PlayStation 4: Die soziale Komponente - Kommentar

Die Revolution könnte anders aussehen als jemals zuvor. Oder ausbleiben.

Mal ernsthaft, was habt ihr erwartet?

Eine neue, visuelle Revolution? Ging nicht, wir kennen die Technik. Sie ist schwerlich einem High-Level-PC überlegen. Die Revolution des Spielens an sich? Ja. Vielleicht. Aber anders, als es bisher der Fall war.

Die Betonung von Streamlining, Verbindung und Interkonnektivitiät, Social Konnektivität, die Andrew House in den ersten Sätzen vorstellt, die Betonung der Vita, Smartphones und ihrer Rolle im zukünftigen PlayStation-Ökosystem. The Experience of "Play"? Selbst wenn die PlayStation 4 noch eine Spielkonsole ist oder so wahrgenommen wird, Sony betrachtet sie offensichtlich als etwas anderes: MediaStation? SocialStation? Vielleicht. Ein zentrales Unterhaltungselement nicht nur im Wohnzimmer, sondern überall, wohin ihr als Spieler geht. Station geht mit, wohin ihr geht, es verbindet euch mit Freunden, aber auch anderen Sony- und Drittanbieter-Produkten, es wird das zentrale Element eures medialen, kommunikativen Lebens. Und spielen könnt ihr auch noch drauf.

Es ist ebenso bezeichnend, dass niemand vom Start der Präsentation weg über neue Hardware-Möglichkeiten in Bezug auf Grafik oder Eingabegeräte spricht, dass es gefühlt ewig dauerte, bevor wir überhaupt Bilder sahen, was die neue Technik darstellen kann. Aus gutem Grund. Es beeindruckte nicht. Es sieht aus wie das, was ein PC aktuell kann. Dies erklärt auch die lange, gewundene Ansprache, die Marc Cerny hielt. Alles, was er über die Technik erzählte, war bekannt. Der Controller, den er hochhielt, sieht aus wie jeder andere Controller, dass die Knöpfe besser sind, ist schwerlich beeindruckend, eine Touch-Fläche haut heute niemanden vom Hocker, den Headset-Anschluss kennt man seit Jahren von der Konkurrenz. Dass Move nun mit eingebaut wurde, ist nur konsequent. Nichts davon verändert die Welt wie wir sie als Spieler kennen.

Das beweist das erste Spiel, das gezeigt wurde, Knack. Der Trailer könnte auch von einem frühen Pixar-Film stammen, die Idee klingt witzig, aber es fehlte jeder Eindruck, warum dieses nicht auch jetzt möglich sein sollte. Auf einem PC. Es ist schön, dass diese Möglichkeit nun in einer kleineren Box kommt, aber wir reden dann nicht über Revolution, sondern Evolution.

Knack - Trailer

Es geht um den Weg der Konsole weiter in die Welt des generellen Medien-Consumers, Social-Features werden stärker ausgebaut, nicht nur für Spiele und Spieler, sondern für alle Social-Bereiche. PSN greift über die Social Networks auf alle Geräte über, wenn ihr es lasst. Third-Party-Applikationen werden sich freuen, dass ihr der Konsole all eure Vorlieben mitteilt, Auto-Downloads von Inhalten, von denen die Konsole weiß, dass sie euch gefallen werden, liefern euch exakt auf euch zugeschnittenen Unterhaltungs-Nachschub.

Immerhin wurden dabei insbesondere von Dave Perrys Ansprache und der Erwähnung des Streaming-Gaming über Gaikai - jetzt wissen wir endlich, warum Sony es kaufte - noch die Spiele in den Vordergrund gerückt. Aber in einem Fokus, der klar zeigt, dass Social hier eine weitere Komponente sein wird, die das Solo-Spiel weiter in den Hintergrund rücken wird, denn es braucht keines der neuen Features. Es braucht Rechenleistung und kreatives Design, bessere KI, aber nicht die Möglichkeit, dass mir meine Freunde beim Spielen über die Schulter schauen werden. Wenn wir in den nächsten Jahren auf der Playstation - und letztlich auch auf der neuen Xbox, die ausgehend von der Hardware noch stärker in diese Richtung gehen wird - Innovationen sehen werden, passieren sie auf einem Level, der sich weiter vom traditionellen Videospiel entfernen und in eine dichter vernetzte Richtung gehen wird.

Facebook, Twitter, Live-Video-Publishing, das Spiel tritt in den Hintergrund, die geteilte Erfahrung wird wichtiger. Diese muss sich nicht auf einem bahnbrechenden Level bewegen, um zu begeistern. Normaler Multiplayer wird durch die allgegenwärtige Einbindung verstärkt und trägt das Spiel über seinen eigentlichen Spielinhalt hinaus. So weit, dass dieser längst nicht mehr in einem Maße relevant ist, wie es in früheren Generationen der Fall war. Denkt man ein paar Hardwarezyklen zurück, gab es nur das Spiel und einen oder zwei Controller. Das Spiel selbst musste es reißen, es hatte nichts als sich selbst. Nun steht dahinter eine Infrastruktur aus Vernetzung, Social Features und echten Menschen, die alle daran teilhaben wollen. Das kann eine fantastische Sache sein, aber bisher erzeugte es in seinen erfolgreichen Fällen in der Regel eine minderwertige Spielerfahrung mit Farmville als größtmögliche Katastrophe für intelligente Spieler.

So weit wird es wohl nicht gleich kommen und die gezeigten Spiele deuten noch nichts in der Richtung an. Aber auch die frühe Erwähnung von Free2Play stimmte nicht gerade optimistisch, dass dieser Weg nicht eine durchaus gegebene Möglichkeit sein könnte.

Bis dahin gibt es natürlich noch ein paar normale Spiele. Killzone Shadow Fall machte es am Besten deutlich, dass sich für den Moment die Welt normal weiterdreht. Grafisch gefällig bewegt es sich das Gezeigte in den gleichen Bahnen wie jeder andere Shooter. Drücke "X" zum Klettern inklusive. Die paar Spielausblicke, die Knack als unglücklich gewählter erster Titel zeigte, könnten aus jedem anderen Spiel für Kinder stammen. Die Social-Team-Racing-Komponenten des für jeden Konsolen-Start notwendigen Rennspiels mit generischen Namen - Drive Club ist es -, klingen auch nicht anders, als das, was EA bereits in Need für Speed praktiziert. Der technische Detailgrad der Autos ist nett, das Einsteigen und Herumlaufen auch, das Rennen sah für die drei Sekunden super aus, bevor der Zuschauer durch die Demonstration von Social und Portable-Features aus der Erfahrung gerissen wurde. Ein neues inFamous, warum nicht, aber wer rechnet wirklich mit der spielerischen Revolution? Diablo 3 passt in das vernetzte Freundesnetz, aber eine Revolution ist es wohl schwerlich (selbst wenn es ein cooler Coup für Sony ist). Capcoms Hack'n'Slay mit "Freunde-Helft-Mir-Modus"? Wir nennen es Drop-in-Koop. Oder ist es doch etwas mehr?

Watch Dogs - Gameplay-Video

Es sind im Augenblick noch von den Eindrücken her recht konventionelle Spiele, die entweder noch nicht wissen, was sie mit den wahren neuen Fähigkeiten der PS4 anfangen sollen oder es noch nicht zeigen. Aber wie wird die nächste Generation von Spielen aussehen? Kümmern sie sich mehr um das Gameplay oder die Vernetzung der Welt auf Social-Basis? Können sie beides? Kann Activisions Destiny beides? Das wäre die wahre Revolution, aber können wir sie uns vorstellen, können es die Entwickler und es bleibt die Frage - ist es das, was ich am Ende des Tages von meinem Videospiel haben möchte?

Ich lasse diese Frage offen. Ich weiß es einfach noch nicht. David Cages Gesicht eines alten Mannes war das einzige Technische, was mich an der Präsentation auf einem technischen Level beeindruckte. Jonathan Blows The Witness war das einzige Spiel, das ich sofort spielen wollte und bei dem ich nicht dachte "Hm, sieht ok aus aber ich bezweifle, dass es mich glücklicher macht, als die Spiele, die ich jetzt habe". Die Betonung der Unterstützung von Indie-Entwicklern ist etwas, das mich glücklich macht, aber am Ende fehlte der eigentliche Ausblick auf die Zukunft des Spiels, wie sie PS4 bieten könnte, das was der Hardware und Software in ihrer gegenwärtigen Existenz als PS4 am meisten entgegenkommen würde. Ich will mir vorstellen können, ob wir in Richtung einer MediaStation mit FarmvilleDeluxe-Anbindung entgegensteuern. Oder ob diese Vernetzung von Menschen und Technik zu einer großen Gamer-/ Gaming-Cloud zu etwas Neuem, Wundervollen führen kann.

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Die heutige Präsentation warf mehr Fragen auf als sei beantworte. Von dem, was wir bisher sahen: Es kommen ein paar grafisch upgedatete Spiele auf einer gelifteten Hardware, die leicht schöneres Spiel erlaubt, aber das nicht auf einem Level, der vom Hocker haut. Die Revolution könnte aber diesmal auf einer anderen Ebene erfolgen, wo die Zukunft, die nächsten fünf Jahre wenigstens hinführen könnten, das wurde nur in Ansätzen deutlich.

Am Besten in Ubisoft Watch Dogs. Interkonnektivität als Motto des Spiels, die endgültige Zerstörung dessen, was wir Privatsphäre nennen. In Watch Dogs erlebt ihr das als Spiel, was PSN auf eine "gute" Weise für den Spieler sein könnte. Möchte es das sein?

Wir werden es wohl herausfinden.

Und Watch Dogs sieht schweinemäßig gut aus.

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