Star Trek - Vorschau

Wir schreiben das Jahr 3 nach Abrams. Die Brücke sieht immer noch aus, wie von Apple gebaut und Spock ist ein Space-Ninja.

Ich liebe Nerd-Rage und damit muss ich fast automatisch den letzten Star-Trek-Film lieben. Ich liebe ihn auch aus anderen Gründen und das obwohl ich sonst nicht viel von der seelenlosen, filmschaffenden Hülle eines Regisseurs namens J.J. Abrams halte. Aber das Schönste waren einfach die Reaktionen, insbesondere die der Next-Gen-Trekkies, der ganzen Picard- und Crusher-Lover, die ihre Daseinsberechtigung in der flammenden Hölle zweier kollabierender, imaginärer Planeten zerbröseln sahen. Gibt es überhaupt die Next Generation? Wird Picard überhaupt geboren werden? Und überhaupt, wie kann das sein, schlimmer als Indy 4 das alles. Großartig.

Die rationale Reaktion heißt natürlich "lighten up, will ya!", es ist nur eine Serie, ein Franchise, verschwendet eure Energie auf was Sinnvolles. Spielekritiker im Internet fertigmachen zum Beispiel. Aber auch wenn dieser Aufschrei mir kleinem Sadisten noch so viel Spaß bereitete, ich kann ihn bis zu einem gewissen Grad auch verstehen. Selbst wenn ich nie ein Next-Gen-Fan war, hatte ich durchaus eine Phase im Leben, in der ein bestimmter Satz von Fry aus Futurama erschreckend viel Sinn machte: "Star Trek brachte mir so viel bei. Zum Beispiel, dass man Leute akzeptieren muss, wie sie sind, seien sie nun Schwarz, Weiß, Klingone oder sogar weiblich. Am wichtigsten jedoch, als ich keine Freunde hatte, gaben sie mir das Gefühl, dass da vielleicht doch welche sind."

Und das ist vielleicht bisher mein größtes Problem mit dem Reboot. Mit dem iPod-Slick der Designs kann ich leben, aber dieses Gefühl wird nicht angestrebt. Diese vertraute Heimeligkeit eines schlechten Filmsets mit ein paar großartigen Schaustellern darin wird man mit diesem furiosen Action-Vehikel kaum einfangen können. Das kann man dem Film wohl schwer anlasten, aber es schwingen doch viele wehmütige Kindheitserinnerungen mit, wenn ich einen neuen Kirk, Spock und McCoy sehe, die ihren Weg gehen.

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Aber man muss es ja auch positiv sehen, bedeutet es doch nicht nur mindestens einen richtig coolen SciFi-Action-Baller-Film mit einer Zahl Löchern in der Handlung, die selbst wilde Schätzungen derer in Mass Effect 3 übertreffen dürfte, sondern wohl auch endlich mal wieder ein gutes Game mit Kirk und Spock und hoffentlich auch McCoy. Seine Rolle wurde zwar noch nicht genannt, aber wenn auf die Frage "Ich habe nur Kirk und Spock gesehen, McCoy nicht. Fehlt da eurem Spiel nicht etwas?" die Antwort "Nein!" so kurz, knackig und mit einem verschmitzten Grinsen kommt, kann das ja nur eines heißen.

In den etwas dünnen zehn Minuten Spiel, die auf einem monströsen 3D-Rigg gezeigt wurden - Applaus an die Techniker, war wohl was Besonderes, so oft wie es erwähnt wurde, schlechter James-Cameron-Scherz inklusive - machten nur Captain und erster Offizier ihre Aufwartung. Um erst mal das "Was" aus dem Weg zu bekommen: Es wird ein Third-Person-Shooter mit Deckungs- und Adventure-Elementen. In dem man von Zeit zu Zeit wohl auch mal die Enterprise steuern darf. Wie das geht und aussieht, habe ich keine Ahnung, auch dabei musste man zwischen den Zeilen eines nicht sonderlich auskunftsfreudigen Antwortgebers lesen. Nicht seine Schuld, ich bin sicher, er hat gesagt, was er konnte. Zurück zu dem, was gezeigt wurde.

Und damit zu der Beziehung zwischen Kirk und Spock. Nein, nicht schon wieder diese "Beziehung". Werdet erwachsen. Hier geht es um etwas, was der Entwickler Digital Extremes - unter anderem Epic Pinball, einige Unreal Tournaments, Darkness 2 - einen "asymmetrischen Koop" nennt. Das ganze Spiel lässt sich im Koop bestreiten, jedoch soll der Aufbau der beiden Charaktere und ihrer Fertigkeiten so ausfallen, dass beide sich ergänzen, so wie sie es in der Serie taten. Spock wird dabei etwas schräg als eine Art "Space-Ninja" beschrieben, was eigentlich nur eine tollpatschige Beschreibung des Umstands ist, dass er lieber erst mal nachdenkt. Anschleichen, Scouten, und aus dem Hinterhalt zuschlagen. Eine seiner Waffen ist ein Stasisfeld, das Feinde einfriert, bis er vorbei an ihnen ist. Sie können sich dann an nichts mehr erinnern und sind weit besser dran als bei einer Begegnung mit Kirk. Er stürmt vor, wo Engel zurückschrecken würden und blastet lieber, bevor das Alien noch anfängt, Fragen zu stellen. Außer natürlich sie ist eine grünhäutige, großbusige Space-Prinzessin. Jeder hat halt seine Schwächen.

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Beide haben dementsprechend auch unterschiedliche Waffen, von denen eine ganze Reihe neu für das Game entworfen wird. Und ich muss sagen, ich fand die Star-Trek-Sturmgewehre schon immer cool. Waffen, die es schaffen, die latent arthritische Crew der Next-Gen in der Schlaftablette Insurrection für ein paar Sekunden richtig Bad Ass wirken zu lassen, verdienen Aufmerksamkeit. Das Design hier strahlt ebenfalls diese moderne Effizienz in cool gezeichnet aus, dazu kommen dann noch Alien-Knarren, sodass sich das alles keineswegs nur auf Phaser beschränkt.

Der Koop-Aspekt, der mich jedoch wirklich beeindruckte - ok, das ist etwas übertrieben, aber zumindest doch mein Interesse sprunghaft steigen ließ - waren die "asynchronen" Zwischenszenen. Beide Spieler sehen die Szene aus dem Blickwinkel ihrer Figur und sie können entsprechend und angemessen darauf reagieren, ohne durch eine gemeinsame Szene aus der Sicht gerissen und wieder zurückgeworfen zu werden. Kirk wird im Hangar der Enterprise angegriffen - hier füllte eine Art mutierter Barney, der Saurier, als Platzhalter die Rolle der noch nicht enthüllten wirklichen Bösewichter - und Spock steht in diesem Augenblick ein paar Meter weiter.

Kirk landet auf dem Hintern und kann nicht sofort reagieren. Ganz anders Spock, der ohne Verzögerung anfangen kann zu feuern. Hasst ihr es nicht auch, wenn eine Zwischenszene dem Bösen erst gescripteterweise alle Zeit der Welt lässt, während ihr eurer Figur Dinge wie "Schieß doch, du Vollpfosten!" an den Kopf werft? Nun, Star Trek hat scheinbar darauf eine eigene Antwort gefunden. Kirk bleibt etwas angeschlagen, was auch an dem in diesem Moment freigesetzten Giftgas liegen kann. Scheint super zu sein, mehr Kupfer im Blut zu haben. Spock bringt ihn anschließend in die Krankenstation und versorgt Kirk in einem kleinen Mini-Game, während dieser, keinen Herzschlag ausgesetzt und noch auf die Schulter des Freundes gestützt, so viele Aliens unter Feuer nimmt, wie er kann. Einer muss ja den taktischen Rückzug decken.

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Ein weiteres echtes Kirk-Manöver ist das Rammen eines ferngesteuerten Shuttles in die Brücke, um ein paar fiese Aliens in den Weltraum zu saugen. Awesome. Da stellte man erst im Nachhinein die Frage, warum die Enterprise menschenleer war. Das herauszufinden, wurde in einem kurzen Tricorder-Scanning eines toten Redshirts als der Adventure-Part des Action-Adventures angekündigt. Wie viel das wirklich heißt, lässt sich derzeit unmöglich abschätzen, aber man will schon ein wenig auf den Erforscher-Aspekt von Star Trek eingehen. Schön, dass der auch im Abrams-Evangelium nicht ganz vergessen wurde. Hatte nach dem Film meine Zweifel.

Technisch bewegt sich hier alles auf einem sehr soliden bis in Einzelmomenten sehr guten Level. Völlig ok für ein Jahr vor dem Release, da ist schließlich noch viel Zeit, auch wenn man davon ausgehen kann, dass hier schon gut poliert wurde. An den Gesichtern muss insbesondere noch gefeilt werden. Es gibt ein paar Spiele, die schon "echte" Augen zeigen - nicht viele, zugegeben -, hier verraten sie noch die sonst gute Charaktergestaltung und Mimik.

Schön, dass ein vollwertiges, ernstzunehmendes Spiel zum Thema Star Trek erscheint. Nichts gegen Online, das soll ja inzwischen sehr anständig sein, aber das ist ein Setting, in dem es für mich näher herangehen und persönlicher werden muss, als der Kampf zwischen ein paar Schiffen. So richtig viel lässt sich nach den paar Minuten noch nicht sagen, außer, dass die Ideen in der Umsetzung des Koop sehr reizvoll aussehen. So gut, dass es sich wirklich lohnen könnte, das Spiel zweimal zu bestehen. Nicht, weil es andere Enden geben würde, sondern, weil die beiden Wege von Spock und Kirk sich wirklich unterschiedlich spielen. Einmal als stürmender Bulle durch das Tor, einmal als schleichender Denker-Krieger.

Und wie der neue Film auch lässt es in mir ob aller vorhandenen Qualitäten doch diesen gewissen Wohlfühlpunkt unberührt, den die alte Serie für mich auszeichnete. Gelungenes Action-Sci-Fi ist viel wert, allein aber dazu nicht in der Lage. Wahrscheinlich ist auch mein Star-Trek-Universum ein wenig im Laufe dieses Reboots gestorben. Vielleicht sollte ich ein wenig leiser über die Next-Gen-Trekker lachen.

Aber zumindest ein Schmunzeln genehmige ich mir dann doch.

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