Resident Evil 6 - (Eine Art) Vorschau

Action, Horror oder doch Action-Horror? Was verraten Bilder, verraten Bilder was?

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir geht bei der folgenden Aussage das Messer in der Hose auf: "Millionen von Call-of-Duty-Fans schätzen dort die schnellen Online-Matches. Es wäre ein Traum, wenn diese sich auch für diese Resident-Evil-Episode interessieren würden". Diese Ansicht verbreitete in einem Interview mit dem Branchenblatt MCV Dave Turner, seines Zeichens Head of Marketing von Capcom UK.

Und Mr. Turner ist noch nicht fertig: "Wir haben festgestellt, dass die Popularität der Reihe stark anwuchs, als sie sich mehr in Richtung Action orientiert hat. Resident Evil 5 ist der verkaufsstärkste Teil der Reihe. Daher ist es für uns nur sinnig, wenn wir diesen Weg in Richtung Action weiter verfolgen." Jetzt könnte man natürlich wettern und schimpfen. Darüber, dass dieser Weg gerade für die alten Fans der Serie einen ziemlichen Nierentritt darstellt. Darüber, dass eine weitere klassische Serie in Richtung tumbe Krachbumm-Multiplayer-Action gedrückt werden soll. Darüber, dass die Zeiten immer schlechter und die breite Masse immer dümmer wird. Früher war alles besser und überhaupt und sowieso. Gna, Bla, Gnök.

Aber wisst ihr was? Eigentlich ist das doch gar nicht nötig. Denn da kann der Herr Turner noch so viele feuchte Träume von Call of Duty-Verkaufszahlen träumen, wie er will, noch entsteht Resident Evil 6 bei Capcom Japan. Der Trailer, den die Jungs und Mädels aus Osaka vor wenigen Tagen auf die Öffentlichkeit losgelassen haben, sagt weit mehr als alle Marketing-Plapperei der Welt und vor allem eines: Resident Evil 6 könnte ganz schön gut werden.

Resident Evil 5 erntete für den Wechsel in Richtung gut ausgeleuchteter Action einige Kritik.

Es ist beeindruckend, wie gekonnt Capcom von Anfang an mit den Wünschen und Erwartungen der Fans spielt. Da ist Leon S. Kennedy, immerhin der Protagonist der beiden wohl beliebtesten Episoden überhaupt. Leon richtet seine Waffe auf den offensichtlich infizierten Präsidenten der Vereinigten Staaten (und damit auch den Vater von Ashley Graham?). Wir sehen Leon, wie er düstere Gänge entlang läuft. Assoziationen zum kultigen ersten Teil der Serie werden wach. Wir sehen Bilder einer brennenden Kleinstadt und sofort denken wir an die in Deutschland immer noch indizierte Fortsetzung. An einer Wand sehen wir die Schatten von möglichen Infizierten. Ja, das ist atmosphärisch, das ist unheimlich! Genau das, was im direkten Vorgänger noch zu großen Teilen vermisst wurde.

Und nach wenigen Sekunden sehen wir sie wieder. Langsame, schlurfende Zombies. Keine infizierten, keine Ganados, einfach Zombies, und das auch noch ganz ohne die altkluge Ironie, hinter der manch ein Zombie-Mod das billige Aufspringen auf den Untoten-Zug zu verschleiern versuchte. Zombies, die uns durch ihre Masse und Beharrlichkeit bedrohen. Zombies, die gerade deswegen so unheimlich sind, weil in ihnen noch die sterblichen Überreste normaler Menschen erkennbar sind. Eben die Zombies, die das erste Resident Evil vor fast 16 Jahren so unheimlich gemacht haben.

Erste Spielszenen sind erkennbar. Offensichtlich hat sich Capcom erneut für die Kameraperspektive von Resident Evil 4 entschieden. Eine Ansicht dicht hinter dem Rücken des Protagonisten die beim Zielen weiter nach vorne fährt und uns den Blick über den Lauf der Waffe ermöglicht, ohne aber so nah ran zu gehen, dass aus dem Protagonisten nur noch ein körperloses Schießeisen im Stil gängiger Ego-Shooter wird. Und ich muss sagen: Die bisher gezeigte Mischung aus klassischen Resident-Evil-Motiven und dem Spielsystem der famosen vierten Episode... diese Mischung macht richtig Lust auf das Spiel. Doch das ist noch lange nicht alles. An diesem Punkt sind alte Fans besänftigt - und jetzt dreht Capcom richtig auf.

Resident Evil 6 - Trailer

Wir verlassen die amerikanische Kleinstadt und finden uns in einer fernöstlichen, möglicherweise chinesischen Metropole wieder. Gleißendes Neonlicht, ein Hubschrauber, von dem sich Chris Redfield und weitere Männer abseilen. Das Tempo zieht an. Die Kameraarbeit wird schneller und wir sehen, wie Chris mit seinen Leute eine erleuchtete Straße bei Nacht entlang läuft und dabei auf Zivilisten trifft, einen Kameramann schiebt er mit der Hand beiseite. Die Szene ist schnell und chaotisch, ein krasser Gegensatz zu den eben noch gezeigten Szenen mit Leon. Gegner mutieren, die Spielfigur geht in Deckung und feuert ein paar schnelle Schüsse auf die ekligen Widersacher ab. Die Action hier erinnert eher an Gears of War, als an Resident Evil, sieht aber ohne jeden Zweifel verdammt schick und furios aus.

Weitere Story-Details werden angeteasert, stakkatohafte Schnitte vermitteln den Eindruck brachialer Nonstop-Action und schließlich wird der Betrachter atemlos zurückgelassen. Was war da los? Was für ein Spiel wird Resident Evil 6 denn jetzt?

Diese Frage kann momentan natürlich nur Capcom beantworten, eines scheint aber sicher. So wild und actionreich, wie es manch ein kritischer Kommentator bereits prognostiziert hat, wird es sicher nicht. Hätte sich Capcom anfangs sonst so viel Zeit gelassen mit den ruhigeren, stimmungsvollen Szenen um Leon S. Kennedy? Sicherlich nicht. Erlaubt also eine wilde Spekulation: ähnlich wie das 3DS-Spiel Resident Evil: Revelations wird auch Teil 6 ganz verschiedene Ansätze in sich vereinen.

Wenn wir mit Leon unterwegs sind, dann rechnen wir mit langsamen, stimmungsvollen Horror-Szenarien, wie wir sie aus den PSone-Episoden kennen und lieben. Chris Redfields China-Einsatz verspricht dagegen wilde Action mit aggressiven Gegnern, viel Feuerkraft und krachenden Effekten. Sollte sich das bewahrheiten, dann ist Capcom auf dem richtigen Weg und scheint es darauf anzulegen, die beiden Ansätze, die bei Resident Evil bisher ausprobiert wurden, zu vereinen. Dramaturgisch gesehen könnte das hervorragend funktionieren. Hier etwas Spannung und Suspense, dort dafür breit-spaßige Action. Das könnte genau das richtige Maß an Abwechslung ergeben.

Und schließlich gibt es da noch einen unbekannten Faktor: Da ist noch dieser narbengesichtige Söldner, dessen Namen wir noch nicht kennen. Handelt es sich dabei vielleicht sogar um Serien-Veteranen Hunk? Und sehen wir das richtig? Ist er da in einer verschneiten Umgebung unterwegs? Sind das Anknüpfungspunkte an Revelations oder die indizierte Dreamcast-Episode? Hmm...

Eines ist dagegen sicher. Wie schon in den Vorgängern seid ihr auch hier nicht alleine unterwegs. Leon, Chris und der geheimnisvolle Söldner haben stets einen Kameraden im Schlepptau. Das lässt natürlich deutlich auf Online-Coop schließen - der hat ja auch im Vorgänger Spaß gemacht. Allerdings sollte Capcom dann ordentlich an der KI im Solo-Modus arbeiten - daran hat es bisher nämlich eher gehapert, genau das hat auch gerade Resident Evil 5 so einige Sympathien gekostet.

Noch eines macht dieser Trailer übrigens deutlich: Man mag über japanische Entwickler und ihre realen oder scheinbaren Probleme mit der aktuellen HD-Hardware sagen, was man will. Capcom jedoch ist davon eindeutig nicht betroffen. Was die Action-Altmeister hier an Details, Effekten und Action aus der Hardware kitzeln, das hat in diesem ersten Eindruck schon mal Weltklasse-Niveau und muss sich nicht vor den Actionspielern westlicher Entwickler wie Epic oder Naughty Dog verstecken. Ich kann eine spielbare Version kaum noch erwarten - mal schauen, ob meine Spekulationen dann ins Schwarze trafen.

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