Jagged Alliance: Back in Action - Crossfire - Test

Ein 'Add-On', das den Begriff größtenteils nicht allzu wörtlich nimmt und weiter einige Dinge vermissen lässt.

Von einem Add-On erwartet man ja - oder zumindest erwarte ich das -, dass es einerseits natürlich neue Inhalte mit sich bringt, die Geschichte weiterführt oder gar eine Neue erzählt und ebenso auch das eine oder andere zusätzliche Feature zu bieten hat. Komfortfeatures zum Beispiel, von denen mir doch so einige im Hauptspiel fehlten. Die Chance, diesen Umstand zu korrigieren, hätte man mit der Standalone-Erweiterung Crossfire nutzen können. Hat man aber nicht.

Wirklich neu ist zum Beispiel die Handlung, die erste neue Geschichte im Jagged-Alliance-Universum seit Jahren. Crossfire führt euch in eine asiatisch angehauchte Umgebung. Auch Khanpaa ist alles andere als ein friedliches Land und einmal mehr liegt es an euch beziehungsweise euren Söldnern, dort für Ruhe zu sorgen und dem unterdrückten Volk zu helfen. So weit, so gut. In Sachen Präsentation bleibt aber auch Crossfire sehr trocken und unspektakulär, während ihr euch in knapp zwölf bis 15 Stunden durch das Gebiet kämpft.

In Sachen Spielprinzip hat sich nichts getan. Nach wie vor heuert ihr Söldner an, kauft Ausrüstung und befreit Stück für Stück das Land, indem ihr taktische Kämpfe bestreitet. Das Echtzeit-Kampfsystem könnt ihr wie gewohnt jederzeit pausieren und für jeden einzelnen eurer Recken ganze Befehlsketten erstellen, die sie dann nach Wiederaufnahme des Geschehens abarbeiten. Ebenfalls mit dabei ist der taktische Modus, für den ihr euch vor Spielbeginn entscheiden könnt und der bereits via Patch ins Hauptspiel eingefügt wurde. Hier wird dann mit weitestgehend realistischen Sichtlinien gearbeitet und ihr seht nicht mehr von Beginn an alle feindlichen Bewegungen auf der Karte. Apropos Gegner. Die agieren ein kleines bisschen cleverer und stürzen sich nicht mehr blindlings in ihr Verderben, sondern sind wirklich bemüht, gute Positionen einzunehmen und eure Söldner ins Kreuzfeuer zu nehmen. Was nicht heißt, dass es nicht hier und da immer noch Aussetzer gibt.

Wirklich neue Spielelemente oder Features gibt es im Vergleich zum Hauptspiel nicht. Neue Söldner und Waffen würde ich jedenfalls nicht zu diesen zählen. So vermisst man zum Beispiel auch die Möglichkeit, mal schnell ein paar Dinge auf der Übersichtskarte zu verkaufen. Statt dessen müsst ihr dazu zum nächsten Händler zurücklaufen und hoffen, dass dieser genügend Geld hat, um euch den ganzen Kram auch abzukaufen. Auch das Interface bleibt hier und da etwas umständlich, ließe sich einfacher und übersichtlicher handhaben. Ich kann zwar einen Gegenstand im Inventar-Fenster auf einen Kollegen ziehen, der sich in der Nähe befindet und es ihm damit übergeben. Eine Art Tauschfenster, in dem man beide Inventare bequem direkt nebeneinander sieht und die Tauschpartner per Tastendruck wechseln könnte, wäre aber einfach komfortabler und man müsste nicht ständig zwischen einzelnen Söldnern hin- und herschalten.

Darüber hinaus spielt sich Crossfire noch mal einen Tick schwieriger als das Hauptspiel. 30.000 Dollar habt ihr als Startkapital, was bei mir für gerade mal drei Söldner ausreichte, von denen einer gleich noch zum Auftakt starb. Mit diesen müsst ihr dann erst einmal einen Brückenkopf am Hafen erobern. Und stets bekommt ihr es dabei mit einer feindlichen Übermacht zu tun, was ein vorsichtiges und taktisches Vorgehen regelrecht erzwingt. Auch wieder dabei sind die größtenteils eher lästigen Gegenangriffe, die euch dann wiederum dazu zwingen, immer wieder zu bestimmten Punkten zurückzukehren und sie zu erneut zu erobern. Ihr könnt die Miliz zwar mit Waffen ausrüsten und hochleveln, aber dazu braucht es viel Geld, an das man hier erst einmal kommen muss. Insbesondere Einsteiger werden damit zu kämpfen haben.

Schade ist auch, dass man seinen Spielstand aus dem Hauptspiel und die rekrutierten Söldner - oder wenigstens einen Teil davon - nicht in Crossfire übernehmen kann. Stattdessen fängt man bei null an. Verschenktes Potenzial, so wie auch die Nichtbeachtung einer weiteren taktischen Komponente, die man hätte mit einbeziehen können. Anders als zum Beispiel im kommenden Company of Heroes 2 haben die teilweise verschneiten, kalten Regionen - eine Premiere für Jagged Alliance - von Khanpaa keinerlei Auswirkungen auf das Geschehen.

Wenn ihr mit Back in Action zufrieden wart und eigentlich nur mehr vom Gleichen wollt, ist Crossfire genau das Richtige für euch, denn exakt das bekommt ihr hier. Leider haben es die Entwickler verpasst, ein paar neue und zum Teil wirklich wünschenswerte Spielelemente, Komfortfunktionen und Features hinzuzufügen, weswegen Crossfire letzten Endes nur ein neues Land sowie ein paar zusätzliche Söldner und Waffen bietet. Und auch aufgrund des kniffligen Einstiegs hätte ich mich gefreut, zumindest in irgendeiner Weise vom Spielen des Vorgängers profitieren zu können, ob nun durch übernommene Söldner, zusätzliches Geld oder was auch immer. Kurz gesagt: Ein Add-On, das relativ wenig Neues hinzufügt, aber dennoch solide taktische und fordernde Kost bietet.

6 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Jagged Alliance: Back in Action - Crossfire - Test Benjamin Jakobs Ein 'Add-On', das den Begriff größtenteils nicht allzu wörtlich nimmt und weiter einige Dinge vermissen lässt. 2012-09-25T09:00:00+02:00 6 10

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