DOTA 2

Mögen die Spiele beginnen

Schon seit Jahren zeichnet sich im PC-Markt ein Paradigmenwechsel ab. Weg von klassischen Boxed-Produkten, hin zu Free2Play- und Online-Spielen. Am deutlichsten wurde dieser Umbruch auf der diesjährigen gamescom. In der Online-Halle drängten sich die Nachwuchs-Spieler um League of Legends, Hedone, Firefall, World of Tanks und DOTA 2. Free2Play ist das neue Zauberwort, das nach Jahren der MMORPG-Dominanz nun auch auf andere Genres angewendet wird und für Frühlingsgefühle bei den entsprechenden Entwicklern sorgt.

Besonders erstaunlich ist der Erfolg der sogenannten MOBA-Games (Multiplayer Online Battle Arena). Der erste Anlauf, diese Spiele online zu etablieren, scheiterte am Geschäftsmodell. Demigod und Heroes of Newerth wurden kostenpflichtig auf den Markt geworfen und konnten so nicht die nötige Schwungmasse sammeln. League of Legends hat dagegen gezeigt, dass mit der richtigen Startegie, erstklassigem Support und ständiger Erweiterung Blockbuster geschaffen werden können. 14 Millionen registrierte Spieler und Hundertausende gleichzeitig online machen klar, wie viel Potential in dem Genre steckt.

Doch neben dem Bezahlmodell ist noch ein weiterer Faktor von entscheidender Bedeutung. League of Legends kopiert das Original Defense of the Ancients eben nicht 1:1, wie es Heroes of Newerth und jetzt DOTA 2 machen, sondern lieferte neue Gameplay-Elemente und Mechaniken. Die Frage ist: Wer hätte das Rennen gemacht, wenn beide von Anfang an kostenlos gewesen wären? Die reine Kopie oder das zumindest teilweise innovative Nachfolgeprojekt?

Besonders interessant wird die Antwort im Zusammenhang mit dem nächsten angekündigten MOBA-Projekt. DOTA 2 hat nämlich nicht nur DotA-Legende Icefrog hinter sich, sondern auch einen der erfolgreichsten PC-Entwickler aller Zeiten: Valve. Gemeinsam wird nächstes Jahr eine aufgehübschte und um viele Community-Features verbesserte Kopie auf den Markt geworfen, die genau wie Heroes of Newerth wenig am Original-Konzept ändert. Die Helden haben sogar genau die gleichen Namen wie beim WarCraft-Mod, nur die Grafik zieht mit der Source-Engine ins nächste Jahrtausend.

Auf der gamescom gab es dazu passend erste bewegte Bilder und in der Form eines 1-Million-Dollar-Turniers auch einen Beweis für die eSport-Tauglichkeit. Interessanterweise gab es abseits der spannenden Auseinandersetzungen keine richtige Präsentation, keine Ingame-Videos und keine offiziellen Screenshots, sondern nur ein paar Interviews. Valve möchte sich bei diesem Titel ganz auf die Community konzentrieren und beförderte das Spiel praktisch an der gesamten Presse vorbei. Ein ungewöhnlicher Ansatz, der aber die Begeisterung der gamescom-Besucher nicht schmälern konnte.

DOTA 2 - gamescom-Trailer

Während sich am Gameplay also wenig ändert, ihr wie gehabt mit einem von rund 100 Helden auf einer einzelnen Karte um die Vormacht kämpft, 25 Stufen nach oben levelt und am Ende die gegnerische Festung vernichtet, versucht Valve, einen der größten Schwachpunkte des Konzepts mit einer ungewöhnlichen Lösung auszugleichen. Erfahrene Spieler werden Anfängern beim Spielen praktisch über die Schulter schauen können und ihnen bei den ersten Schritten mit den anspruchsvollen Spielmechaniken zur Seite stehen. Realisiert wird das Ganze über einen Oberserver-Modus, der im Gegensatz zu League of Legends, wo er erst gegen Ende des Jahres folgt, von Anfang an ein integraler Bestandteil der Gameplay-Mechanik ist. Hier wird man über Voice-Chat Tipps geben und dafür belohnt werden. Wie, war auch diesmal nicht aus dem Team herauszuholen. Hier ging es erst einmal um einen proof of concept, was eindrucksvoll gelang.

Die Spiele unterschieden sich dabei nicht dramatisch vom Original. Es gibt inzwischen eine Einkaufshilfe und einen vereinfachten Shop. Ihr müsst also genau wie bei der Konkurrenz keine ellenlangen Item-Rezepte auswendig lernen. Im Gegensatz zu LoL wird es bei DOTA 2, genau wie bei HoN, die Funktionalität des Denying geben. Auf Deutsch: Ihr tötet im richtigen Moment eigene NPC-Kämpfer, um dem Gegner die Erfahrungspunkte und das Gold streitig zu machen. Eine wirklich anspruchsvolle Mechanik, die Riot Games bewusst ausgeklammert hat und die der Anfangsphase einen komplett anderen Charakter verleiht.

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