Akai Katana - Test

Wann war noch mal der Moment, als Shoot 'em Ups plötzlich kompliziert wurden?

Akai Katana ist von Cave, das allein sollte allen Shoot´em´Up-Fans reichen, um loszustürmen und es zu kaufen. Kein weiteres Review nötig, außer vielleicht zu sagen, dass es Cave keine echten Experimente einging. So, fertig, ein Test in 30 Wörtern, was für eine nette Abwechslung.

Oder, um ehrlich zu sein, eine Ausrede für mich, dann ich kann nicht guten Gewissens sagen, dass ich alles verstanden habe, was Akai Katana mir an Möglichkeiten anbietet. Und das hier ist wirklich nicht mein erstes Bullet-Hell-Spiel von den Erfindern und Meistern des Genres. Es ist ganz normal für dieses Studio, dass es die gute alte Side-Scrolling-Mechanik aus Schießen und Ausweichen ein wenig in den Mixer verschiedenster Power-Up-Special-Attacken wirft und aus diesem Mix ein überraschend anspruchsvolles, abwechslungsreiches und taktisches Gesamtes bastelt. Akai Katana ist keine Ausnahme dessen, aber hier wird der Punkt erreicht, an dem ich mich häufiger fragte, ob ich das alles richtig mache. Interessanter Moment in einem Genre, das sich in der Essenz darum dreht mit einem Ding - Flugzeug, Raumschiff, Nonne, spielt es am Ende eine Rolle? - von links nach rechts zu fliegen und anderen Krams wegzuballern.

Fangen wir einfach an. Sollte euch das Konzept Bullet-Hell nichts sagen, dann stellt euch einfach einen ganzen Bildschirm voller lustiger bunter Kugeln vor. Berührt mit einem Sprite eine davon und ihr seid tot. Erkennt ihr stattdessen die Muster in den Schüssen, lernt euch in diesen kleinen Lücken zu bewegen und immer brav zurückzuballern, dann macht ihr alles richtig. Es ist Shoot´em´Up auf Speed.

Es gibt irgendwo eine Story, wichtig ist sie nicht, das einzig hieraus resultierende sind drei verscheiden Spielfiguren mit leicht unterschiedlichen Eigenschaften. Drei Spielmodi werden angeboten und der direkte Port der Arcade-Version, der Origin Mode, ist der für Einsteiger. Als Extra ruft ihr auf Knopfdruck wandelt sich euer WW2-inspiriertes Jagdflugzeug verwandelt sich in eine Animefigur und ist für ein paar Sekunden, solange die Energie reicht, unverwundbar. Einfach genug, der Rest ist Shoot´em´Up von links nach rechts.

Wenn ihr euch dabei fragt, warum vor allem die Japaner so wild auf diese Spiele sind und ein paar Leute im Westen sich dafür sogar japanische Xbox-en kaufen, um eine der Ländersperren zu umgehen, lasst euch einfach auf den Schussregen der Gegner ein. Achtetet nicht auf die Hintergründe, die Zierde oder sonst was, bewundert nur die sich bewegenden Muster. Es ist ein Labyrinth und ihr müsst sekundenschnell denken und noch schneller reagieren, um den Weg zum Ausgang - sprich den Abschuss des Level-Bosses - zu finden. Ich weiß, Cave-Fans brauchen diese Ansage nicht, nur die Aussage, dass in dieser Disziplin Akai Katana mit seinen Konkurrenten aus eigenem Hause problemlos mithalten kann.

Der zweite Modus ist der Slash-Modus und hier beginnt es kompliziert zu werden. Euer Schiff hat einen Angriffs- und einen Verteidigungs-Modus. Angriff lässt such langsamer fliegen - was zum Ausweichen mitunter gar nicht mal schlecht ist - und verursacht mehr Schaden, Verteidigung lässt euch schneller fliegen, aber die eigenen Schüsse sind schwächer. So weit, so einfach. In beiden Modi sammelt ihr aber unterschiedliche Extras, die als Dauerregen von praktisch allen Feinden kontinuierlich auf euch einrieseln. Die eine "Währung" baut die Energie für den Phantom-Modus auf, die andere scheint - ich bin mir ehrlich nicht hundertprozentig sicher - für einen Special-Angriff im Phantom-Modus zuständig zu sein. Mal gab es einen Punkte-Bonus-Regen, mal einen Super-Angriff, so ganz kam nie das Gefühl auf, Herr meines Schicksals zu sein. Aber letztlich und trotz der Verwirrung empfand ich den Slash-Modus als ungemein reizvoll, denn selbst seine grundsätzlichen Mechaniken bringen eine Menge Taktik in ein simples Spielkonzept. Eines Tages werde ich vielleicht genau verstehen, was wann passiert.

Nachdem mich Slash schon teilweise etwas durcheinanderbrachte, hatte ich fast Angst vor dem Climax-Modus. Zu Recht, wie sich herausstellte, wenn auch aus anderen Gründen, als gedacht. Die Regeln sind die gleichen wie in Origin, nur dass der Schwierigkeitsgrad noch mal ordentlich angezogen wurde. Spielt ihr Origin also mit einem Leben durch, dann bleibt euch immer noch genug zu tun.

Trotzdem, sonderlich umfangreich fiel Akai Katana nicht aus. Die Stages sind recht kurz, was bei einem Spiel, das auf endlosen Spielwiederholungen dem Highscore zuliebe beruht, nicht ganz so schwer wiegt. Aber es scheint auch so zu sein, dass technisch Cave hier nur eine Stufe davon entfernt steht, einfach einen schwarzen Hintergrund zu nehmen. Die austauschbaren Miniaturwelten im Hintergrund haben nicht den Charme eines Deathsmiles oder DoDonPachi und die Menü-Grafiken könnten aus jedem zweiten Romanzen-Anime kommen. Es ist alles irgendwo nett, aber weder etwas Besonderes noch wirklich die Qualität, für die Cave eigentlich sonst bekannt ist.

Eine Reihe von Bullet-Hell-Fans da draußen hat Akai Katana zum Besten erklärt, wenn es um die Spielmechaniken geht und sie lieben vor allem den Slash-Modus. Ich denke, ich kann sie verstehen, auch wenn ich selbst nicht sicher bin, dass ich hier alles verstanden habe. Akai Katana bietet im Slash-Modus den vielleicht komplexesten Bullet-Hell-Shooter und ihr könnt euch als Profis hier so richtig austoben. Schneidet Videos mit, vergleicht Strategien, treibt den Score nach oben. Ich bleibe lieber im fast schon puristischen Origin-Modus und bei der klaren Ansage, dass alle Cave-fans trotz der etwas belanglosen Optik und selbst wenn ein oder zwei Level extra sicher nicht geschadet hätten, dieses Spiel brauchen.

8 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Akai Katana - Test Martin Woger Wann war noch mal der Moment, als Shoot 'em Ups plötzlich kompliziert wurden? 2012-06-26T11:51:00+02:00 8 10

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