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Earth Defense Force: Insect Armageddon

Therapiespiel für Insektophobiker

Ein bisschen gebibbert hab' ich ja schon, als ich las, die Entwicklung des neuen EDF würde von Sandlot in Japan zu Vicious Cycle Software in die USA verlegt. Von diesem Entwickler war bei mir nur der bestenfalls mittelprächtige Duke-Nukem-Verschnitt Matt Hazard hängen geblieben – und der auch nur halb. Dann wiederum, und jetzt mit dem fertigen Produkt in meinem Laufwerk: Wer könnte für die Fortsetzung dieser Trash-Perle aus dem Jahre 2007 kompetenter sein, als ein Hersteller, der bisher ebenfalls eher trashige Games hervorbrachte?

Fakt ist: Auch als amerikanische Produktion und mit 'New Detroit' als Schauplatz bleibt Earth Defense Force – jetzt mit dem Untertitel 'Insect Armageddon' – ein herrlich unprätentiöser und geradliniger Third-Person-Shooter, den man einfach gern haben muss. Als wäre dieses Medium direkt nach Space Invaders ins Jahr 2011 gesprungen und ohne große Umstellung auf den aktuellen Konsolen gelandet, wird hier ohne Rücksicht auf Verluste auf insektoide bis mechanische, manchmal sogar insektoid-mechanische Invasoren geballert und dabei die halbe Stadt planiert.

Hunderte Meter hohe Wolkenkratzer gehen in grob geschredderten Einzelteilen zu Boden, nachdem eine Salve aus eurem Raketenwerfer die davor positionierten Monstren verfehlt hat – und ihr freut euch auch noch darüber. Munition ist folgerichtig unbegrenzt und außer beim Nachladen, das neuerdings mit einer Gears-of-War-artigen Active-Reload-Routine für kürzere Magazinwechsel sorgt (so man denn den Sweet-Spot trifft), nehmt ihr nur selten die Finger vom rechten Trigger. Es ist direkt, sympathisch, bescheuert. Eine wunderbar dämliche Formel, die bereits ab der ersten Mission eine geradezu hypnotisierende Wirkung entfaltet.

Es ist nicht das eingängigste Aiming oder das intensivste Gunplay, das ihr jemals erleben werdet, aber es ist zweckmäßig, durch die Bank solide und legt euch zu keinem Zeitpunkt Steine in den Weg. Ihr macht euch um nichts weiter Gedanken, als auf eurem Weg einem Missionsmarker hinterher möglichst effektiv (nicht effizient!) alle der B-Movie-Feindkreationen zu zerlegen, die euch das Spiel in den Weg stellt oder, aus der Unterseite eines Ufos oder einer riesigen mechanischen Spinne, wirft. Mit einer Ausweichrolle oder dem Sprint werft ihr euch aus dem Weg von Säurefontänen und gebt mit großkalibrigem Gerät die Antwort.

Hin und wieder besteigt ihr außerdem ein stationäres Geschütz oder einen futuristischen Mech, um die Größenvorteile der Angreifer etwas zu relativieren. Das gelingt in diesem Anlauf bedeutend besser als noch in 2017 (das Spiel, nicht das Jahr!), wo es lediglich für kurze, gut gemeinte, aber irgendwo auch haarig implementierte Spritztouren gut war. Die Feinde reichen von hüfthohen Zecken über außerirdische Arbeiter-Ameisen und Taranteln von der Größe eines Volkswagen Bullis, bis hin zu Robotern mit Godzilla-Schuhgröße und Ufos der Ausmaße Neuköllns und Kreuzbergs zusammen.

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