Gears of War 3: RAAM's Shadow - Test

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Was macht man, wenn die Welt zerstört ist? Man blickt zurück und schaut, wie es anfing. RAAM's Shadow, der erste Kampagnen-Download für Gears of War 3 mag nicht die innovativste Prämisse haben - Halo: Reach zelebrierte das erst vor nicht so langer Zeit - aber hier gibt es etwas, das wir vorher noch nicht so richtig gesehen haben. Die Welt von Gears sah vor allem im ersten Teil, als die Städte noch in relativ gutem Zustand waren, phänomenal und interessant aus.

All diese wundervollen Gebäude, dieses Crossover aus Antike und Moderne, ein digitales Germania - oh ja, bauen konnten die Nazis, größenwahnsinnige, irre Mörder haben das irgendwie an sich - faszinierte und zumindest ich hatte es auf der Wunschliste, diese Welt in einem recht frischen Zustand zu sehen. Nun, diesen Wunsch erfüllt RAAM's Shadow nur fast, aber schließlich braucht man was, auf das man ballern kann. Also wird man mit Barricks Squad wenige Stunden vor dem alles vernichtenden Kryll-Sturm - fleischfressende Fledermäuse, die den Himmel verdunkeln, so viele sind es - in der noch weitestgehend intakten Stadt Lima City ausgesetzt, um zu retten, was zu retten ist.

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Lima in alter Glorie.

Es ist definitiv ein anderes Tempo als im Hauptspiel und auch in Gears 2. Es ist ein kleiner Schritt zurück zu Teil 1, wo der Krieg schon lief, aber es noch nicht dieser getriebene All-Out-Battle gegen große und noch größere Monster war. Die Missionen hier geben eine gute Bandbreite aus ein klein wenig Grusel in einer verlassenen Schule oder einer Bank, dazu ordentliche Action-Passagen auf den Straßen der Stadt und einem durch den einsetzen Kryll-Sturm dramatischen Run durch das verdunkelte Lima als Abschluss. Die fünf Kapitel kommen auf drei bis vier Stunden und es ist eine Zeit, die am ehesten an das erste Gears erinnert. Nicht ganz die Brillanz des ersten Berserker-Kampfes, nicht ganz die Dramatik des Weges durch die Kryll-Straßen mit Fenix, aber doch eine gut getimte, kleine Episode.

An ein paar Stellen wird zur Auflockerung und als das Gimmick der Stunde der Endgegner des ersten Gears, General RAAM, als spielbarer Charakter hineingeworfen. Das klingt ziemlich cool, einmal den Superbösen zu spielen, die dummen COGs einfach nur rennen zu lassen und all die Macht auszuleben. Nun, diese Allmacht hat einen Preis. Keine dieser Passagen ist ernsthaft schwierig, denn der Kryll-Angriff des extrem schwerfälligen RAAM geriet so mächtig, wie er letztlich sein muss. Ihr zielt einfach nur und egal, wo die kleinen Menschlein sich verstecken, eure gefräßigen, geflügelten Freunde zerpflücken sie in ein, zwei Sekunden. Man steht halt rum und zielt vage auf ein paar belanglose Figürchen. Eine kurze Ablenkung, ein leicht anderer Blick, aber kein sonderlich interessantes Spiel.

Gears of War 3: Raam's Shadow - Trailer

Dazu kommen noch ein paar Multiplayer-Skins, aber leider keine neue Map. Das hier ist definitiv ein Kampagnen-Add-On, das ihr natürlich mit bis zu drei anderen Spielern im Koop erleben könnt - und solltet, es ist immer noch das, wo Gears am stärksten ist -, aber reine Versus-Player können diese Runde auslassen.

Was den Rest angeht: Es ist Gears. Nicht mehr und nicht weniger. Man kennt die Waffen, man kennt die Mechaniken und man liebt sie oder man hasst sie. Und im letzteren Falle käme man eh nicht auf die Idee, irgendwelchen DLC zu laden, also wird insoweit mit RAAM's Shadow genau das geboten, was man normalerweise nach einem guten Spiel haben möchte. Etwas mehr vom Gleichen.

Ob dafür jetzt wirklich 1.200 Punkte nötig sind, ist eine gute Frage. Meine Einschätzung wäre: Ja. Nicht, weil ich drei bis vier Stunden als sonderlich umfangreich empfinde, sondern weil es einen visuell unverbrauchten Eindruck der eigentlich bekannten Welt beschert, weil es endlich mal wieder ein paar ruhigere Grusel-Momente gibt, weil die kleinen Gespräche zwischen dem Team funktionieren und weil Gears sich einfach gut spielt und davon mehr zu bekommen, ist für den Fan das Geld wert. Für jeden anderen ist es eh keine Frage. DLC halt. Was mich von mehr Enthusiasmus abhält, ist der schläfrige, übermächtige RAAM, der selbst als kurze Zwischenrunde dem Ganzen nichts Sinnvolles hinzufügt, sondern stattdessen alles wegnimmt, was Gears gut macht. Aber keine Sorge, das ist schnell vorbei und man fühlt wieder sich in der vertrauten Rolle in unverbrauchter Umgebung wohl.

7 / 10

RAAM's Shadow ist ab sofort für 1.200 Punkte auf der Xbox 360 zu haben und setzt natürlich das Hauptspiel Gears of War 3 voraus.

Unsere Wertungsphilosophie Gears of War 3: RAAM's Shadow - Test Martin Woger Zurück auf Anfang 2011-12-16T10:45:00+01:00 7 10

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