Angry Birds Trilogy - Test

Die Umsetzung an sich war reine Formsache. Aber warum bitte in dieser Form?

Eigentlich macht es ja alles richtig. Die Umsetzung des klein gestarteten und ganz groß rausgekommenen Casual-Handy-Kult-Phänomens mit angeschlossener Marketing-Super-Macht um den absurden Kleinkrieg seltsamer Vögel gegen noch seltsamere Schweine gelang von der Couch aus betrachtet perfekt. Der einzige Punkt, über den man sich im Vorfeld wohl Gedanken machen musste, war wohl die Steuerung, denn dass die minimalistische Zeichentrickgrafik nicht den Sprung schaffen würde, war wohl von vornherein ausgeschlossen.

Die Steuerung dagegen ist ein anderes Thema. Bisher flogen die Vögel per Fingerzeig und ließen sich so auch sehr gut und präzise auf ihren Weg schicken. Wie sich herausstellt, ist das Zielen per linkem Stick und sausen lassen per Knopfdruck ein Segen. Der Screen wird nicht vom Finger verdeckt, eigentlich ist es auf diese Weise sogar der Touch-Version überlegen. Die Präzision ist da, die Vögel rauschen sicher auf ihr Ziel zu, alles wunderbar.

Und doch wirft die Angry Birds Trilogy, bestehend aus Classic, RIO und Seasons, ein paar gravierende Fragen auf. Warum so teuer und vor allem: warum auf Disc? Denn teuer ist es. Etwa 25 Euro für drei Spiele mit gefühlt unendlich Leveln - realistisch mehrere Hundert - und einer Spielzeit von Wochen ist doch nicht teuer. Doch wenn man bedenkt, dass die HD-Version für das iPad beispielsweise, die jetzt auch nicht so großartig anders aussieht, wenn man mal einfach zum Vergleich einen Screenshot auf den großen Bildschirm wirft, etwa 8 Euro kostet ... Da kann man dann gleich noch Angry Birds Space dazukaufen, den neuesten Teil, der auf der Konsolen-Disc dummerweise fehlt. Ja, animierte Hintergründe, neue Animationen, es sieht alles niedlich aus, aber eine relevante Verbesserung ist etwas anderes.

Die 19 neuen Level - angesichts fast 700 anderer eine verschwindend kleine Zahl - sind es sicher auch nicht und zudem sind sie erst spielbar, nachdem alles andere durch ist. Dazu ein paar Artworks, die ehemaligen Zwischenbildchen sind nun kleine Filmchen, das ist alles sehr drollig, aber den Aufpreis rechtfertigt es kaum. Und warum überhaupt eine Disc nehmen, wenn diese Spiele beim besten Willen nicht dafür geeignet sind, sich für 3 Stunden am Stück hinzusetzen und darin zu versinken. Angry Birds ist perfekt für die Runde zwischendurch, für die halbe Stunde, die man im Laufe des Tages mal so irgendwo übrig hat. Dafür eine DVD vorsuchen, statt einfach in das Menü der Konsole gehen zu können, erscheint einfach nicht durchdacht. Hier ist ein perfektes XBLA/PSN-Spiel und es kommt auf Disc. Es könnte das erste Spiel sein, dem ich ausdrücklich ankreide, dass es auf einem physischen Datenträger erscheint.

Davon abgesehen jedoch und wenn die Scheibe mal im Laufwerk ist, wird einem schnell klar, warum Angry Birds Erfolg nicht unverdient ist: Es macht schon ein wenig süchtig. Die Physik der herumpurzelnden Bauteile, Schweine und Vögel sorgt immer wieder für Momente, in denen der Jubel über einen neuen Highscore oder das Fluchen über das letzte überlebende Schwein nur Millimeter in der Flugbahn auseinanderliegen. Den Neustart eines Levels auf eine Taste zu legen ohne in das Menü zu müssen war dabei die richtige Entscheidung, Trilogy erreicht den gleichen "nur einmal noch"-Zug, den es auch auf den Touch-Geräten bei Millionen von Leuten erzielt.

Außer ihr benutzt Kinect. Ich habe keine Sekunde erwartet, dass das sinnvoll ausfallen oder auch nur halbwegs brauchbar funktionieren würde und siehe da, ich sollte recht behalten. Das Dirigieren per Hand fiel selbst für simple Start-Level viel zu ungenau aus, Kinect verliert euch häufig genug aus dem Blick, es macht einfach absolut null Spaß. Mit Move dagegen auf der PS3 klappt es weit besser, auch wenn ich dafür nicht freiwillig den Stick des Pads hergeben würde. Aber zumindest bleibt es hier gut spielbar.

Drei nicht grundlos phänomenal erfolgreiche, für viele, viele Stunden unterhaltsame, aufs riesenhafte angewachsene Mini-Games in einem Paket. Das muss doch ein absoluter Sieger sein. Ist es auch, solange ihr einfach die schöne HD-Optik genießt, darüber hinwegsehen könnt, dass ihr für eine Runde zwischendurch immer die Disc herauskramen müsst und vor allem, dass ihr die drei Spiele auf so ziemlich jedem Touch-Gerät der Welt für nicht mal ein Drittel des Preises bekommt. Das macht die Spiele nicht schlechter. Aber ob ihr jetzt diese Version wählt - die Schönste und Teuerste - oder doch einfach bei den Gratis-bis-sehr-preiwert-Versionen der Touch-Welt bleibt, müsst ihr selbst wissen. Vor allem jedoch solltet ihr Trilogy nicht mit Kinect im Hinterkopf kaufen.

8 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Angry Birds Trilogy - Test Martin Woger Die Umsetzung an sich war reine Formsache. Aber warum bitte in dieser Form? 2012-10-01T09:15:00+02:00 8 10

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