Supreme Ruler: Cold War

Als Frankreich dem Ostblock beitrat

Warum haben eigentlich immer die Spiele, bei denen man wirklich ein Tutorial braucht, nicht mal eine gute Anleitung und die, die jeder Volldepp nach 20 Sekunden kapiert, eine mehrstündige, nicht abzubrechende Einleitung? Muss wohl eines der ungeschriebenen Gaming-Gesetze sein.

Supreme Ruler an sich geht weit zurück, weiter als die in den letzten zehn Jahren erschienenen Supreme Ruler 2010 und 2020. 1982 erschien für den Tandy TRS-80 – hierzulande auch zu der Zeit praktisch unbekannt – Supreme Ruler, ein ambitioniertes Hardcore-Strategiespiel. Was war damals nicht Hardcore? Die Wurzeln von Supreme Ruler: Cold War, dem aktuellsten Spross, reichen über die im Jahr 2000 gegründeten BattleGoat Studios zurück bis zu diesen Anfängen. Wundert euch also nicht, wenn bei der Installation Supreme Ruler, Version 7.1.1 angezeigt wird. Das hat alles seine Richtigkeit. Und eines kann ich euch sagen: Simpler oder gar mainstreamig wurde diese Serie sicher nicht.

Das Szenario reicht von den Anfängen des Kalten Krieges Ende der 40er bis in die 90er. Wenig überraschend übernehmt ihr die Rolle einer der beiden Supermächte und versucht, zu gewinnen. Das kann ein militärischer Sieg sein, aber auch eine endlose Serie von Kleinscharmützeln und Randepisoden, in denen man nach und nach den gegnerischen Einflussbereich einschränkt. So wie es praktiziert wurde. Der Anspruch einer Mischung aus geopolitischer Simulation und Militär-Strategie impliziert, dass man sich hier nicht nach der ersten Stunde eingearbeitet hat, aber Cold War hätte zumindest ein paar Konzessionen an den Neueinsteiger machen können. Das ist nicht mein erstes Spiel der Art und das lieblose, 35 Seiten kurze PDF-Handbuch lag neben mir. Ich wusste nach dem ersten Abend immer noch nicht so genau, was ich da tue und wurde nie das Gefühl los, dass ich ständig Dinge vergesse, weil ich nicht weiß, dass sie existieren.

Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben, also Zähne zusammenbeißen und durch. Die Welt von Cold War offenbart bei näherer Betrachtung einen so vielschichtigen Komplexitätsgrad, dass das Gefühl von Vertigo sich nicht nur wegen der im Zoom immer detaillierter werdenden Kartenansicht einstellt. In einer Mischung aus einem guten Stück Mikro und viel Makro-Management produziert ihr Truppen, positioniert sie strategisch günstig – was alles mögliche in einem dermaßen dynamischen Szenario bedeuten kann –, versucht den Feind mit Diplomatie ruhig zu stimmen und die Welt zu gewinnen, ohne sie in atomarer Asche zu versenken.

Selbst nachdem man die meisten der Möglichkeiten erkannt und vage verstanden hat, ist das nicht ganz einfach. Meine Besetzung von Kuba lässt das Massaker der Schweinebucht beinahe als lupenreinen Sieg der realen Invasoren zu der Zeit dastehen. Immerhin haben sie keinen Flugzeugträger und diverse Bataillone verloren. Und eine Spirale ausgelöst, die dann nach vielen weiteren Stunden und Millionen Toten in totaler Dominanz des Ostblocks endete. Nicht historisch akkurat, aber wohl eine der möglichen Varianten.

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