Planetside 2 - Vorschau

Wenn sich drei Fraktionen mit jeweils 666 Spielern auf einer 64 Quadratkilometer großen Karte gegenübertreten, nenne ich das ausnahmsweise mal 'episch'.

Mir gehen nur selten die Superlative aus, aber beim Schreiben über Planetside 2 könnte es schließlich soweit sein. Das fängt schon bei der Genre-Bezeichnung an: "Free-to-play-massively-multiplayer-online-first-person-shooter." Heiliger Bandwurmsatz, Batman! Zugegeben, es gibt bereits einige "f2pmmofps" auf dem Markt, aber Entwickler SOE verspricht für seinen futuristischen Shooter rekordverdächtige 2000 Spieler gleichzeitig pro Kontinent. Zweimal Tausend! Auf einer Karte! Das sollen Battlefield und Konsorten erst mal nachmachen.

Damit sich die Massen nicht gegenseitig auf die Zehen treten, spendieren ihnen die Entwickler einen angemessen großen Spielplatz. Ein einzelner Kontinent auf Auraxis ist 64 Quadratkilometer groß, persistent und handgefertigt. Mal zum Vergleich: Das üppig ausgestattete Skyrim bringt "nur" 41 Quadratkilometer auf die Waage, wenn man dem allwissenden Internet trauen kann. Das Fürstentum Liechtenstein ist laut Wikipedia bloß 160 Quadratkilometer, also 2,5 mal so groß.

Die frei zoombare Übersichtskarte wird somit zu einem extrem wichtigen Werkzeug, damit ihr stets wisst, wo die Front grad am heißesten wütet. Der gesamte Kontinent ist in hexagonale Felder eingeteilt, die von den drei Fraktionen erobert werden müssen (wird farblich genau aufgeschlüsselt). Jedes Gebiet erwirtschaftet Rohstoffe für die kontrollierende Partei. Wird um ein Gebiet gerungen, werden euch Missionsziele vom System automatisch zugewiesen, je nachdem, wo ihr gerade ins Gefecht gespawned seid.

Was man so an optischen Eindrücken von der E3 erhaschen konnte, schaut schon jetzt verdammt gut aus. Fast unverschämt detaillierte Modelle, geradezu naturalistische Landschaften mit reichhaltiger Vegetation, realistischen Licht- und Schatteneffekten und unzähligen Details. Maschinengewehre spucken Patronenhülsen wie Springbrunnen, Raketensalven füllen die Luft mit Rauchschwaden, Fahrzeuge wehen Staubwolken auf, Flugvehikel ziehen feine Kondensstreifen hinter sich her, um schließlich nach einem Treffer in einer gleißenden Explosion trümmerweise auf das Schlachtfeld zu stürzen. Tag-Nacht-Wechsel sind ebenfalls mit drin und ich werde garantiert ein paar Bildschirmtode in Kauf nehmen, nur um stimmungsvolle Screenshots von Sonnenuntergängen zu schießen. Die Größe der Karte erlaubt den Designern die volle Bandbreite an Geländetypen. Neben den üblichen Stützpunkten und Industrie-Anlagen gibt es baumbewachsenes Grasland, Canyons, Wüsten, Schneelandschaften und andere Terrains.

Die drei Fraktionen aus dem Vorgänger sind auch in Planetside 2 am Start. Die Terran Republic gehört eher in die militaristisch-totalitäre Ecke und ist bevorzugt mit Schnellfeuerwaffen und üppigem Munitionsvorrat unterwegs. Daneben gibt es die Vanu Sovereignty, die vor allem auf High-Tech-Energiewaffen und Alien-Technologie schwören. Die dritte Partei ist das rebellische New Conglomerate, das sich auf besonders durchschlagsfreudige Schießprügel verlässt. Innerhalb eurer Fraktion könnt ihr euch in Squads zu zehn Soldaten organisieren, wobei der Squadleader mit entsprechender Certification (wird durch Erfahrung freigeschaltet) den Gruppenmitgliedern Befehle und Wegpunkte zuweisen darf. Für etwas mehr Gesellschaft könnt ihr Outfits gründen - so heißen die Gilden in Planetside 2.

Für ein bisschen echtes Geld sollen sich solche Gruppen auch individuell kleiden dürfen, um sich von anderen Kämpfern abzuheben. Die Charaktermodelle und Fahrzeuge können sowieso optisch sehr weitgehend nach eigenem Gusto angepasst werden. Passend dazu soll es im Cashshop auch eher kosmetisch zugehen - käufliche Vorteile gegenüber anderen Spielern sind nicht geplant und sämtliche Aussagen im Netz zielen darauf, dass SOE trotz Free-to-play-Modell auch langfristig nichts daran ändern will. In Planetside 2 sollen vor allem Mausakrobaten zum Zug kommen, nicht Geldbeutel-Zücker. Welche Items es für Ingame-Währung und welche es für echtes Geld gibt, wird im Detail während der Beta geklärt.

PlanetSide 2 - Gameplay-Video

Sechs Klassen stehen jeder Fraktion zur Verfügung mit jeweils zwei bis drei Spezialisierungen. Light Assaults besitzen ein Jetpack (Fans von Tribes: Ascend aufgepasst!), Engineers können Geschütze platzieren und Fahrzeuge reparieren, Infiltrators sind Sniper mit Tarn- und Hackfähigkeiten, Combat Medics verdingen sich als klassische Sanitäter mit Heilen und Wiederbeleben, Heavy Assaults pusten Feinde per Raketenwerfer oder mit diversen anderen schweren Kanonen aus der Rüstung und die massiv gepanzerten Max können mit ihrem Exoskelett selbst Fahrzeugen gefährlich werden.

Ihr dürft frei zwischen den Klassen wechseln, wobei eure Erfahrungspunkte und Stufen nicht daran gebunden sind. Bewaffnung und Ausstattung der Einheiten und Fahrzeuge könnt ihr zwischendurch modifizieren. Je nach Klasse und Erfahrung darf man dann zum Beispiel einen Flammenwerfer ausrüsten, verschiedene Granaten einpacken oder unterschiedliche Raketentypen einsetzen - vom geradlinigen Geschoss bis zum manuell gesteuerten Drohnen-Sprengkopf.

Die Anzahl an Fahr- und Flugzeugen soll im Vergleich zum Vorgänger gesunken sein, dafür wurde das System zugänglicher gestaltet. Es gibt sowohl in der Luft als auch am Boden eine Handvoll leichter und Schwerer Fahrzeuge sowie Truppentransporter - Die sind essenziell, wenn man die Größe der Karten bedenkt. In Sachen Steuerung hält sich der Shooter an die üblichen Konventionen und auch die Respawns geschehen sehr fix, sodass man zügig mit den jeweiligen Eigenheiten der verschiedenen Klassen vertraut wird.

PlanetSide 2 - Trailer

Eine echte Besonderheit ist die geplante Verknüpfung mit Smartphones und Tablets unter Android und iOS. Dass man Infos zu Waffen und Fahrzeugen in der App zum Spiel geliefert bekommt, ist noch relativ unspektakulär. Spielerstatistiken, Serverstatus und Karten in Echtzeit sind schon etwas interessanter. Ein kleiner Geniestreich ist aber die Einbindung von VoIP ins Spiel und in die App, wobei man per Touchscreen bequem zwischen den Channels wechseln kann. Das dürfte vor allem Befehlshabern entgegen kommen, die so auch komplexe Einsätze mit vielen Squads koordinieren können. Wenn die App hält, was SOE verspricht, legt Planetside 2 die Latte in Sachen Drittgeräte-Einbindung jedenfalls eine ganze Kante höher.

Zähle ich alle Fakten zusammen, die während der E3 über Planetside 2 an die Öffentlichkeit gelangten, bekomme ich schon jetzt glänzende Augen. Selbst wenn die Einheiten und das Gameplay eher konventionell anmuten, dürften allein die schiere Größe der Spielumgebung, die beachtlich gute Grafik und die konkurrenzlose Anzahl an Mitspielern die Schlachten zu einem Erlebnis werden lassen. Ich glaube in diesem Fall den PR-Versprechungen, dass sich Gefechte um Territorien über Tage hinziehen können. Und dass es das alles auch noch free-to-play gibt, klingt fast schon zu gut, um ohne Haken zu sein. Da hoffe ich nur, dass die Macher ihr Versprechen halten und das Balancing nicht durch den Cashshop vermurksen. Mal abwarten, was die geschlossene Beta bringt. Auf der offiziellen Seite könnt ihr euch bereits dafür bewerben. Ein Erscheinungsdatum steht leider noch nicht fest, man munkelt aber über eine Veröffentlichung noch in diesem Jahr.

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