FIFA Street - Test

Lektion gelernt

Man muss den Entwicklern von Electronic Arts zugestehen, dass sie in Bezug auf FIFA Street ihre Lektion gelernt haben. Alleine schon der Comic-Look von FIFA Street 3 war diskussionswürdig, passte aber auch zu dieser Art von etwas übertriebenem Spiel. Größter Kritikpunkt war aber der mangelnde Inhalt. Anstatt sich nun aber nur auf einen der beiden Punkte zu konzentrieren, ist man gleich beide angegangen.

Das Ergebnis ist ein Reboot der Reihe, das nicht nur realistischer aussieht, sondern sich auch angenehmer spielt und deutlich an Umfang zugelegt hat, euch somit eine ganze Weile lang beschäftigen kann. Am Anfang steht erst mal die Erstellung eures eigenen Kapitäns für euer persönliches Team auf dem Programm. Ähnlich wie in FIFA 12 könnt ihr ihn anpassen, die Klamotten tauschen, Farben ändern und dergleichen - ebenso legt ihr einen eigenen Namen für das Team fest und gestaltet das Vereinslogo aus verschiedenen Vorlagen und Farben.

Herzstück von FIFA Street ist diesmal die World Tour, die euch - wer hätte es anders erwartet - rund um die Welt führt. Ihr absolviert Turniere, Herausforderungen und arbeitet euch Stück für Stück in der Rangliste der Teams nach oben. Mit dabei sind neben Fantasiemannschaften auch lizenzierte Vereine sowie Spieler. Und hocharbeiten müsst ihr euch auch, um bestimmte Finalturniere überhaupt erst bestreiten zu können. Aber die einzelnen Turniere und Herausforderungen belohnen euch abseits dessen noch mehr. Je nach gewählter Schwierigkeitsstufe - Bronze, Silber, Gold - schaltet ihr bis zu drei Rewards frei. Das kann etwa neue Kleidung sein oder ein Spielort für das Schnelle Spiel. Für Herausforderungen gibt es obendrein noch fertige Spieler, die ihr in euer Squad aufnehmen könnt.

Diese sind aber gewissermaßen schon "fertig", während eure eigenen Kicker erst nach und nach hochlevelt. Während der Partien sammelt ihr fleißig Style Points, indem ihr Tricks ausführt und die Kugel im gegnerischen Tor versenkt - trifft der Gegner, werden eure seit dem letzten Tor gesammelten Zähler wieder verworfen. Das ist zugleich auch ein weiterer motivierender Faktor der World Tour. Mit jedem neuen Level stehen euch Punkte zur Verfügung, die ihr unter anderem zur Steigerung der Fähigkeiten des jeweiligen Kickers verwenden könnt. So ist es zum Beispiel möglich, jemanden auf Dribblings oder den Torabschluss zu spezialiseren - oder ihr bastelt euch einen Allrounder zusammen. Mit den Punkten können ebenfalls neue Jubelanimationen sowie Tricks freigeschaltet und verbessert werden. Spiel für Spiel formt ihr euch so euer eigenes Wunschteam zusammen.

Wie schon angesprochen, wird Abwechslung groß geschrieben. Die Plätze - ob das nun Straßen oder Baskettball-Spielfelder sind - unterscheiden sich nicht nur in puncto Größe, auch die Tore sind mal groß, mal richtig klein und erfordern Präzision, um sie überhaupt zu treffen. Besonders cool fand ich zum Beispiel das schwimmende Spielfeld inmitten der Kanäle von Venedig. Auch was die Zahl der Spieler anbelangt, wird immer wieder gewechselt. Von 2-vs-2 bis hin zu 5-vs-5 ist alles drin, ähnliches gilt für die Siegbedingungen eines jeden Matches.

Da gibt es die ganz gewöhnlichen Partien, in denen derjenige gewinnt, der nach zweimal drei Minuten die meisten Tore erzielt hat. Im Last Man Standing verlässt unterdessen mit jedem von euch erzielten Tor einer eurer Spieler das Spielfeld. Wer zuerst alle seine Spieler vom Feld geholt hat, gewinnt das Match. Bei anderen Varianten kommen noch stärker die Tricks zum Zuge. Durch erfolgreich ausgespielte Gegner sammelt ihr im Panna-Match einen oder mehrere Punkte, die sich addieren und bei einem Torerfolg allesamt angerechnet werden. Beim Freestyle müsst ihr unterdessen eine bestimmte Zahl von Style Points erreichen. Das alles wechselt sich regelmäßig ab und dadurch wird es im Spielverlauf auch niemals wirklich langweilig. Definitiv eine deutliche Steigerung gegenüber FIFA Street 3.

Insgesamt spielt sich FIFA Street wieder realistischer. Spieler können nicht mehr an Wänden, Zäunen oder ähnlichem entlang laufen, sie verhalten sich ganz normal, so wie man es erwartet. Ebenfalls rausgeflogen ist der Gamebreaker, dessen Energieleiste man in FIFA Street 3 durch Tricks füllte und bei Aktivierung in 95 Prozent der Fälle ein garantiertes Tor abstauben konnte.

FIFA Street nutzt nun die Engine aus FIFA 12, gemeinsam mit der Impact Engine, die auch hier manchmal für den ein oder anderen unterhaltsamen Abflug sorgt. Die Spieler selbst habt ihr relativ locker unter Kontrolle. Vielleicht ist ein wenig Einarbeitung nötig, da es hier auch mehr auf Tricks als auf Spielzüge ankommt, aber ist man erst mal drin, geht alles einfach von der Hand. Zieht ihr den linken Trigger, bleibt ihr etwa stehen und gelangt in den Trick-Modus. Verteidigt den Ball oder lockt den Gegner an, mit dem rechten Stick vollführt ihr die Tricks und wenn ihr im passenden Moment noch den linken Stick drückt, den linken Trigger loslasst und den den rechten zieht, schaut der Kontrahent euch nur noch hinterher. Darüber hinaus könnt ihr mit dem rechten Trigger den Ball jonglieren beziehungsweise über Gegner lupfen und mit dem linken Trigger Schüsse noch ein wenig anschneiden. Klappt natürlich nicht immer und klingt nun auf dem Papier vielleicht etwas komplizierter als es in Wahrheit ist, aber es funktioniert gut und macht Spaß. Gleichermaßen verspürt man ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn man die Kugel nach ein paar schönen Tricks im Netz versenkt.

Ebenfalls aus FIFA 12 hat man das Tactical Defending entliehen. Haltet den A- beziehungsweise X-Button (auf der PS3) gedrückt und euer gewählter Spieler bewegt sich in einer gewissen Distanz zum ballführenden Gegner. Dabei sind aber lediglich leichte Tacklings möglich, echte Grätschen, bei denen ihr über das Spielfeld rutscht, sucht ihr hier vergeblich. Würde bei den Untergründen manchmal sicher auch ziemlich schmerzhaft sein und wiederum nicht zum realistischen Ansatz passen.

FIFA Street - Gameplay-Video

Grobe Schnitzer leistet sich das Spiel dabei kaum. Die eine oder andere Aktion wirkt ein wenig hakelig, in seltenen Fällen ging ein Spieler mal nicht zum Ball, obwohl er direkt neben ihm entlang rollte oder Torwart und Abwehrspieler schauten nur dumm zur Kugel, die direkt neben dem Tornetz an der Wand lag, aber das kommt nun nicht allzu oft vor. Alles in allem stimmen hier sowohl die spielerischen wie auch die technischen Aspekte.

Schlussendlich darf natürlich der Online-Modus nicht fehlen. Hier gibt es beispielsweise den Saison-Modus, in dem zehn Spieltage absolviert werden. Durch Siege könnt ihr somit weiter in den 15 Ligen aufsteigen. Außerdem gibt es Futsal-Matches, 5-vs-5, 6-vs-6 sowie die Möglichkeit, mit bis zu sieben Freuden gemeinsam zu spielen, die dabei jeweils ihren Kapitän aufs Spielfeld führen.

Nach SSX folgt nun also innerhalb kürzester Zeit mit FIFA Street der nächste gelungene Sportspiel-Reboot aus dem Hause Electronic Arts. Die jeweiligen Entwicklerteams haben offensichtlich sehr gut verstanden, was die beiden Reihen ausmacht. War aber auch dringend nötig, dass FIFA Street nach dem letzten Teil wieder realistischer, umfangreicher und langfristig motivierender wird. Auch den Gamebreaker vermisse ich dabei zu keiner Sekunde. Wer also zusätzlich zum normalen FIFA Fußball auch auf die etwas andere Art erleben möchte, kann hier unbesorgt zugreifen. Und wenn ihr keinen Fußball mögt, dann... warum lest ihr das hier eigentlich?

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Unsere Wertungsphilosophie FIFA Street - Test Benjamin Jakobs Lektion gelernt 2012-03-21T14:25:00+01:00 8 10

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