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Uncharted 3: Drake's Deception - Test

Der größte Sommerblockbuster des Winters

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Ich wünschte mir für eine ganze Weile, dass der letzte Indiana Jones-Film das geworden wäre, was Uncharted 3: Drake's Deception ist. Dann wurde mir klar, dass es diesen Indy-Streifen ja schon gibt. Nicht blow by blow und chase by chase, aber doch so nah dran in einigen Sekunden, dass einem sofort und spontan die richtigen Zitate einfallen. Für "Im Lateinischen gibt es kein J" musste man sich noch ein wenig strecken, aber "Vater von Indy, geben sie mir ihre Hand" passte wie die hier so oft geschwungene Faust aufs Auge.

Und damit ist wohl auch klar, dass Uncharted 3 sich trotz seines Namens in inhaltlich und, wie sich gleich zeigen wird, spielerisch durchaus wohlkartographierten Bereichen bewegt. Was nicht weiter schlimm ist, da in Hollywood das echte Abenteuer-Kino zugunsten von Comic-Verfilmungen und Spielzeug-Vermarktungen ausgestorben scheint. Der emotional untote McConaughey in der Schlaftablette Sahara oder der ebenso vom Leben ermüdete Cage in den Templer-Streifen waren mit die letzten Lebenszeichen, wenn man nicht den Film nennen möchte, der seinem Hauptdarsteller zwar die höchste Gage überhaupt einbrachte, aber dessen Name in Fan-Kreisen nicht ausgesprochen werden darf.

Insoweit füllt die Uncharted-Reihe dort ein echtes Vakuum und das mit Kompetenz, Ambition und so großem Erfolg, dass man dem vielleicht ja irgendwann doch kommenden Film alles Gute wünscht und nur das Schlimmste erwartet. Es ist für das Hollywood, das wir derzeit haben, scheinbar nicht möglich eine so simple Geschichte so größenwahnsinnig und gleichzeitig erfolgreich menschelnd und sympathisch zu erzählen. Es gibt die epischen Momente voller John Williams zur Illustration der Größe der Herausforderung, der sich die Helden stellen - und daneben, nicht zu knapp, die kleinen, lustigen Schnippischkeiten, die sie uns als glaubwürdige Charaktere näher bringen.

Uncharted 3 - Gameplay-Video

Naughty Dog beweist erneut ein talentiertes Händchen für Tempo, Szenen, Schauplätze, Figuren, Dialoge und auch Handlung, dass man sich wieder - nicht zuletzt dank der technisch makellosen Brillanz des Gezeigten - in eben einem guten Film wähnt. Einen, den man mit dem Grinsen, dass für guten Blockbuster reserviert ist, jede Sekunde genießt. Vom Auftakt der Barschlägerei - Indy 2 in irisch und mit weniger Gift -, über all die großen und kleinen Höhepunkte hinweg bis zum Finale im Sonnenuntergang. Ich würde jetzt so gerne über besagte Höhepunkte schwärmen. Und dass ich das mit der angespannten Zurückhaltung eines Kindes, das eigentlich unbedingt damit herausplatzen möchte, wie cool denn das Ende war, nicht tue, spricht dafür, dass Uncharted 3 sein Ziel perfekt erreicht hat. Es erzählt eine absolut fantastische Abenteuer-Geschichte mit allen Extras. Schöne Frauen, exotische Orte, fiese Feinde und sympathische Helden.

Es ist dabei leicht verzeihbar, dass der zweite Teil von Uncharted nicht getoppt und ehrlich gesagt auch nur sehr punktuell erreicht wird. Das liegt aber daran, dass man hier zum einen mit dem Besten im Felde direkt vergleicht und zum anderen, dass Uncharted 2 bereits zeigte, was möglich ist. Nachdem man das gesehen hat, ist das Erstaunen darüber, wie gut Naughty Dog die PS3 im Griff hat und welche Magie sie hier wirken können, nicht mehr ganz so groß. So ist das halt mit Special Effects und guten Erzählern. Sie können sich nicht jeden Tag selbst überbieten, um das Publikum wie beim ersten Mal zu verzaubern. Aber wenn es den Kinosaal so glücklich verlässt, wie das der Spieler nach Uncharted 3 tun wird, dann haben sie immer noch alles richtig gemacht.

Wenn ich von Drake's Deception bisher nur in Filmbegriffen und -vergleichen sprach, dann liegt das an der Inszenierung dieses Spiels, deren herausragende Qualität leicht das eigentliche Gameplay überschattet. Aber es ist natürlich keine Randshow. Wenn ihr aus einem brennenden Renaissance-Schloß flüchtet, ist das kein reines Schau-Spektakel, sondern verbindet eben das Drama für spannende 20 bis 30 Minuten mit zwei der drei großen spielerischen Säulen der Serie: Ballern und Klettern. Und hier bleibt sich Uncharted treu. Manchmal ein wenig zu sehr.

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