A Mind Forever Voyaging - 2031 ist immer noch näher als man denkt

Wie ein Spiel aus 1985 eine sehr aktuelle Geschichte erzählt - inklusive Steve Meretzky im Interview

And from my pillow, looking forth by light
Of moon or favouring stars, I could behold
The antechapel where the statue stood
Of Newton with his prism and silent face,
The marble index of a mind for ever
Voyaging through strange seas of Thought, alone.

William Wordsworth, The Prelude

Politische Konflikte, interkulturelle Spannungen und Veränderungen in der Gesellschaft können sich in einem radikalen Umbruch innerhalb von wenigen Tagen in Revolutionen entladen. Wir bemerken sie sofort, verfolgen sie auf Bildschirmen, lesen die Analysen in Echtzeit und im Sekunden-Tweet. Was aber, wenn die Revolution und ihre Gegenrevolution über Jahrzehnte stattfinden? Über Generationen hinweg, dabei aber nicht zufällig vom Zeitgeist getrieben sind. Vielleicht eher selten von Einzelpersonen mit klar definierten Agenden - zu sehr Verschwörungstheorie -, doch aber von vagen Ideen, Idealen und Vorstellungen, wie die Welt zu funktionieren habe?

Ideen wie die, dass die Deregulierung aller wirtschaftlichen Bereiche - seien es die Umweltauflagen für die produzierende Industrie oder die Handlungsgrenzen des Bankwesens - zum Wohle aller dient, indem es die Wirtschaft fördert und diese wiederum den Wohlstand und das Wohlergehen aller Bevölkerungsschichten steigert. Ideen wie die, dass der Staat nie die Lösung, sondern ein Teil des Problems ist und daher sein Einfluss, seine Mittel und seine Diener auf ein Minimum reduziert werden müssen. Dass dieses Minimum in erster Linie aus einem starken Militär besteht, welches wiederum die Position eines Landes in der Welt durch Stärke definiert und für die Landesinteressen auch stets bereit ist, in einen Krieg zu ziehen. Die Idee, dass der innere Zusammenhalt am ehesten durch einen strikten Moral- und Verhaltenskodex zu gewährleisten ist. Dass hartes Vorgehen und härtere Urteile selbst bei kleineren Vergehen die Lösung der ansteigenden Verbrechensrate ist. Dass radikale Steuersenkungen, einhergehend mit dem Abbau von Staats- und Sozialleistungen, eine freie und leistungsfähige Gesellschaft beflügeln.

"Man is not free unless government is limited."

Ronald Reagan

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Diese Ideen waren 1985 für sich nicht neu, als Steve Meretzkys "A Mind Forever Voyaging" erschien. Ein Teil kam aus dem allgemeinen Gedanken einer traditionell konservativen US-Weltsicht. Law and Order beispielsweise trug in den 60er Jahren, als Mainstream-Reaktion gegen die Counterculture-Bewegung Nixon in das weiße Haus. Ronald Reagan steht wie kaum jemand vor ihm für den Grundsatz, den Staat zum Wohle des Allgemeinwesens klein zu halten, die Regulierung durch ihn auf ein Minimum zurückzuhalten, selbst wenn seine Realpolitik keineswegs immer in diese Richtung steuerte.

Der Erfolg gibt immer recht

Mitte der 80er waren die so verschlagworteten Reagonomics aber nichtsdestotrotz ein tiefer Eingriff in die wirtschaftliche Politik der USA und damit auch in das gesellschaftliche Leben. Eine teilweise sehr radikale Umgestaltung des Steuerwesens, die klar in Richtung der Reduzierung vieler Staatsausgaben zielte, unter dem Grundsatz, dass niedrigere Steuersätze und eine ökonomische und teilweise damit einhergehend auch aus ökologischer Betrachtungsweise stattfindende Deregulierung aller Wirtschaftszweige, die zu Beginn der 80er hohen Inflations- und Arbeitslosigkeitsraten zu senken. Eine auf Konsum ausgelegte Wirtschaft, die so kontinuierliches Wachstum produziert, wurde etabliert und das auch bereits 1985 mit vorzeigbaren Erfolgen. Erfolge geben also recht?

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Meretzky, ausgehend von seiner Arbeit an diesem Spiel, dürfte ein Liberal-Progressiver Denker sein und ihm behagten diese Ideen und Mittel wohl nicht, auch wenn sie dramatische Erfolge brachten, die in Zahlen belegbar sind: Die Arbeitslosigkeit sank in den USA von 1983 bis 1985 von erschütternden 11 Prozent auf relativ normale 8 Prozent. Die Frage, die sich der am MIT studierte Programmierer wohl stellte, war einfach: Ja, jetzt - 1985 - sieht es gut aus. Wie aber verlaufen die Auswirkungen der Umsetzungen dieser Ideen über Jahrzehnte?

Meretzkys Antwort darauf findet sich in seinem A Mind Forever Voyaging: Das Ergebnis wäre katastrophal.

Was passiert, wenn das Gegenteil dessen passiert, ein idealisierter, humanistischer, zurückhaltender und sorgender Staat durch eine ebensolche Gesellschaft geschaffen und gelebt wird, zeichnet das Finale des Text-Adventures in einem bewusst kitschig-utopischen Bild seiner Vorstellung einer idealen Zukunft. Weltfrieden, die Lösung der Überbevölkerung durch die Raumfahrt, alle sind glücklich, alle sind froh. Um jedoch dahin zu kommen, wird der Spieler durch die Hölle geschickt.

Citizen in the machine

Nach dem Start findet er sich als KI in einer Simulation wieder. Im Jahr 2031 wird von einem republikanischen Senator ein Plan zur Erneuerung des wie in den 80er Jahren darbenden Landes vorgeschlagen, der in seinen Kernpunkten eine etwas radikalere Version der Reagonomics auf wirtschaftlicher Seite und genannter US-konservativer Ideale als Überbau darstellt. Die Simulation soll in 10-Jahres-Schritten klären, ob dieser Plan den gewünschten Erfolg hat. Der Spieler nimmt dabei keinen Einfluss auf diese zeitlichen Momentaufnahmen, sondern schneidet nur markante Ergebnisse als Beobachter mit, damit sie im Jahr 2031 ausgewertet werden können.

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Sieht im simulierten 2041 die Welt noch ein gutes Stück besser aus, dreht es sich in den Folgejahrzehnten immer drastischer. Ein Polizeistaat entsteht, in dem Willkür auf den Straßen herrscht. Die Privatisierung oder Abschaffung vieler staatlichen Auf- und Ausgaben jenseits des harten Law & Order fördert den Zerfall des Gemeinwesens. Immer radikalere Urteile, abgelöst von öffentlichen Schauprozessen und Hinrichtungen zeigen die dunkle Karikatur eines Rechtssystems. Der kulturelle Niedergang spiegelt sich in Zeitungen und dem Kinoprogramm. Der Verfall der Gesellschaft zeigt sich in dem immer barbarischeren Umgang der Menschen miteinander. Das Aufklaffen einer gewaltigen Schere zwischen Arm und Reich wird angedeutet, eine radikal-christliche Sekte etabliert sich so weit, dass schließlich eine Theokratie entsteht und alles kumuliert schließlich im de facto Zusammenbruch der Gesellschaft 50 Jahre nachdem der Plan in Gang gesetzt wurde.

A „Mind Forever Voyaging“ ist insoweit ein positives Werk, als dass der Spieler schließlich in einem klassischen Showdown den "bösen" Senator bloßstellen kann, wodurch sein Plan nicht umgesetzt, sondern ein besserer mittels der Simulation gesucht wird und schließlich zum erwähnten Utopia führt. Meretzky überspitzt beide Varianten in ihre Extreme. Aber das ist das Vorrecht der Science-Fiction.

A Mind Forever Voyaging entstand vor 27 Jahren und, bevor diese Zeilen in den Druck gingen, stand im November 2012 in den USA die Präsidentschaftswahl an. Die Ideen, mit denen Mitt Romney und sein Vize-Kandidat Paul Ryan in das Rennen gingen, waren sind weit radikaler als es noch in den 80ern der Fall war. Der Kulturkampf ist längst noch nicht vorüber.

Eine noch weitere Reduzierung im weltweiten Vergleich schon geringer Steuersätze, insbesondere für viele Wirtschaftszweige. Ein Rückzug des Staates aus Bildung und Gesundheitswesen, soweit es möglich scheint. Davon nicht betroffen ist das Militär, aber ausgehend von vielen Berichten und Aussagen aus der Basis der GOP kann man wohl sagen, dass diese für radikal-christliche Aussagen empfänglich ist, ganz im Gegensatz zu Fragen von Gleichberechtigung, sei es nun die der Frauen oder von Homosexuellen. Derartige Phobien schwingen auf der offiziellen Parteienplattform zwar eher unterschwellig mit, aber in den letzten Monaten schafften sie es auch mehr als nur ein paar Mal auf die große Bühne.

Ronald Reagan würde ausgehend von seiner angewandten Politik 2012 nicht einmal mehr als Liberaler seine Ansichten vertreten können, so weit hat sich die Republikanische Partei nach rechts bewegt. Der Plan zur Erneuerung des Landes, der in A Mind Forever Voyaging als für die 80er Jahre relativ radikal gezeichnet wurde, entspricht in vielen Punkten sehr genau den Ideen, die von republikanischer Seite in den 2012er Wahlkampf getragen oder zumindest von ihren Vertretern hinter der Frontlinie des direkten Wahlkampfes vehement diskutiert und gefördert werden. Verstärkt wurden sie durch die entsprechenden News-Sender, Kommentatoren und Radio-Moderatoren. A Mind Forever Voyaging gestaltet den Plan nicht ins letzte Detail aus, es muss sich auf Eindrücke und Stichworte reduzieren, auch aus technischen Gründen. Aber scheinbar ist das ja auch alles, was die Medienwelt braucht, insbesondere die erwähnten Outlets, um eine breite Meinungsgestaltung vollziehen zu können.

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Die Reduktion der Information auf leicht zu greifende Mottos in einer über die letzten 20 Jahre in den USA komplett umgestalteten, sehr oft parteiisch berichtenden Nachrichten-Branche dürfte einer der Gründe sein, warum Meretzky sein Jahr 2031 scheinbar optimistisch wählte. Die sich immer schneller bewegenden Ideen einer Gegenbewegung zur Counterculture-Revolution der 68er haben den Zeitplan des Spiels bereits überholt. Nach nur 27 Jahren wabert noch genug des Plans in der konservativen Sphäre der USA herum, um die Teile ohne Mühe zu einem Ganzen zusammensetzen zu können. Im Moment scheint die Lage etwas entspannter, aber es sind ja auch noch ein paar Jahre bis 2031. Und es ist mehr als nur ein wenig erschreckend, dass A Mind Forever Voyaging nicht viel an Aktualität einbüßte oder gleich ganz von der Realität überholt wurde. Im Gegenteil, dieses Spiel kann als dunkle Prophezeiung genommen werden, die noch nicht abgewendet wurde.

Immer noch auf Kurs(?)

Spielt es eine Rolle, welche der beiden großen Parteien im Weißen Haus regiert? Vielleicht. Aber scheinbar nur für das Tempo, in dem sich die Spirale dreht. Verpflichtend ist die Untergangsvision in A Mind Forever Voyaging nicht. Welche Vision ist das schon und die Wunderland-Utopie brach nach 2008 auch nicht aus. Seit Ronald Reagan waren die Demokraten praktisch genauso lange im Weißen Haus wie die Republikaner, trotzdem hat sich der Zeitplan für die Erfüllung von Steve Meretzkys gar nicht so persönlichem Albtraum verkürzt. Die Mindestlöhne wurden unter den Demokraten erhöht. Sie haben Obama-Care, also ein verpflichtendes staatliches Gesundheitssystem eingeführt und das gegen den Ansturm aller Kräfte auf der Gegenseite. Auf der anderen Seite scheinen die Demokraten nicht zu sehr gegen die Idee der unbegrenzten Inhaftierung ohne Prozess im Falle von Terror-Verdächtigen zu sein. Und die extremen Steuerkürzungen der Bush-Ära werden auch nach einer kompletten Obama-Amtszeit immer noch heiß diskutiert, zudem gab kaum echte Versuche, den Bankensektor zu regulieren, nachdem dieser 2008 die Weltwirtschaft aus der Bahn warf. Diese und andere Entscheidungen beschleunigen vielleicht nicht Meretzkys Szenario, aber sie tun auch herzlich wenig, um es abzuwenden.

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Auch wenn es hierbei bisher in erster Linie um die USA ging, lassen sich abschließend jedoch viele Parallelen zu anderen Ländern, auch Deutschland und anderen europäischen Staaten ziehen. Die in Europa seit Jahrzehnten ebenso fortschreitende Deregulierung des Finanzsektors ist nach dem Beinahe-Zusammenbruch dessen mit verantwortlich für die aktuellen Krisen. Andere Aspekte unterscheiden sich von den USA, aber beispielsweise die Richtung einer Spaltung der Gesellschaft in arm und sehr reich wird auch hier nicht nur theoretisch diskutiert - Occupy ist ein bereits wieder verblassendes Zeugnis dessen, obwohl der Grund, warum es aufkam, nach wie vor präsent ist.

Angesichts des Umstandes, dass der Plan für die nationale Erneuerung aus A Mind Forever Voyaging immer noch viel Unterstützung in der realen Welt zu finden schient, kann man nur hoffen, dass das Spiel es zu schwarz malt. Wir können die Realität nicht neu starten, wie es der Spieler es mit der Simulation vermag.

Interview mit Steve Meretzky: 27 Jahre nach A Mind Forever Voyaging

Die englische Version des Interviews findet ihr auf Seite 2.

Eurogamer: 27 Jahre sind seit A Mind Forever Voyaging vergangen, 19 Jahre bleiben noch bis 2031. Werden die USA und der Rest der Welt bis dahin den dringenden Wunsch nach einem derartigen Plan zur Erneuerung verspüren?

Steve Meretzky: Meine Antwort wäre vor fünf Jahren, frisch aus der Bush-Ära kommend, sehr viel pessimistischer ausgefallen. Aber jetzt, nachdem Obama gewählt und auch wiedergewählt wurde, gibt es endlich etwas Bewegung bei den Schwulen-Rechten, der blödsinnige "War on Drugs" (Wiki-Link) scheint endlich im Sande zu verlaufen, habe ich schon deutlich mehr Hoffnung. Auf der anderen Seite ist der Kongress praktisch immer noch nicht arbeitsfähig, die Republikanische Partei wird von ein paar Verrückten beherrscht und die USA sind eine Art bewaffnetes Lager, dass keine Lust auf irgendeine Art von Waffen-Regulierungen hat. Man muss sich nur den heutigen Amoklauf in Connecticut ansehen. Also, ich bin optimistischer, dass wir in 2031 in einem besseren Ort leben werden, als das Spiel es andeutet, aber es wird nicht einfach.

"Ich bin optimistischer, dass wir in 2031 in einem besseren Ort leben werden, als das Spiel es andeutet, aber es wird nicht einfach."

Steve Meretzky

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Steve Meretzky (2006)

Eurogamer: Erinnerst du dich an deine Stimmung und die Deiner Umgebung, als du A Mind Forever Voyaging programmiert hast?

Steve Meretzky: Es war direkt nach Ronald Reagan überwältigendem Sieg in seiner Wiederwahl, die mich wirklich deprimierte. Ich hielt ihn für eine tatterige, hirnlose Puppe der rechts-konservativen Kräfte: defizit-steigernde, die religiöse Rechte anbiedernde, kriegslüsterne, auf Bürgerrechten herumtrampelnde Fanatiker.

Eurogamer: In dem Artikel nenne ich dich einen Liberal-Progressiven Denker, der sich in den 80ern die Reagonomics anschaute und dem nicht gefiel, was er da sah und der nicht glaubte, dass aus ihnen etwas Gutes für kommende Generation entstehen würde. Liege ich damit falsch? Wie erinnerst du dich an deine Einstellungen, Ansichten und Vorstellungen damals, 1985?

Steve Meretzky: Meine Ansichten haben sich nicht grundlegend geändert. Meine politische Einstellung wurde in erster Linie durch eine Anti-Nixon-Einstellung während des Watergate-Skandals geformt. Wie schon gesagt, ich war damals absolut entsetzt, nicht nur, dass Reagan wiedergewählt wurde, sondern dass es mit überwältigender Mehrheit geschah. Es sah so aus, als wären unglaublich viele Amerikaner von seinem onkelhaften Lächeln und einem zwinkernden Auge eingelullt und begriffen nicht, wie die Politik der Reagan-Ära das Land in eine komplett falsche Richtung steuerte. Zu dieser Zeit schien mir interaktive Fiktion das perfekte Medium, um die Meinung einiger Leute zu ändern. Sie dachten nicht nur während des Spielens über das Spiel nach, es beschäftigte sie auch noch weit darüber hinaus.

Eurogamer: Gab es in den letzen 27 Jahren bestimmte Momente, wo du dachtest, dass es jetzt endgültig zur Hölle fährt oder auch solche, dass es jetzt alles gut werden könnte?

Steve Meretzky: 2004 war der Tiefpunkt. Direkt nach der knappen Wiederwahl von Bush, die geschah, obwohl wir eh schon die Wirtschaft abgeschossen hatten (Steuersenkungen für Reiche, die sicher keine Steuersenkungen brauchten) und unsere Außenpolitik - die uns in einen illegalen Krieg mit dem Irak verwickelte und unsere Beziehungen zum Rest der Welt ruinierte. Aber wie ich schon sagte, heute fühle ich mich schon deutlich besser.

"Ist das 2081..."

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(Dead City by Miguel Coimbra - www.miguelcoimbra.com)

Eurogamer: A Mind Forever Voyaging war damals fast ein Flop oder zumindest nicht annähernd so erfolgreich wie andere Spiele zu der Zeit. Waren die Spieler nicht bereit für eine starke politische Aussage in einem Spiel oder war es der generelle Wechsel zum mehr Grafik-orientierten Spielen?

Steve Meretzky: Es hat sich etwa 40.000 Mal im ersten Jahr verkauft, verglichen mit ungefähr je 100.000 Verkäufen bei meinen ersten beiden Spielen (Planetfall und Sorcerer). Das lag zum Teil an dem stetigen Niedergang der Text-Adventures, der vier Jahre später zum Untergang von Infocom führen sollte. Zum Teil lag es daran, dass A Mind Forever Voyaging das erste "Interactive Fiction Plus"-Spiel war, das 128 KB statt nur 64 KB benötigte. Deshalb lief es nicht auf einigen der populärsten Maschinen wie dem Commodore C64 oder den frühen Apple 2s. Die politische Aussage kann ein Faktor gewesen sein, aber ich denke nicht, dass es ein wichtiger war. Es ist eher so, dass ich von den Fans Beschwerden bekam, dass sie zu schnell durch das Spiel durch waren und dass es nicht genug Puzzles gab. Ich hatte fast keine Beschwerden über die Aussage des Spiels.

Eurogamer: Wie würde ein Spiel mit dieser Aussage heute aussehen? Denkst du, dass es eine Nachfrage nach einem Spiel mit einer solchen Aussage gäbe?

Steve Meretzky: Ich denke, dass es immer Leute gibt, denen die Mischung aus Unterhaltung und dem Erkunden ernsthafter Themen gefallen wird. Ich denke auch, dass es genug Leute gibt, die einfach sagen "Erspar mir diesen Scheiß mit der Message, ich bin hier um Spaß zu haben". Ich glaube nicht, dass es jetzt viel anders wäre als in 1985. Außer vielleicht, dass Spiele jetzt viel weiter verbreitet sind und es deshalb ein größeres Publikum dafür gäbe.

Eurogamer: Die Technik mal außen vor, wie würdest du den Inhalt verändern, wenn du ein für 2012 zeitgenössisches A Mind Forever Voyaging schreiben würdest?

Steve Meretzky: Es wären sicher andere Themen, die auf die ich mich im Vergleich zu 1985 konzentrieren würde. Wie ich schon sagte wäre die Waffen-Gewalt in den USA mit dabei. Ein anderes Thema wäre die Anti-Wissenschafts-Einstellung, die Leute, die sich weigern, bewiesene Fakten wie Evolution oder den Klimawandel zu akzeptieren. Aber ich denke, dass die grundsätzliche Struktur auch heute noch funktionieren würde, selbst wenn sich einzelne Inhalte ändern würden.

Eurogamer: Während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes und besonders während der Primaries der Republikanischen Partei klang es schon ziemlich nach dem "Plan zur nationalen Erneuerung": Steuern senken, massive Deregulierungen des Finanzsektors und anderer Wirtschaftsbereiche, Kürzung staatlicher Ausgaben mit Ausnahme de Militärs, harte Handelspolitik gegen Wettbewerbsnationen. Hast du dich während dieser Monate an dein Spiel von damals, vor so langer Zeit, erinnert?

Steve Meretzky: Ja. Die Republikanische Partei ist die gleiche Republikanische Partei, die es in 1985 war. Nur noch mehr.

"...oder ist das 2081?"

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(Utopian City by Staszek Marek - www.staszekmarek.com)

Eurogamer: Warum hast du dich für diesen Titel entschieden. Weil er gut klingt (tut er ja auch)? Oder ist da eine Verbindung zur Wordsworth-Ballade, die mir entgeht (halte ich für durchaus wahrscheinlich …)?

Steve Meretzky: Ich wollte einen gelehrt klingenden Titel, also habe ich mich lange durch viel Poesie und Bücher-Zitate gearbeitet und bin letztendlich auf diese Zeilen von Wordsworth gestoßen. Ich denke der Titel kann nicht allein für sich stehen. Aber ich glaubte, dass wenn ich es mit den Zeilen am Anfang jedes der Kapitel im Spiel verbinde und dann zum letzten Kapitel hin das lange Zitat statt nur der einen Zeile nutzen würde, müsste es funktionieren. Ich denke, dass es das tat.

Nur nebenbei, ich habe erst vor Kurzem erfahren, dass dieses Wordsworth-Zitat auf dem Original-Apple-Logo 1976 erschien.

Eurogamer: Wenn wir schon bei Zitaten sind: Thomas Jefferson sagte einmal "Ich mag die Träume von der Zukunft lieber als die ganze Geschichte der Vergangenheit." Wovon träumst du? Welche Spiele wurden von dir noch nicht gemacht, welche Ziele bleiben noch in Deinem Leben?

Steve Meretzky: Hier ist ein anderes Zitat, eines aus der Mann von La Mancha: "Aber ganz gewiss ist es der allergrößte Wahnsinn, das Leben so zu sehen, wie es ist, und nicht so, wie es sein sollte".

Wenn du im Wald spazieren gehst, dann sagt man dir, dass du deinen Müll einsammeln und mitnehmen sollst … Verlass' den Wald, wie du ihn vorgefunden hast. Ich dachte immer, dass es noch besser ist, wenn du entlang des Weges noch ein wenig zusätzlichen Müll wegräumst und den Wald ein wenig besser zurücklässt, als du ihn vorgefunden hast. So in etwa denke ich auch über das Leben. Ich hoffe, dass ich die Welt ein wenig besser verlasse, als ich sie vorfand. A Mind Forever Voyaging war ein Versuch, das zu tun. Sicher nicht mein Einziger und sicher nicht mein Letzter.

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