Doom

18 Jahre später

Es ist das melancholische Raunen unter technikaffinen Männern um die 30. Es ist angeblich ganz sicher Ursache für diverse Amokläufe. Und es ist ein Meilenstein der Popkultur. Und es ist jetzt nach 17 Jahren auch in Deutschland wieder schreibbar, ohne dass man vom Verfassungsschutz Facebook-Freundesanfragen bekommt. Deshalb das Wichtigste zuerst: Doom, Doom, DOOM! Doom ist zurück vom Index.

Jahrzehntelang musste sich der gestresste Spiele-Redakteur zweifelhafte Pseudonyme ausdenken (wir erinnern uns an Duhm, Boom und Zoom), um das Unaussprechliche zu beschreiben, aber das ist endlich vorbei. Doom ist wieder da und Doom ist wichtig, da sind sich alle einig, nun eben auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Wortlaut: "Die technisch veraltete Darstellungsweise" (von Gewalt) hat primär nur noch eine "historisch-dokumentarische" Bedeutung. Wer hätte das gedacht?

Der ideale Moment also, für eine kurze Zeitreise per DosBox und einen Rückblick auf die Welt 18 Jahre nach dem Erscheinen eines der wichtigsten Spiele aller Zeiten.

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Warum war das nochmal auf dem Index?

Aber Vorsicht! Man kennt das ja. Wenn die Zukunft dahin schmilzt, wird gerne die Vergangenheit glorifiziert. Und so hat der Mensch für Dinge "von früher" oft zu unrecht warme Gedanken. Man nennt das Retro-Blindheit und es ist der Moment, in dem man für 5,99 Euro sein altes Lieblingsspiel auf GOG.com kauft (oder vom Dachboden holt) und drei Minuten nach der Installation desillusioniert doch lieber wieder Deus Ex: Human Revolution startet. Erinnerung und Vergangenheit sind eben nicht dasselbe.

Und die Erwartungen sind hoch, denn die Legende besagt, dass Doom das Genre der First Person Shooter mal eben im Alleingang erfunden hat. Aber schon nach zehn Minuten spielen muss man zugeben: Es stimmt, es ist alles wahr. Die Erinnerung lügt diesmal nicht. Die offensichtlichste Erkenntnis also zuerst: Doom ist wirklich gut. Und zwar immer noch.

Was dabei ziemlich überraschet, ist, wie viele Elemente der heutigen Shooter schon vor 18 Jahren existierten. Zum Beispiel geskriptete Events. Man fährt einen Fahrstuhl runter, betritt einen Raum, plötzlich geht das Licht aus und von allen Seiten stürmen Monster auf einen zu. Begleitet von unangenehmen Grunz-Geräuschen. Oder: Dämonen attackieren, aber statt sie einzeln zu erledigen, schießt man lieber auf das Fass, welches daraufhin explodiert und die Monster mit sich reißt. Und auch kleine Details sind erstaunlich. Ich hätte nicht darauf gewettet, dass Schüsse schon 1993 Löcher in groben Wandtexturen hinterlassen.

Natürlich ist Doom grafisch hölzern und klobig. Aber weil die eigentlichen Spielmechaniken zeitlos sind, funktioniert es trotzdem. Schuld daran ist hauptsächlich das Leveldesign. Die engen Gänge und unzähligen Varianten von Räumen, inklusive Fahrstühle und Treppen, die immer komplexer werden, erzählen mit minimalen Mitteln ein bedrohliches Narrativ vom Abstieg in die Hölle.

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Als das Blut noch viereckig war.

Und das ohne eine Zwischensequenz, Dialoge oder ein "dramatisches" Audiotagebuch. Die Level werden einfach größer, die Karten verwirrender und die Monster mehr. Doom zeigt eindrucksvoll, wie stark das Genre in der kompletten Reduzierung sein kann. Schießen, Schlüssel finden, weiter, noch mehr schießen. Nur das Nötigste.

Dabei ist das Fehlen des Schauens nach oben und unten (kann man zwar auf Tasten legen, ist aber eigentlich unwichtig) ein großer Vorteil. Schießt man auf ein Monster, was gerade auf einer Plattform steht, reicht es mit links/rechts zu zielen. Man braucht nicht noch hoch oder runter schwenken. Schießen und Treffen in hoher Frequenz ist wichtiger als vermeintlicher Realismus und millimetergenau Präzisionsschüsse. Damit erinnert Doom fast schon wieder an moderne Ego-Shooter, bei denen ja auch immer öfter automatische Zielhilfen angeboten werden.

Kommentare (16) Latest comment vor 8 Monaten

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  • easy #1 vor 8 Monaten

    Oh man, ich sehe schon eine Welle an Amokläufen, Terrorangriffen und FDP Wahlsiegen auf uns zukommen. Was einen Erwachsenen vor 18 Jahren in den Wahnsinn trieb, wird heute vor den 36 Jährigen nicht halt machen. Denkt an meine Worte.
  • inthehouse #2 vor 8 Monaten

  • Heavy_Rain #3 vor 8 Monaten

    Schön, schön. Endlich kann man Doom auf der Startseite deutscher Spielemagazine sehen.
    Wobei die BPjM-Begründung ja einen ganzen Haufen anderer Indizierungen ebenfalls auflösen würde/müsste.

    Und es ist jetzt nach 17 Jahren auch in Deutschland wieder schreibbar, ohne dass man vom Verfassungsschutz Facebook-Freundesanfragen bekommt.

    Well played.
  • Sid_Burn #4 vor 8 Monaten

    Ich hatte Doom damals gespielt da war ich glaube ich um die 12, und ich muss sagen das ich die Gewaltdarstellung auch damals schon nicht besonders Brutal fande, zumindest war ein Mortal Kombat was ungefähr zur gleichen zeit meine ich erschien deutlich Brutaler, was halt neu war und was faszinierte war 3D.

    Ansonsten wurde Duke Nukem 3D in diesem Sinne vergessen. Den es wird gesagt das man erst mit Half-Life von FPS spricht. Ich weiß es nicht genau da ich zu dem Zeitpunkt kein Internet hatte (war ja damals noch nicht so verbreitet), aber ich glaube kaum das man Duke Nukem 3D als ein Doom-Klon angesehen hatte. Bei Heretic und dem Star Wars spiel kann ich das glauben, habe ich damals auch als Doom-Klon angesehen.

    Ansonsten sagt der Artikel eines klar aus wo ich auch zustimme. Ein 18 Jahre altes Doom hat im Grunde genommen alles was ein heutige FPS-Shooter hat. Ein Grund warum ich auch so gut wie keine FPS mehr spiele. Weil sie einfach nur öde sind. Ich Frage mich ersthaft wie die heutige Generation das 27te CoD oder 50ste Battlefield spielen kann ohne dabei einzuschlafen. Generell kommt es mir vor als das mitlerweile jeden Monat irgendein neuer Shooter erscheint.

    Nach Doom 1/2, Heretic, Star Wars, Duke Nukem kam bei mir eigentlich nur noch Goldeneye 007 auf dem N64 als echtes Highlight. Das war für mich der letzte Shooter, danach konnte mich nichts mehr beeindrucken. Auch das Goldeneye 007 auf der Wii das ich mir nur deswegen geholt habe ist zwar ganz gut, aber in den bann ziehen wie damals die N64 version kann es mich bei weitem nicht mehr.

    Hat übrigens irgendjemand Doom 2 durchgespielt? Ich frage mich jedenfalls heute noch wie man in Doom 2 das letzte level schafft. Selbst mit Cheats (leben immer 100%) unendlich Munition ist es mir nie gelungen das letzte level zu schaffen. Für mich bis heute ein Rätsel wie man in diese öffnung schiesen soll. Runter springen und das schießen timen hat bei mir nie funktioniert.
    Editiert von Sid_Burn um 12/09/11 @ 10:10
  • Kirkegard #5 vor 8 Monaten

    Eintrag gelöscht um 12:36:02 27-03-2012
  • PaKha #6 vor 8 Monaten

    Wenn man Doom zu der Zeit gespielt hat, als es rausgekommen ist, war es beängstigend. Die Shockeffekte, wenn ein Monster hinter ner Ecke lauerte, diese stampfenden,immer näher kommenden Schritte.....

    Meine Lieblingsversionen war die Doom Collectors Edition us. für die PS1. wo beide Teile drin waren. Und jetzt ne Frage, ich habe Doom 1 und 2 auf XBL und bin da sehr entäuscht von, weil die mit sonem Rocksound unterlegt sind, den ich aus der sehr atmosphärischen PS1 Version nicht kannte. War der auf der ersten PC Version auch mit drauf oder wurden die XBL Versionen verschlimmbessert?
  • gigsen #7 vor 8 Monaten

    Klassiker kann man immer mal spielen.. Immer her damit
  • edge07 #8 vor 8 Monaten

    Ich poste sonst nie hier, dieser Artikel hat mich aber dazu motiviert. Muss sagen, wirklich hervorragend geschrieben und spricht mir sehr aus der Seele. Wenn ich denke, wie sehr ich damals nach der Shareware-Version gewartet habe, bis endlich die Vollversion rauskam - ich hätte es fast nicht ausgehalten. Doom war wirklich ein Meilenstein und ist es auch heute noch. Großartig!
  • crackajack #9 vor 8 Monaten

    Kann nur sagen dass ich die Demos zu XBLA Duke Nukem oder Quake auf Steam ziemlich ernüchternd fand. Was ja nicht zwangsweise ident mit Doom ist, aber halt auch zu den alte Klassiker zählen.
    An die seltsame Geschw. mit Schwebegefühl könnte ich mich sicher gewöhnen, nur wirkte es einfach erbärmlich stumpf.
    Das mag bei vielen aktuellen Spielen nicht anders sein, aber der aktuelle Schein macht's für mich wohl besser.
  • Longbow #10 vor 8 Monaten

    Jetzt muss Doom nur noch auf GOG.com erscheinen.
  • aporo #11 vor 8 Monaten

    Ach ja, mein erster Kontakt mit Egoshootern... ich hatte den Gegnern damals wesentlich mehr KI (ok, eine Schande, hier davon zu sprechen) zugetraut als die dann tatsächlich hatten. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich ständig den Rückraum kontrolliert habe.
  • biff999 #12 vor 8 Monaten

    @Sid_Burn: Es stimmt zwar, dass Innovationen im Shooter-Genre immer seltener werden, doch nicht jedes dieser Spiele ist so. Seh dir Battlefield 3 an, es wird anders sein als Battlefield 2, aber dennoch ein Battlefield, darum geht es doch, man möchte wenn es den selben Namen trägt auch noch spüren, dass man ein Battlefield oder CoD spielt und nicht etwas ganz anderes, odeer ist Domm 2 so anders als Doom?
  • Grugru #13 vor 8 Monaten

  • Stevo78 #14 vor 8 Monaten

    Schön, dass hier die N64 Version von Golden Eye auftaucht, der Egoshooter schlechthin in meinen Augen. Man, waren das zu meinen Oberstufenzeiten geile Capture the Flag Seccions vor dem Splitscreen. Doom dagegen ist damals irgendwie an mir vorbei gegangen. Der letzte waschechte Shooter, der mich über 12 Monate lang so richtig fesseln konnte, war 2002 zu meinen Unizeiten BF42. Panzer, Schiffe und vor allen Dingen Flugzeuge, das war damals für mich der letzte richtige WOW Effekt, den ich bei einem Egoshooter hatte. Seitdem habe ich eigentlich nur noch die Hitmanteile gespielt, die ich aber nicht als Egoshooter ansehe. Bioshock hat mich bspw. ebenso furchtbar enttäuscht. Man wird nicht jünger und irgendwann hat man eben alles gesehen...:-( Das sieht bei meinen Genrefavs RPGs und Strategiespiele aber auch nicht wirklich anders aus. Da gab es nach der goldenen Ära mit der BG Saga, PT und den Gothicteilen auch nichts wirklich überragendes mehr. Vielleicht mit Ansätzen DAO... aber passt ja nicht wirklich hier hin.
  • Rarehro #15 vor 8 Monaten

    Es gab auch mal ein Handy-Spiel, Doom RPG. Das war gar nicht schlecht. Durch die eingeschränkte Steuerung war an einen Shooter natürlich nicht zu denken, aber als düsteres RPG in den gewohnten klaustrophobischen Level hat es erstaunlich gut funktioniert.
  • easy #16 vor 8 Monaten

    Mein Doom hatte ich von meinem Cousin. Der hatte aber direkt schon den AlienSoundEffekteMod auf den 5 oder 8 Disketten, so dass ich jahrelang mit dem Mod gespielt habe und ich Jahre später erschüttert war, weil die ganzen Imps und wie sie alle heißen ganz anders klingen...

    ...äh, ich meine Boom. Hätte aber auch gerne Doom gespielt zu dem Zeitpunkt.

    Meine ersten Schritte als Mapmaker und Leveldesigner. Zwecks fehlender Englishkenntnisse und zu wenig Internetskills (so um 1994-1998 rum) dann dieses Projekt und die gesamte Karriere in diese Richtung in die Tonne gedrückt. Konnte einen Level voll mit den explodierenden Fässer stopfen. Das war blöd.

    Hätte nie gedacht, dass das bei Far Cry nochmal in Mode kommt.