Gears of War 3

Koop-Coup

Für den dritten Teil von Gears of War schraubt Epic gewaltig an der Feature-Zahl. Besonders die Aufstockung des so beliebten Koop-Modus von zwei auf vier annähernd quadratische Teilnehmer ist ein großer Bonus. Gerade für Leute wie mich, die zwar gerne "zu mehrt" spielen, aber auf die fiebrige Hektik eines kompetitiven Matches und den unlustigen Trash-Talk unbeaufsichtigter Vierzehnjähriger gerne mal verzichten, gibt es kaum etwas Besseres, als im eingespielten Team den Story-Modus eines derben Shooters auf links zu ziehen.

Dabei versucht Epic mit aller Macht, die Klippen, die das Bereitstellen zusätzlicher Mitspieler-Slots im Rahmen des Plots nun einmal mit sich bringt, zu umschiffen: So soll etwa jeder der vier Spieler-Charaktere seine eigenen großen Momente im Verlauf der Kampagne haben. Gears 3 wird keines dieser Spiele, bei denen ein einsamer Krieger im Mehrspielermodus auf einmal in dreifacher Ausführung vorhanden ist, oder von einer Rotte gesichtsloser Space-Marines Schützenhilfe bekommt, die sich in der nächsten Zwischensequenz wieder in Luft aufgelöst haben.

In Gears ist man ohnehin schon selten alleine unterwegs und da ist dieser Ansatz nur folgerichtig. Der Supporting-Cast wird hier im Optimalfall von drei weiteren Spielern gestellt und die nehmen nun mal in anderen Spielen seit Jahr und Tag nur notgedrungen und nicht etwa freiwillig auf dem Rücksitz der emotionalen Achterbahnfahrt von Spieler Nummero Uno Platz.

Damit das klappt, wurde mit Karen Traviss bekanntlich eine Sci-Fi-Autorin hinter den Füller gesetzt, die unter anderem einige Star-Wars-Bestseller und auch den Gears-Prequel-Roman auf dem Kerbholz hat. Die Dame ist also bewandert im Genre und vor allem in diesem speziellen Universum und ich muss wohl nicht erst erklären, welche Wunder die Beteiligung eines dedizierten Autors für das Skript selbst einer durchschnittlichen Spieleproduktion wirken kann.

Dabei soll Gears of War 3 auch weitaus mehr Zwischensequenzen und Dialoge bieten als seine Vorgänger. Schließlich hat man, so Epics Mike Capps auf der gamescom, beim Abschluss der Trilogie so einiges zu erzählen. Auch werde der dritte Teil diesmal "ernsthafter" ausfallen. Einen wirklichen Einfluss auf das Ende - zum Beispiel á la Mass Effect durch etwaige Entscheidungen - hat man jedoch nicht, der finale Akt der Geschichte ist wieder eine lineare Angelegenheit.

Von Seiten des Gameplays stellen die zwei zusätzlichen Koop-Partner natürlich auch für das Rudel fleißiger Kampagnen-Designer eine Herausforderung dar. In einem derart tunneligen und zielsicher geradeaus gerichteten Shooter stehen sich die Spieler schon mal schneller auf den Füßen, als es gut für die Schlacht ist. Und beim Balancing der Gegner wandeln die Entwickler sogar auf einem noch schmaleren Grat. Des ersten Problems nahm sich Epic schlicht dadurch an, dass die Kampagne mehr offene und größer angelegte Räume bieten wird.

Hier soll jeder Spieler eine optimale Deckungsposition oder Flankier-Möglichkeit finden, ohne dass er immer das Kettensägenbajonett seines Kumpels unter der Nase hätte oder hauptsächlich damit beschäftigt wäre, dem Splash Damage der Granaten seiner Kollegen aus dem Weg zu gehen. Coles Heimat Hanover samt dazugehörigem Trashball-Stadion offerieren etwa im ersten Akt des Spiels reichlich Abwechslung zwischen kleineren und größeren, minutiös ausgearbeiteten Wunderwerken halbhoher Mauerarchitektur.

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