PES 2013 - Vorschau

Ende der Kurskorrekturen: Konami bleibt der Marschroute der letzten Jahre treu.

Nicht, dass ich in diesem Jahr mehr Hoffnung gehabt hätte als in denen zuvor, aber ich schreibe ein "schönes" PES ein für alle Mal ab. PES Productions lernt es wohl nie mehr, wenn es um die Präsentation geht. Klar, die Menüs sind anders, die Überblend-Effekte ausgetauscht, aber nach wie vor ist alles, was zwischen eurem Wirken am Leder und abseits davon passiert, dröge, stellenweise sogar ein bisschen hässlich - einfach von gestern. Und schon gestern war es irgendwie Wischi-Waschi.

Und das scheint sich im Anlauf auf die erste Partie fortzusetzen: Wenn es das erste Mal auf den Rasen geht und sich der virtuelle Kameramann in Position bringt, um den Kick in Szene zu setzen, wähnt man sich im gleichen Spiel im Vorjahr. Je nach eurem Pro-Evo-Konsum in den vergangenen Saisons fühlt sich das entweder nach diesem einen bequemen Paar Lieblings-Pantoffeln an - oder nach den alten Latschen, die ihr eigentlich schon lange ersetzt haben solltet, weil sie mittlerweile zu klein sind und sowieso ein bisschen riechen.

Auch wenn ich die stückweise Neuausrichtung der Reihe über die Jahre mit großem Interesse verfolgt und teilweise sehr genossen habe, vor allem zuletzt, muss ich mittlerweile eine gewisse Spiele-Fußball-Müdigkeit gestehen. Unter der hatte vor allem vor allem PES 2012 sehr zu leiden, das ich in den ersten vier Wochen beinahe vergötterte, über das Jahr hinweg aber wohl weniger spielte als jede andere Ausgabe zuvor. Das Spiel und ich, wir brauchten einfach eine Pause voneinander und der erste Blick auf das altbekannte Grün tat erschreckend wenig, mich davon zu überzeugen, dass die mittlerweile vorüber sein sollte. Nun - und dann hab ich das erste Mal gegen den Ball getreten.

Kurzum und um euch eine Auflistung der neuesten Feature-Schlagworte von der Pressemitteilung zu ersparen, deren neue Systeme auf dem Papier doch stark nach der FIFA-itis der frühen 2000er klingen: Meine Güte, PES hat tatsächlich wieder einen guten Schritt nach vorne gemacht. Ich spreche nicht von den Torhütern, deren KI ist bislang nach wie vor abwechselnd hellseherisch veranlagt und dann wieder erschrocken unentschlossen, obwohl ich meine, dass sie die Bälle geschickter vom Tor wegprallen lassen. Auch nicht die Grafik an sich, die gibt sich, wie schon angeklungen, einmal mehr kaum verändert und mit dem Status quo dieser Konsolengeneration zufrieden. Es ist einfach diese nächste Stufe der Unverkrampftheit, die dem einstigen (wenngleich an den richtigen Stellen) teilautomatisierten Schienenfußball nun ein moderneres Gesicht verleiht.

Das Standard-Tempo ist etwas niedriger als zuvor, bei gefühlt noch besserer Reaktionsschnelligkeit der Spieler auf eure Eingaben. Man hat nun mehr Zeit am Ball und nutzt sie dazu, nicht einfach nur den Steilpass in die Spitze zu suchen, egal wie angemessen er der Situation auch sein mag. Schon bei der letzten Ausgabe lobte ich die neu-gefundene Flexibilität in der Steuerung der Kicker, in der diesjährigen Version sind die Zeiten, in denen man im Zweifelsfall fast immer sein Heil im Weg nach vorn suchte endgültig vorbei. Möglich wird das dadurch, dass es sich jetzt in alle Richtungen intuitiver und feinfühliger steuert, seitwärts ebenso, wie beim schnellen Zurückrollen des Balles, wenn einem ein Gegenspieler zu nahe kommt. Man kann den Ball einfach noch besser kontrollieren und fixer abspielen, was dazu führt, dass man auch an den Seitenlinien keine Beklemmungen kriegt. Folglich nutzt man den gesamten Rasen nun noch besser.

Auch bei der Ballannahme besonders von hoch heranfliegendem Gegner ist man nun nicht länger dem Zufall und dem Technik-Wert des Spielers ausgeliefert. Die spielen zwar immer noch eine Rolle, mit der rechten hinteren Schultertaste hat man nun aber die Chance, ein Zuspiel mit dem ersten Abpraller perfekt für einen Schuss zurechtzulegen. Ob ein solches Feature das Spiel für die breite Masse aber automatisch als "besser" auszeichnet, bleibt abzuwarten, ich begann jedenfalls schon früh, mich an die neue Art zu gewöhnen, sich das Rund aus der Luft zu holen.

PES 2013 - Gameplay-Video

Den größten Fortschritt hat PES in den letzten Jahrgängen bei der KI gemacht. Und nachdem im letzten Jahr die Mitspieler Offensivgeist und den Blick für die Lücke in der Verteidigung eingeimpft bekamen, sind in diesem Jahr die Verteidiger dran, die nun deutlich bewegter bei der Sache sind und geistesgegenwärtig freie Räume schließen. Zwar habe ich auch in PES 2013 schon mit Philipp Lahm Kopfballtore gegen einen gewissen Herrn Chiellini erzielt. Aber offenes Spiel gestaltet die Cleverness der Defensive, die Suche nach dem Pass, der das Bollwerk knackt, nun wieder deutlich interessanter. Man wird dazu ermutigt, mehr in die Breite zu spielen und dank der genauen und flinken Kontrollen gelingt einem das auch.

Sportspielehersteller lieben es, sich tolle Namen für neue Features auszudenken - ein überflüssiger Trend, dem sich Konami in den letzten Jahren sukzessive anschloss. Folglich kann ich wirklich nicht einen einzelnen der trendigen Begriffe wie "PES FC", "Dynamic First Touch" oder "ProActive AI" für das neue Spielgefühl verantwortlich machen. Wenn das Resultat allerdings in diesem Maß Balance und Möglichkeiten des bekannten Korsetts ergänzt, soll es mir recht sein.

Es passen zwar noch immer nicht alle der Animationen so perfekt zusammen wie bei der EA-Konkurrenz und mit der betagten, aber immer noch passablen Grafik-Engine wird man sich wohl noch eine Weile abfinden müssen. Dennoch wird hier einmal mehr ein sehr flexibler Fußball gespielt, der mit neu gefundener Breite, einem natürlichen Rhythmus und wachen KI-Gegenspielern trotzdem seinen Charakter erfrischend erneuert. Meine verlängerte Sommerpause vom Games-Fußball dürfte jedenfalls vorbei sein.

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