Awesomenauts - Test

Basenklau, Todeslaser und singende Frösche: Red vs. Blue mal ein wenig anders

Es gibt Spiele, die von der ersten Sekunde an fesseln und dann sind da Spiele wie Awesomenauts. Die ersten Minuten erfreut man sich an der 80er-Cartoon-Show-Song-Einlage, wandert etwas lustlos durch ein halbherziges Tutorial und fragt sich, was das hier alles ist.

Um diese Frage abzukürzen, hilft der unhandliche Begriff MOBA. Multiplayer Online Battle Arena. Auf einer 2D-Ebene steht links ein roter und rechts ein blauer McGuffin, recht groß und verteidigungswürdig. Drei Mann (oder Bots) auf jeder Seite versuchen, die jeweils andere McGuffin-Basis zu zerballern. Wer das zuerst schafft, gewinnt. League of Legends oder Tower-Defense-Games funktionieren nicht unähnlich.

Was Awesomenauts zum Start für den individuellen Spieler ausbremst, ist die gefühlt lange Entwicklungskurve der eigenen Fertigkeiten und Möglichkeiten. Ihr seid zu Beginn sehr langsam, fast träge und eure Waffen scheinen schlicht Schrott zu sein. Nach ein paar Matches jedoch, ein paar aufgestiegenen Leveln und den ersten ein, zwei Stunden merkt ihr dann langsam, wie viele Möglichkeiten das scheinbar sehr banale Spielchen bietet. Es ist nicht im LoL-Bereich, aber trotzdem bieten die verschiedenen Karten gute Routen, die abzusichern eine echte Aufgabe darstellt, während man sie selbst wunderbar nutzen kann, um sich an die Feindbasis heranzupirschen.

Die Waffen beginnen ebenso lahm und wer nicht von dem Erstkontakt mit Blaster und Dynamit-Stöckchen abgeschreckt wird, ist sehr genügsam. Das Bild ändert sich ebenso schnell und schon bald habt ihr Lenklaser, Schutzschilde, Raketen, Wirbelwindangriffe und vieles mehr. Hier beginnt dann auch die tiefere Taktik, da sich einige dieser Attacken gut miteinander kombinieren lassen, gerade defensive und offensive Charaktere in Kombination können wirklich Schaden verursachen.

Awesomenauts - Trailer

Die Matches erlauben dies insoweit, als dass sie keineswegs in fünf Minuten vorbei sein müssen. Das ist sogar eher die Ausnahme und eingespielte Teams sind eine Weile miteinander beschäftigt, bevor sich immer wieder mal zwischendurch Öffnungen in den Verteidigungen aus Türmen und Spielern ergeben, um einen Vorstoß zu wagen. Beide Seiten stehen dabei unter dem zusätzlichen Druck kleiner Roboter. Rot und Blau verfügen beide über sie und sie suchen sich ihren Weg automatisch zur anderen Seite, um die Basis zu attackieren. Erst unterschätzt man diese Helfer, die normalerweise sofort und am ersten Geschützturm scheitern. Ist der Weg jedoch einmal frei, werden sie schnell zu einer Gefahr, da man sich immer wieder mal um sie kümmern muss. Auch sind sie der Schlüssel, um die Angriffe auf Türme nicht zum Selbstmordkommando ausarten zu lassen. Ihr findet hinter ihnen Deckung und das Abpassen der nächsten Welle wird schnell zu einem Schlüsselelement.

Sind die beiden Teams zu Beginn noch auf einem Level, beginnt die Balance sehr langsam, sich zu verlagern, indem die Seite, die länger am Leben bleibt, mehr Münzen verdient, sich auch mehr Waffen holen kann und damit natürlich letztlich mehr Schaden verursacht. Darin liegt das größte Problem von Awesomenauts. Gleich gute Teams brauchen sehr lange, mitunter schon mal 20 Minuten, um das Gleichgewicht ernsthaft zu erschüttern und gleichzeitig fällt es dem Team, das einmal auf der Verliererstraße ist, schwer, ein Comeback zu landen. Weitere zehn Minuten gegen den eigentlich fast unvermeidlichen Untergang anzukämpfen, gehört jetzt nicht zu den besten Erfahrungen meines Spielerlebens. Aber der Fairness halber sei gesagt, dass dies die Überspitzung des Problems ist und die allermeisten Runden sehr viel schneller und auch dynamischer abliefen, eben weil die Teams sich einfach mehr Fehlerchen erlaubten - ich allen voran ... - und so die Chancenverteilung gerne mal wechselte.

Der lokale Multiplayer unterstützt drei Spieler mit Controllern vor der eigenen Konsole, was ein wenig schade ist. So seid ihr alle im selben Team, aber was hätte gegen ein 2 vs. 2 mit jeweils einem Bot dazu gesprochen? Der Screen ist ja schon vier-gesplittet, die Karte hätte man ja auch im Kleinformat unterbringen können. Vielleicht. Ok. Wäre ganz schön klein geworden. Egal. Dann freut man sich halt zu dritt, das hält die Stimmung auch hoch, ist das ferne Team in der Live-Gamer-Cloud erst mal zerlegt. Variationen in den Spielmodi finden sich zwar nicht, aber ehrlich gesagt gibt die Grundprämisse mit all ihren Erweiterungen, Waffen, witzigen Charakteren - witzig in einem 80er-Cartoon-Reminiszenz-Sinne - und stetigen Levelaufstiegen genug her, um für erstaunlich viele Stunden an Awesomenauts zu halten, ohne den Wunsch nach viel Abwechslung aufkommen zu lassen.

Awesomenauts - erhältlich für Xbox 360 und PS3 - braucht ein wenig Zeit, aber dann beginnt es zu zeigen, was es kann. Gönnt ihr ihm diese, schält sich eines der unterhaltsamsten Party-Action-Taktik-Spielchen heraus, die ihr seit Längerem gespielt habt. Hier noch kurz die klare Absage an Solo-Spieler, die hier nichts verloren haben, aber selbst allein gegen andere Leute online zu spielen, ist schon wirklich ein reizvoller und teilweise sogar anspruchsvoller Spaß. Zu dritt vor einer Konsole dann, gemeinsam gegen ein fernes Team läuft der Kampf zwischen beiden Basen zu Höchstform auf. Ein gekonnt ausbalanciertes Spiel, in dem weit mehr steckt, als man nach der ersten Stunde meinen sollte.

8 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Awesomenauts - Test Martin Woger Basenklau, Todeslaser und singende Frösche: Red vs. Blue mal ein wenig anders 2012-05-08T14:00:00+02:00 8 10

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