Dust 514 - Vorschau

Das gesamte Universum zieht ohne Kosten in den Krieg, aber wie kostenlos ist es wirklich?

Üblicherweise sind Free-to-play-Spiele ja recht zugänglich gestaltet. Schneller, leichter, verführerischer, würde Meister Yoda sagen. Der Grund ist einfach: Wenn der Spieler von Beginn an Spaß hat und sich mit ein paar Mausklicks ins Geschehen stürzen kann, wird er schon weiterspielen, gegebenenfalls ein wenig Geld für kosmetische Items und dergleichen investieren. Bei Dust 514 verhält sich das ein bisschen anders. Nicht dass es keinen Spaß machen würde, aber im Gegensatz zu anderen Free-to-play-Titeln fühlt man sich hier in den anfänglichen Minuten erst mal ein wenig erschlagen. Wofür ist dies? Wofür das? Und was macht das denn? Man merkt irgendwie, dass es aus dem selben Hause wie das komplexe EVE Online stammt. Wobei Dust 514 natürlich in eine völlig andere Richtung geht, schließlich handelt es sich im Grunde um einen kostenlos spielbaren Multiplayer-Shooter für bis zu 48 Spieler.

Herzstück des Spiels ist die Verknüpfung mit EVE Online. Die ist alles andere als nur oberflächlich. Es spielt nicht einfach nur im gleichen Universum, sondern geht weit darüber hinaus. Die Kämpfe in Dust 514 finden beispielsweise auf Planeten statt, die es wiederum in EVE Online gibt und die ihr dort auch ansteuern könnt. Und hier besteht für die Spieler des MMOs die Möglichkeit, bis zu einem gewissen Grad Einfluss auf die Schlachten auszuüben. Es wird beispielsweise möglich sein, in Dust 514 unterstützende Artillerieangriffe vom Orbit aus anzufordern, ebenso Fahrzeuglieferungen. Und dabei müssen wiederum auch die Leute in EVE Online aufpassen, schließlich könnten sie ihrerseits von der gegnerischen Fraktion attackiert werden, während sie gerade den Leuten am Boden helfen oder Nachschub liefern. Sogar von der Planetenoberfläche aus kann man Schiffe im All attackieren.

Zwei gänzlich unterschiedliche Spiele also, die auf zwei verschiedenen Plattformen miteinander zusammenarbeiten. Doch es geht noch weiter. Selbst Waffen soll man in EVE Online produzieren und dann den Spielern von Dust 514 anbieten können. In der Theorie klingt das alles natürlich wunderbar, wie und ob es dann aber auch in der Praxis so funktioniert, wird sich erst noch zeigen müssen. Aktuell lässt sich dazu noch wenig sagen.

Daher konzentrieren wir uns erst mal ganz auf Dust 514 alleine. Wie schon gesagt, handelt es sich dabei um einen waschechten Multiplayer-Shooter, der zum Beispiel einem Battlefield nicht unähnlich ist. Doch schon alleine die Charaktererstellung ist ein wenig umfangreicher als das, was man sonst so von Klassen in MP-Spielen gewohnt ist. Ihr wählt unter anderem aus vier Rassen mit jeweils drei Abstammungen, bestimmt Geschlecht (wobei es in der Beta noch keine weiblichen Charaktere gibt) sowie die Spezialität, ob man also etwa besonders effektiv im Kampf gegen Fahrzeuge ist, sich als Kundschafter mit dem Scharfschützengewehr auf die Lauer legt oder lieber frontal den Feind attackiert. Die eigentliche Gestaltung des Alter Egos ist dann aber leider weit entfernt vom gewaltigen Charakter-Editor eines EVE Online - ihr wählt lediglich aus ein paar Vorgaben. Viel davon mitbekommen würde man aber sowieso nicht, schließlich steckt jeder in einer dicken Rüstung.

Ich muss zugeben, dass ich mich im ersten Spiel noch ein wenig verloren fühlte, aber grundsätzlich ist die Aufgabenstellung recht simpel. Auch Dust 514 setzt auf aufgabenbasiertes Gameplay und daher müsst ihr im Skirmish-Modus innerhalb eines Zeitlimits etwa einen Außenposten verteidigen (oder einnehmen) und in Ambush schlicht den Feind erledigen - wer hier keine Klone für den Respawn mehr übrig hat, verliert das Match. Was die Modi betrifft, stellt Dust 514 also keine große Revolution dar, Spaß macht aber dennoch jede einzelne Partie. Was meiner Meinung nach noch ein wenig besser ausfallen könnte, ist das optische Feedback. Mehrfach war mir etwa nicht ganz klar, wo denn nun beispielsweise ein bestimmter Geschützturm attackiert wird. Und wenn man mal eine Ansage des Sprechers überhört - zum Beispiel, dass Kontrollpunkt X gerade gehackt wird -, ist auch nicht immer auf den ersten Blick leicht zu erkennen, was da gerade vor sich geht.

Sehr viel Wert legt man dabei auf das Teamplay, was auch durch die Tatsache unterstützt wird, dass die Leute in kleinere Squads mit bis zu sechs Spielern unterteilt werden. Diese können sich also gemeinsam als schlagkräftige Truppe auf verschiedene Bereiche des Schlachtfeldes konzentrieren, etwa einen wichtigen Kontrollpunkt hacken oder ihn verteidigen. Nicht fehlen dürfen hier die Fahrzeuge. Von Buggys über Panzer bis hin zu Flugvehikeln, in denen stets mehrere Spieler Platz finden, ist alles dabei. Und selbst diese lassen sich anhand ihrer Bewaffnung und weiterer Teile individualisieren. Sie steuern sich allerdings noch ein kleines bisschen umständlich, sodass man auch hier noch mal Hand anlegen sollte.

Entscheidend für den Erfolg ist neben der richtigen Taktik und einem guten Team auch die passende Ausrüstung. Es gibt vorgefertigte Sets, aber ihr könnt auch eure eigenen zusammenstellen. Ihr könnt bessere Waffen kaufen, die Skills eures Kämpfers verbessern und ebenso modernere Ausrüstung erwerben. Dazu dient der Marktplatz des Spiels, in dem dann auch die Mikrotransaktionen zum Einsatz kommen, um Dust 514 zu finanzieren. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier echtes Geld investieren, um euch schnell bessere Spielzeuge zu besorgen, wobei selbstverständlich nicht alles sofort von jedem verwendet werden kann. Vieles hängt etwa von eurem Level, den Skills oder der Dropsuit ab, die ihr verwendet. Es gibt so viele Dinge, die man auf dem Marktplatz erwerben kann, dass man schon mal leicht den Überblick verliert und von den vielen Möglichkeiten überwältigt ist. Ob nun Waffen, Ausrüstung, Dropsuits, Fahrzeuge, Skills, Installationen oder was auch immer. Es braucht erst mal ein wenig Zeit, um da überhaupt durchzublicken und zu erkennen, was man denn nun wirklich braucht.

Die Währung, die ihr gegen echtes Geld bekommt, heißt Aurum. Alternativ könnt ihr mit den aus EVE Online bekannten ISK-Credits bezahlen, die ihr euch mit jedem einzelnen Match verdient. Wie viel das ist, hängt von eurem Abschneiden ab. Je besser und erfolgreicher ihr eure Aufgabe erledigt, desto mehr Bares fließt logischerweise in eure Geldbörse. Clever: Wer stärkere Widersacher erledigt, wird dafür mehr belohnt als beim Abschuss eines relativ schwachen Gegners. Umgekehrt solltet ihr aufpassen, nicht zu oft ins Gras zu beißen, denn mit jedem Tod geht eure Ausrüstung verloren - mal abgesehen von dem Standardkram - und ihr müsst sie gegebenenfalls neu erwerben, falls ihr nicht noch welche vorrätig habt.

In jedem Fall will CCP darauf achten, dass das Ganze nicht zu teuer wird. Wie man noch vor kurzem angab, soll die wirklich beste Ausrüstung rund 24 Cent kosten. Und das trifft wirklich nur auf das Beste vom Besten zu. Und wenn ihr dann etwa 100 Exemplare einer Waffe kauft, könnt ihr auch 100 Mal sterben, bevor ihr hier wieder für Nachschub sorgen müsstet. Letzten Endes sollen so keine allzu gewaltigen Kosten anfallen. Warten wir ab, wie das später in der Praxis so aussieht.

Dass sich Dust 514 derzeit in der Beta befindet, merkt man noch an vielen Ecken und Enden. Der Netcode läuft noch nicht gänzlich einwandfrei, es gibt kleinere Lags, Hänger und auch Ruckler schleichen sich immer mal wieder ein. Da braucht es bis zum Release noch etwas Feintuning, aber dafür ist die Beta ja da. Das Spiel nutzt übrigens Epics Unreal Engine 3 als Grundgerüst. Damit zaubert man eine ordentliche Grafik und in puncto Größe recht geräumige Schlachtfelder auf den Bildschirm. Wirklich spektakuläre Ausblicke waren da bislang allerdings nicht dabei, sondern vielmehr relativ eintönige und optisch langweilige, grau-braune Welten. Hoffentlich gibt es da im fertigen Spiel mehr Abwechslung. Vom Spielgefühl her müsst ihr euch übrigens nicht großartig umstellen, wenn ihr schon mal einen anderen UE3-Shooter gespielt habt, was durchaus seine Vorteile hat.

Es ist ohne Frage die nie zuvor gesehene Verknüpfung von Dust 514 und EVE Online, die CCPs Multiplayer-Shooter so interessant macht. Auch wenn ich davon noch nicht wirklich etwas sehen konnte, setzt sich das Spiel doch so schon auf dem Papier deutlich von seiner Konkurrenz ab und verleiht den ganzen Schlachten, die man austrägt, durch die Gewinnung von Territorien und Ressourcen einen gewissen Tiefgang und Sinn. Spielerisch kann der Titel locker mithalten und bietet schon in der Beta ein unterhaltsames Multiplayer-Vergnügen mit motivierenden Kämpfen. Bis zur Veröffentlichung hat man aber noch einiges an Arbeit vor sich, sowohl im spielerischen als auch im technischen Bereich, und sollte sicherstellen, dass die Mikrotransaktionen den Spielspaß nicht versauen. Ich bin aber definitiv gespannt darauf, wie dieses ambitionierte Experiment verläuft.

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