die Gegner noch immer plump wie Zombies herum und erinnern auf fatale Art an eine Zeit, als Gegner noch nicht in Polygonen modelliert wurden, sondern per Sprite-Zoom hochgezogen wurden. Viele Modelle sind es eh nicht. Die Death Eater wurden ziemlich unverändert aus dem Vorgänger übernommen und stellen die Majorität dar, danach folgen ein paar Slytherin-Schüler und Gringotts-Wachen. Man freut sich ja fast schon über die billigen Spinnen im langweiligsten aller Level, der - wie es sich gehört - der Kanalisations-Level ist. Warum baut man die immer noch mit ein? Der Kanalisations-Level war schon immer Mist, das hat sich seit 8-Bit-Zeiten nicht geändert.

Die KI dahinter hat etwas Zombie-eskes. Drei Stufen scheint es beim Verfall der eigenen Intelligenz auf dem Weg zur völligen Kontrolle an Voldemort zu geben. Zuerst gehen die Death Eater noch in Deckung, aus der sie in vorhersehbaren Abständen und Positionen auftauchen, um sich die Kopfschüsse einzufangen. Dann kriechen sie, drei oder vier manchmal hintereinander, von Deckung zu Deckung. In einer seltsam gebückten Haltung, mit beinahe unheimlichen, weil irgendwie falschen Bewegungen. Schließlich gehorchen sie dann endgültig ihrem Meister und stürzen sich suizidal in euer Sperrfeuer.

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