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Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden - Test

Gefährten müsst ihr sein

"Gerade ist der Nachfolger zum gesuchten Spiel erschienen. Hier schlägt sich ein ungleiches wie ungerades Heldengespann durch Bilderbuch-Landschaften."

Koop-Fixierung kann Fluch und Segen sein. Was zu dritt richtig Laune bringt, muss diese Eigenschaft allein gespielt noch lange nicht mitbringen. Bei Herr der Ringe ist die Differenz vom Spielspaß, den man als Einzelner hat, zum Glück nicht unendlich groß, aber man merkt schon, dass eine KI niemals - oder zumindest nicht für 60 Euro in einem Consumer-Produkt - leisten kann, was gute Freunde vermögen. Wäre ja irgendwie auch bedenklich, wenn es anders wäre, aber so oder so: Allein kommt man hier nicht so richtig auf einen grünen Zweig.

Oder vielmehr: Tut man doch, aber irgendwas wurmt doch immer. Der Herr Der Ringe: Der Krieg im Norden ist in seinem Herzen und trotz der leicht in die Third-Person gekippten Sicht kaum etwas anderes als die Dungeon-Crawler Baldurs Gate: Dark Alliance oder Champions of Norrath, für die Entwickler Snowblind zu PS2-Zeiten zu Recht berühmt wurde. Die dort so perfekte Balance aller Elemente - der Ausrüstung, der Fertigkeiten, der Klassen - findet sich auch in Krieg im Norden wieder und eigentlich sogar in einer Art höherer Form. Nicht nur ein Held, sondern drei verschiedene mussten in unisone Einheit geschmiedet werden, möglichst ohne Schweißnähte erkennbar zu lassen. Da will man leicht verzeihen, dass man sich mit Dresch-Armbrust-Zwerg, Schwert-Bogen-Waldläufer und Magie-Elfe nicht gerade auf glattes Eis begab, sondern die sich offensichtlich Ergänzenden wählte.

Was auch nicht schlimm ist. Gerade zu Dritt lässt sich mit diesen Figuren eine gute Kombination erreichen, die dem Einzelnen aber auch seine Entwicklungsmöglichkeiten lässt. Jeder Charakter hat im gewissen Rahmen gleichwertige und insgesamt umfangreiche Ausbaumöglichkeiten für Nah-, Fernkampf und Unterstützungsmagie.

Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden - Launch-Trailer

Wie auch immer ihr es angeht, es bleibt am Ende eine stabile Truppe, die sich gut gegenseitig helfen kann und auch muss. Die Elfenheilerin muss mit ihren Schutz- und Heil-Kuppeln den anderen beiden die Möglichkeit geben, innerhalb des Gemetzels einen Rückzugspunkt zu finden. Waldläufer und Magierin picken die Bogenschützen von erhöhten Positionen, während der Zwerg ihnen am Boden den Rücken freihält. Viele solcher Situationen und Konstellationen ergeben sich automatisch, spielt ihr halbwegs koordiniert zu Dritt. Am besten ist natürlich ein hier unterstütztes LAN, wenn alle im Raum zusammenkommen, aber auch sonst Online oder selbst im Splitscreen an einer Konsole bekommt man einiges hin und hier zeigt der Der Krieg im Norden seine stärksten Seiten. Der Splitscreen ist durchaus spielbar, das Chaos kann bei großen Gegnergruppen jedoch ordentlich ausarten und im stark verkleinerten Blickfeld, in dem die Kamera nicht viel weiter zurückweicht, verliert ihr schnell die Übersicht. Aber immer noch besser als alleine zu kämpfen.

Und wie sieht es aus, wenn die KI für fehlende Mitspieler einspringt? Gebt mir mein Dark Alliance und zwar sofort und jeden Tag. Es ist nicht so, dass die computergesteuerten Figuren dumm wären. Jede für sich nutzt recht sinnvoll seine Fertigkeiten, aber halt nicht in irgendeiner Abstimmung mit dem Spieler. Übernahm ich den Zwerg, wusste ich immer, wo die Magierin war, weil sie den Heilzauber-Schild zumindest dann nutzte, wenn ich schon fast im Staub kroch, aber wo der Waldläufer war, das wusste nur er allein. Selbst in der Einstellung "Verteidigung" - "Angriff" gibt es als zweites, das war es dann mit den Kontrollmöglichkeiten - rannte der Typ sonstwo hin und machte sein Ding.

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