Little Inferno - Test

The roof, the roof, the roof is on fire. We don't need no water, let the motherfucker burn.

Es geht um nichts. Oder doch um alles? Ist es die zynische, fast erwachsene Version von The Day After Tomorrow, nur mit guter Handlung in all dem Schnee oder doch nur ein kleiner infantiler Spaß? Nach fünf Stunden am Kamin bin ich mir immer noch nicht sicher, aber ich tendiere ganz stark zu all dem in einem großen, kleinen, seltsamen, wundervollen und total bekloppten Paket.

Was ihr tut, ist einfach. Da ist der Kamin, da ist der Katalog, aus dem ihr teilweise sehr, sehr seltsames Spielzeug ordert - auch andere Dinge, bin mit nicht sicher, wo die Lebensmittel aus der Hölle oder die Mini-Nuke da hingehören -, werft sie in den Kamin und macht Feuer. Für alles, was ihr abfackelt, gibt es mehr Geld, als es kostete, also könnt ihr endlos nachordern.

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Durch das Verbrennen von Gegenständen im Kamin erhält man neues Geld, mit dem man abermals Gegenstände kaufen kann.

Die einzige Herausforderung besteht darin, eine Vielzahl von kleinen Worträtseln zu lösen, die euch verraten, welche zwei Dinge zusammen besonders schön brennen, euch einen Bonus geben und in der sehr, sehr seltsamen Handlung weiterbringen. Kommt ihr nämlich weiter, erhaltet ihr von eurer nicht minder pyromanischen Nachbarin Briefe, Geschenke und schließlich mit allem zusammen ein fast rührendes Ende, das man angesichts des praktisch nicht vorhandenen Spiels gar nicht kommen sah.

Also, Batterien, alten Fernseher, tollwütigen Stoffhasen und singende Walküren-Puppe nehmen - die späten Sachen findet ihr besser selbst heraus, das wäre hier das Äquivalent eines Spoilers - und zusehen, wie sie brennen. Sie brennen wundervoll. Der Spielzeugbus fährt noch kurz unter den Schreien seiner kleinen Insassen, die Kamera macht noch ein letztes Bild, die Walküre stimmt eine letzte, schmelzende Arie an. Ihr wollt mehr Sachen freischalten, weil es so viel Spaß macht zu zündeln. Alte Urinstinkte werden angesprochen, dazu Neugier und das Interesse, ob das wohl alles irgendwo hinführt.

Auf dem Touchscreen des GamePads zieht ihr die Sachen in den Kamin, und wenn es schön wohlig knistert, dann schaut ihr euch das Intro-Video an, in dem ein fröhlicher 50s-Werbesong Kinder animiert, ihre Spielsachen zu verbrennen, weil es draußen 50 Feet of Pure White Snow sind und es immer mehr wird. Zusammen mit dieser so surrealen wie bedrückenden Inspiration kokelt es sich gleich noch einmal doppelt so wohlig, bis das letzte Stofftier in stinkige Wolken verpuffte und die Welt gerettet ist. Zündeln für den Weltfrieden muss wohl so oder so ähnlich aussehen.

Little Inferno - Wii U Teaser

Ist Little Inferno ein Spiel? Was weiß ich denn. Es ist eine Erfahrung, deren einziger Nachteil der etwas heftige Preis ist. Es wird genug Leute geben, die mich und dieses Programm zu Recht für bekloppt erklären. Viel zu tun gibt es wirklich nicht, aber doch ist es eine ganze Welt, die nur aus einem Kamin besteht und nur von ein paar Briefen und nicht mal einer Handvoll kleiner Videos zusammengehalten wird. Das ist dünner Kitt, aber mehr brauchte es hier nicht. Es liegt an euch, ob ihr den Mut habt, bei diesem eigentlich unschönen Preis das Experiment zu riskieren, ob die Flammen auf euch überschlagen und ihr Little Inferno als das lieben könnt, was auch immer es seine möchte. Gelingt euch das, dann ist es die schön-skurrile Herzerwärmung, die ihr euch diesen Winter gönnen müsst. Bleibt das Gefühl aus, dann werdet ihr euch ganz schön über das Geld ärgern. Ihr seid gewarnt. Aber niemand hat gesagt, dass das Spiel mit dem Feuer eines ohne Risiko wäre.

9 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Little Inferno - Test Martin Woger The roof, the roof, the roof is on fire. We don't need no water, let the motherfucker burn. 2012-12-05T10:30:00+01:00 9 10

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