Ace Combat: Assault Horizon

Die Pflicht ruft, Namco antwortet

Am Ende geht Project Aces dann zugegebenermaßen doch ein bisschen die Luft aus. Deutlich über acht Stunden schießen sich Action-Fans, meist mit angehaltenem Atem, in 16 Missionen durch ehrlich aufregende Luftkämpfe und freuen sich über das nie gesehene Effektgewitter, das der neue Dog-Fight-Modus regelmäßig aus dem Nichts um die Spielernase herum aufziehen lässt. So unterhalten verzeiht man dem Titel auch die Tausend Mal gehörte Handlung, die auch aus der Feder eines japanischen Tom Clancy kommen könnte.

Die hält erwartungsgemäß zwar nichts davon, das Star Spangled Banner auf die Tragflächen der unglaublich detailgetreu nachempfundenen Jets zu pinseln, greift aber trotzdem noch zu bereitwillig und durchsichtig in den nicht enden wollenden Red-Scare-Bottich. Natürlich ohne auch nur eine Wendung zu nehmen, die für mehr gut wäre als nur den Wechsel des Einsatzortes mit der nächsten Mission. Doch das stört nicht wirklich, bedienen sich doch auch andere populäre Titel nach wie vor dieser Elemente. Was allerdings wirklich ein Schlag ins Kontor ist: Besonders am Schluss, im so wichtigen letzten Kampf mit dem zentralen Antagonisten, verlässt die Designer das Fingerspitzengefühl für das richtige Maß zwischen Freiheit und straff durchchoreografierten Luft-Verfolgungsjagden.

Wo der Dog-Fight-Modus vorher fast immer die sauer verdiente Belohnung eines haarsträubend schnellen Katz-und-Maus-Spiels war, bei dem als Bonus um den Spieler herum der beste Disneyland-Ride aller Zeiten mit echten Explosionen abgefackelt wurde, müsst ihr am Höhepunkt des Spieles auf einmal stumpf auswendig lernen. Sonst spielt ihr die Mission vom letzten Checkpunkt aus nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Und noch... ihr wisst schon, worauf ich hinaus will. Auch wenn das in der zweiten Hälfte stellenweise recht gnadenlose Spiel schon vorher hin und wieder nicht so besonders gut vermittelte, was man nun gerade falsch gemacht hat, stellt erst die finale Konfrontation mit dem zu sehr auf klassischen Endgegner getrimmten Chefrevoluzzer das Spiel rückblickend ein wenig in Frage.

So sehr sogar, dass man es gleich noch einmal von vorne anwirft, um zu sehen, ob man sich seinen Spaß die ganze Zeit zuvor nur eingebildet hat. Dann merkt man zum Glück: Nein, hat man nicht. Was Assault Horizon an Luftkämpfen über tollen Panoramen und Skylines auffährt, ist der Serie mehr als nur würdig, während der Dog-Fight-Modus das alte Fire-and-Forget-Leid früherer Serieneinträge ein für allemal ausradiert und an deren Stelle mit einer After-Burner-Leihgabe an die besten Seiten amerikanischer Action-Blockbuster erinnert. Nur eben, dass man selbst den Finger über dem Feuerknopf hat.

Auch wenn einige der Einsätze ein wenig länger sind als sie aus spannungsgründen eigentlich sein müssten, ist es wirklich erstaunlich, wie trickreich und zugleich eingängig Project Aces die Luftkämpfe umkrempelt hat. Das Spiel ist ein viel schnelleres, die Distanzen zu den Gegnern geringer und die Handkamera-Ästhetik verleiht den niemals zu verwackelten Außenansichten der Flieger eine zusätzliche Dynamik. Zudem erledigt ihr auch nicht jeden Gegner im DFM. Mehr als genug Feinde lassen sich nach wie vor ganz klassisch mit dem Arsenal aus über Hundert zielstrebigen Explosiva aus der Ferne zu Boden ringen. Vierfach aufgeschaltete Raketen erleichtern die Kampf gegen Feld-Wald-und-Wiesen-Feindflieger sogar noch mehr. Es sind meist die harten Brocken, zu denen man im Dog-Fight-Modus, bei dem ihr mehr oder weniger die Kontrolle über den Flug abgebt und nur MG-Fadenkreuz und Rollen der Maschine beeinflusst, auf Tuchfühlung gehen möchte.

Einige Wingleader unter euren Zielen fliegen nämlich erstaunlich stark, wieseln sich häufig aus schier aussichtslosen Situationen noch heraus und scheuen sich nicht, euch ebenfalls mit ihrem eigenen Dog-Fight-Modus aufs Korn zu nehmen. Dann bieten sich euch zwei Möglichkeiten. Einmal die sicherere: Vollgas geben und den Zielkreisen auf eurem HUD so lange ausweichen, bis der Gegner von euch ablassen muss - oder aber, ihr dreht den Spieß mit einem gewagten Brems- und Trudelmanöver um.

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