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Top Gun: Hard Lock - Test

Kein überdurchschnittlicher Höhenflieger, aber auch kein katastrophaler Absturz.

Ich muss gleich eingestehen: Ich habe Top Gun nie gesehen. Die Frage ist natürlich: Hab ich da was verpasst? Sollte man den unbedingt mal gesehen haben? Oder noch besser: Will ich den Film nach diesem Spiel überhaupt noch sehen? Nicht dass es das grottigste Spiel auf Erden wäre, aber es ist halt mal wieder eines dieser typischen Lizenzprodukte, die qualitätsmäßig irgendwo im Mittelfeld rumdümpeln.

Einen weiteren Fehler solltet ihr ebenfalls vermeiden: Erwartet nicht, mit Top Gun: Hard Lock eine realistische Flugsimulation zu bekommen. Hier läuft alles eher arcadig ab, ähnlich wie in SEGAs After Burner Climax. Nur mit dem Unterschied, dass Top Gun umfangreicher ist und ihr euch frei bewegen könnt. Aber deswegen ist es nicht unbedingt besser.

Herzstück des Spiels ist jedenfalls der Story-Modus, in dem ihr 15 Missionen lang hauptsächlich Gegner in Stücke schießt und selten mal feindliche Radarstellungen umfliegt, Aufklärung betreibt oder unter Zeitdruck möglichst schnell Widersacher ausschalten müsst, damit diese eure Verbündeten nicht einäschern. Die Einsätze sind insgesamt zwar recht kurzweilig, aber die Story an sich ist eher langweilig präsentiert und motiviert nicht wirklich - da ändern auch die vereinzelten Gespräche zwischen den Piloten nichts, deren Kommentare hier und da schon etwas merkwürdig ins Deutsche übersetzt wurden. Ebenso mangelt es den Einsätzen oftmals an Spannung, es gelingt ihnen nicht, wirklich für Begeisterung zu sorgen, auch weil es dem Spiel an erinnerungswürdigen Szenen mangelt, die auch im Nachhinein noch Eindruck hinterlassen und nicht nach fünf Minuten wieder vergessen sind.

Top Gun: Hard Lock - Trailer

Wie schon angesprochen: Das Ganze ist typisches Arcade-Gameplay und ihr habt keine Probleme damit, euren Vogel in der Luft zu halten. Zumindest mit dem Gamepad, denn das empfiehlt sich nämlich dringend als beste Variante. Joysticks werden nicht unterstützt und die Steuerung via Maus oder Tastatur vergesst ihr am besten schnell wieder.

Mit der "Hard Lock"-Spielmechanik bedient man sich unterdessen bei Namcos jüngstem Ace Combat. Wie in Assault Horizon könnt ihr euch, wenn ihr für kurze Zeit hinter einem Gegner fliegt und ihn als Ziel markiert habt, fest hinter diesen hängen und euer Flugzeug fliegt dann automatisch weiter, während ihr ausschließlich das Fadenkreuz ausrichtet. Was anfangs gar nicht mal so einfach ist. Zwischendurch absolviert der Gegner Manöver, die ihr durch das Drücken der Sticks in bestimmte Richtungen kontern könnt, damit ihr einerseits hinter ihm bleibt und andererseits euer Fadenkreuz vergrößert, was es auch einfacher macht, ihn in seine Einzelteile zu zerlegen.

Wenn sich ein Feind auf ähnliche Weise an euch heftet, müsst ihr einfach nur so lange ausweichen, bis ein solches Manöver automatisch initiiert wird. Besteht ihr es erfolgreich, landet ihr auch schon hinter dem einstigen Verfolger und dann beginnt das gewohnte Spielchen von vorne.

Während der Missionen sammelt ihr außerdem Punkte für abgeschossene Flugzeuge, erledigte Aufgaben und ähnliche Dinge, mit denen ihr dann wiederum weitere Jets, Zuladungen und Skins freischaltet. In der Kampagne könnt ihr allerdings nur zwischen wenigen Farben und Mustern entscheiden, diese Freischaltungen kommen eher im Modus "Gefahrenzone" zum Einsatz, in dem ihr über mehrere Runden hinweg gegen Feindeswellen am Boden oder in der Luft antretet. Für ein wenig Abwechslung sorgen dabei wechselnde Voraussetzungen, zum Beispiel müsst ihr in einer Runde mal unterhalb des gegnerischen Radarschirms bleiben.

Zu guter Letzt gibt es dann auch noch einen Multiplayer-Modus mitsamt Deathmatch und Team Deathmatch für bis zu 16 Spieler. Funktioniert soweit auch ohne Probleme, Mitspieler konnte ich während des Tests allerdings nicht wirklich viele finden.

Bleibt noch die technische Seite des Spiels. Hier sticht Top Gun vor allem mit seinem Filmkörnungs-Overkill hervor, was man auch ganz gut anhand der Screenshots sehen kann (geht am besten in die Galerie und schaut sie in Originalgröße an) - obwohl es in Bewegung nicht ganz so dramatisch aussieht. Das beschert dem Spiel zwar einen eigenwilligen Look und auch einige der Effekte sehen ganz hübsch aus, allerdings ist die Filmkörnung wohl eher dazu gedacht, Schwachstellen zu kaschieren. Alles in allem ist - mit Ausnahme der Flugzeugmodelle - Top Gun: Hard Lock optisch eher von durchschnittlicher Qualität, kein Vergleich zum letzten Ace Combat. Obendrein gibt es auf dem PC auch keine Möglichkeit, detaillierte Grafik-Einstellungen vorzunehmen, lediglich die allgemeine Grafikqualität und Auflösung lassen sich anpassen.

Wer braucht also Top Gun: Hard Lock? Nun, es ist ein Spiel für diejenigen, die ein kurzweiliges und dabei durchaus unterhaltsames Arcade-Flugspiel suchen und nicht wirklich Interesse an einer ansprechenden Geschichte oder spannungsgeladenen Missionen haben. Wenn ihr genau danach sucht, dürfte Top Gun exakt euer Spiel sein, alle anderen sollten aber eher einen größeren Bogen darum machen, denn wirklich herausragend ist hier nichts.

5 / 10

Top Gun: Hard Lock - Test Benjamin Jakobs Kein überdurchschnittlicher Höhenflieger, aber auch kein katastrophaler Absturz. 2012-04-20T13:35:00+02:00 5 10
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