Sonic 4 Episode 2 - Test

Noch ein paar mehr von dieser Sorte hier und wir können zumindest einiges vergessen, was der Igel früher tat.

Wer hätte mal gedacht, dass es jemals wieder eine Zeit geben würde, in der ein neues und gutes Sonic-Spiel die Regel und Erwartung wäre, statt ein deutliches Zeichen für das Nahen höherer Dinge. Aber hier sind wir, 4 Episode 1, Colours und Generations in die letzten Jahre hinein und dass Sonic 4 Episode 2 diesen Qualitätsstandard hält, wundert gar nicht mehr. Wie schnell man sich doch an die Dinge gewöhnt.

In diesem Zusammenhang kann ich jetzt auch anmerken, dass mein damaliger Enthusiasmus bei Sonic 4.1 ein wenig auch der Tatsache geschuldet war, dass halt zuvor meist Ramsch rumkam. Die Freude, mal keine Langeweile bis hin zu physischen Schmerzen beim Anblick des blauen Igels zu empfinden, trug mich vielleicht ein wenig zu weit. Aber nichtsdestotrotz war 4.1 ein wirklich gutes, wenn auch nicht debattenfreies Spiel. Der klassische Look mit relativ moderner Steuerung und dem leicht veränderten Sprungverhalten lag nicht jedem. Wahrscheinlich, um mal zu gucken, wie es läuft, wenn man es genau umdreht, springt ihr nun wieder, als wäre es 1993 - fast -, nur dass es nicht mehr so aussieht.

Moderne 3D-Hintergründe und Figuren, jedoch ohne 3D-Perspektive zum in den Screen Hineinrennen, zieren die erneut vier Stages. Sieht es nach Sonic aus? Ja, nein, meistens schon. Der erste Stage freut sich für meinen Geschmack zu sehr an Unterwasser-Spielereien und wirkt mit seinen Ruinen/Burg-Motiven ein wenig wie aus einem anderen Spiel importiert. Die wildere und farbenfrohere Winter/Freizeitpark-Welt mit jeder Menge Achterbahnen liegt genau auf der stilistischen Linie, wie auch der dritte Fabrik-Level. In einer Wüste angesiedelt, spielt er mit Sandstürmen und jeder Menge Todesfallen, bevor es wieder mal in die Himmels-Festung des allgegenwärtigen Eggman geht. Acht Special-Stages in trauter Erinnerung an Mega-Drive-3D-Stages zum Sammeln der Chaos-Kristalle runden einen sehr konservativen Aufbau ab. Ob ihr euch im Design wohlfühlt, wage ich nicht wirklich einzuschätzen. Für mich kann ich sagen, dass es trotz der unbestreitbaren technischen Hochwertigkeit nicht hundertprozentig das trifft, was ich unter "Sonic-Design" verstehe. Zumindest im reaktionären "Früher war das aber anders und besser sowieso"-Sinne.

Das neueste und bedeutendste spielerische Gimmick dürfte der Koop-Modus sein. Auf einen Splitscreen wurde verzichtet, dafür wird herausgezoomt, um beide Spieler halbwegs im Blick zu behalten. Sonic war nie für seine Koop-Modi bekannt und das ändert sich hier auch nicht. Man kann zu zweit spielen, aber, so gespielt, sahen wir auf der Couch direkt mit Episode 2 konfrontiert, nicht direkt den Sinn. Die einzigen Stellen, in der ihr wirklich zusammenarbeiten müsst, sind definierte Aktionen, in denen Tails Sonic wie ein kleiner Hubschrauber trägt oder beide als Todes-Roll-Kugel am Boden durch Eiswände und andere Hindernisse preschen. Diese funktionieren im Solo-Modus nicht schlechter, da Tails euch auf Schritt und Tritt folgt - und auch oft mal stirbt, was aber keine Auswirkungen hat. Es ist zu Zweit ein wechselndes Hinterhertrotten. Man spielt zu gemeinsam, weil es für Besucher netter ist, als nur zuzugucken, aber echtes Koop-Gameplay mit Spaß-Boost ist das nicht.

Sonic the Hedgehog 4: Episode 2 - Metal Lock-On Trailer

Was nicht bedeutet, dass es für einen Spieler keine Freude bereiten würde. Das Leveldesign geht zwar nicht gerade aus sich heraus, bietet im späteren Verlauf jedoch ein paar schicke Todesfallen, die zum Pad-Beißen geradezu geschaffen wurde - das Silo in 3.2 soll so sein ... Ein paar billige Tode sind zu bezahlen, dafür sorgen gerade die Bosse, insbesondere Metal-Sonic, aber da kommt ihr durch, das geht gut. Igel-Profis werden in zwei bis drei Stunden durch sein, gesehen haben aber auch sie dann längst nicht alles. Der Wiederspielwert der einzelnen Stages wird von verschiedenen Ebenen der Rennbahnen hochgehalten. Diese seht ihr im Hintergrund und es wurmt schon, wenn man sieht, dass da was ist, wo man noch nicht war. Der menschliche Ur-Drang zu erforschen und da sein zu wollen, wo man noch nicht war, setzt dann sicher bei dem einen oder anderem ein, zumal der Tails-Helikopter-Move das Forschen deutlich einfacher und reizvoller gestaltet.

Sonic 4 Episode 2 ist ein wirklich gutes, kleines Jump'n'Run. Man sollte hier wohl besser nicht die Frage nach der Relevanz stellen, die Sonic heute in der modernen Spielelandschaft spielt, aber als Retro-Flashback wie auch eben als gesunder Genre-Vertreter überzeugt diese Runde. Der Koop-Modus als solcher mag eher mäßig ausgefallen sein, aber dafür zeigen die Level dem einsamen Spieler sehr gut, dass das Design dieser keineswegs eine vergessene Kunst ist. Sonic erreicht nicht die idealisierte Höchstform, die er eigentlich wirklich nur sehr selten in seiner Karriere genoss, aber dafür einen sehr realen Grad an durchgehend hoher und überzeugender Qualität als das, was es ist. Ein wirklich gutes, kleines Jump´n´Run.

8 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Sonic 4 Episode 2 - Test Martin Woger Noch ein paar mehr von dieser Sorte hier und wir können zumindest einiges vergessen, was der Igel früher tat. 2012-05-11T09:00:00+02:00 8 10

Kommentare (2)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!