The Bureau: XCOM Declassified fängt die Stärken der Reihe ein

Der viel gescholtene Shooter offenbart im Hands-on seine Nähe zum Original.

Mist. So geht das tatsächlich nicht.

Aber das war kein Ausdruck der Ernüchterung, sondern eher des Verzückens. Ja, die Entwickler hatten recht, als sie bei einer Präsentation in München sehr ausführlich das Gameplay ihres Taktik-Shooters The Bureau vorstellten und nicht nur auf die diversen Möglichkeiten des XCOM-Agenten anno 1962 hinwiesen, sondern auch auf das gehobene Anforderungsprofil an ihn.

Zugegeben, als Berufsskeptiker fiel es mir schwer, dass man The Bureau nicht wie einen gewöhnlichen Shooter erfolgreich spielen können sollte. Das kann nicht sein. Also rein ins Geschehen, Plasma-Kanone im Anschlag und ... gescheitert. Einmal. Zweimal. Dreimal. Nein, es geht nicht. Egal wie sehr ich mich bemühte, Gegner so schnell und akkurat wie möglich zu erledigen, es kam immer der Punkt, an dem klar wurde, dass ich mich ohne die Steuerung der Team-Kameraden wieder einmal in eine ausweglose Situation manövriert hatte. Nico, Senior Producer bei 2K Marin, stand in meinem Rücken und ich konnte sein Grinsen spüren. „Do you need any help?" Nein, ich mach das jetzt einfach wie du vorhin bei der Präsentation. Easy. Er feixt. „Good luck!" Thanks!

Unheimliche Begegnung?

Auf Tastendruck öffnet sich ein Taktik-Menü, genannt „Battle Focus". Das Spiel läuft in minimalster Geschwindigkeit weiter, man kann sich für seine Befehle also nicht alle Zeit der Welt lassen, aber großer Druck entsteht nicht. Das Menü ist eine Art Kreis, ähnlich wie in Mass Effect unterteilt in drei Bereiche. Gelb bin ich, Carter, Anführer des Squads. Rot und auf der linken Seite Kollege Jackson, rechts und in Blau stehen die Befehle für Doran. Mit einem der vier Buttons, die in jedem Drittel des Kreises vorhanden sind, wird der Partner bewegt, über einen anderen lässt sich ein Primär-Ziel festlegen, die anderen beiden stehen für besondere Angriffe und Fertigkeiten, die je nach Spezialisierung unterschiedlich ausfallen.

Das Menü ist eine Art Kreis, ähnlich wie in Mass Effect unterteilt in drei Bereiche.

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In The Bureau finden sich nun auch Aliens aus Firaxis' brillantem Enemy Unknown.

Auf geht's. Steuerkreuz nach links, „Bewegung" ausgewählt und die Kamera wechselt in eine etwas bessere Perspektive. Ich befehle Jackson auf eine Position vorne links von mir, aber immer noch in Deckung vor den Alien-Geschossen. Er soll quasi die linke Flanke abdecken; außerdem bekommt er von mir den Befehl, auf eines der kleinen grünen Männchen zu feuern. Ähnlich verfahre ich mit Doran, nur etwas weiter nach vorne versetzt; er soll sich hinter einem Auto verschanzen. Das große Ober-Alien nehme ich selbst aufs Korn. Wozu ist man Chef?

Was für mich vorher nicht so wirklich vorstellbar war, entpuppt sich als ausgesprochen angenehm in der Bedienung. Diese vier Kommandos haben nicht mehr als fünf bis sechs Sekunden in Anspruch genommen. Lebensrettende Sekunden. Ich feuere aus allen Rohren, die Aliens suchen eine neue, bessere Position, landen dadurch aber im Geschosshagel von Jackson und Doran. Better? „Much better", gesteht mir Nico zu, nicht aber, ohne zu betonen, dass ich von einer gewissen anderen Stelle jedoch eine noch bessere Position gehabt hätte. Stimmt. Das sah alles anders aus als bei ihm ein paar Minuten zuvor, hat aber dennoch zum Erfolg geführt. Meine Skepsis verwandelt sich in zurückhaltende Begeisterung. Das Gegnerverhalten haben sie wirklich schön umgesetzt. Mit der Brechstange geht gar nichts, mit etwas Bedacht kommt man zum Erfolg und es ist absehbar, dass sich mit steigender Spielzeit und Erfahrung mit dem Interface herrliche Taktiken ausarbeiten lassen.

Qual der Wahl

Etwas weiter im Spielverlauf wird offensichtlich, dass das auch notwendig ist. Wir nähern uns einem Areal, das zuvor von einem Mitstreiter vermint wurde. Es ist mehr oder weniger quadratisch mit jeder Menge Blumenkästen, die etwas Schutz bieten. Eine Art Park, um den man auch außen herumlaufen kann, wenn man so eine Taktik wählt. Die Gegner sind schon stärker, sie verfügen über Schildtechnologie. „Dann wollen wir mal." Der eine links, der andere rechts, ich bleibe weiter oben auf einer Art Terrasse stehen. Lasergeschosse fliegen umher, Aliens werden getroffen, es läuft gut, bis deren Commander einen Schild aktiviert. Kein freies Schussfeld auf die Gegner.

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Perma-Death soll eine wichtige Rolle spielen.

Gerade als ich einen Kollegen ganz in den hinteren Teil des Areals schicken will, um die Brut von hinten unter Beschuss zu nehmen, tippt mir Nico auf die Schulter. What? „Erinnerst du dich an den Laserturm?" Richtig. Da war ja was, einer der beiden ist ja Ingenieur und verfügt über solche Gimmicks. Und schon stand er da in seiner ganzen Pracht und feuerte ... in den Schild. Weil ich des Öfteren bereits eine meiner eigenen Fähigkeiten angewendet hatte (Heilung!), bin ich flüchtig auf den zweiten Button gekommen mit dem Wort „Lift". Mit dieser Alien-Technologie hebe ich den Laserturm an und der nimmt - über den Schild hinweg - den Commander aufs Korn. Perfekt, Problem gelöst. Wobei ich mir ganz sicher bin, dass es auch funktioniert hätte, den Pulk über die Flanken auseinanderzunehmen, war das doch eine sehr viel elegantere Methode.

Zusammenfassend lässt sich von den ca. 45 Minuten Hands-on-Gameplay sagen, dass 2K Marin anscheinend einen echt guten Job gemacht hat, was die Umsetzung der taktischen Komponente angeht. The Bureau besitzt die richtige Mischung aus Taktik und Shooter, damit es auch ein Taktik-Shooter wird und nicht das eine mit einer Prise vom anderen, wie wir es in der Vergangenheit schon oft erleben mussten. Das bisher Gesehene und Gespielte macht auf alle Fälle Lust auf mehr, was sicher auch am ungewöhnlichen Setting liegt.

Fliegende Untertassen! Wen interessiert schon der Kalte Krieg?

The Bureau spielt in den 1960er Jahren, die Kubakrise wird in dieser alternativen Realität allerdings zum Nebenschauplatz, denn Aliens versuchen unseren Planeten zu übernehmen. Mysteriöse Türme schweben über den Großstädten, die von John F. Kennedy im Rahmen des Ost-West-Konflikts gegründete Sondereinheit The Bureau bekommt eine neue Aufgabe: die Abwehr der Außerirdischen. Und so führt The Bureau: XCOM Declassified uns zurück zum Ursprung, zur Gründung der Abteilung. Das liegt zwar etwas stark im von der Film-Industrie vorgegebenen Trend, allerdings macht es irgendwie auch Sinn, um dieses Spiel weiter von der Strategie-Reihe abzugrenzen.

Allzu sehr gewöhnen sollte man sich nicht an die verschiedenen Namen, denn stirbt jemand auf dem Schlachtfeld, dann bleibt das auch so.

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Und auch die Staffelung Projektil-, Laser-, Plasma-Waffen ist wieder mit dabei.

Spiele so schlecht, dass man es nicht glauben will. Aber gesehen müsst ihr sie haben! Spiele so schlecht, dass man es nicht glauben will.

Ausgangspunkt jeder Mission ist die tief unter dem Erdboden errichtete Kommandozentrale. Neben grundlegenden Informationen zur bevorstehenden Aufgabe wählt man hier die Zusammensetzung seines Teams, das neben dem Protagonisten Carter stets aus zwei weiteren Mitgliedern besteht. Zur Auswahl stehen Ingenieur, Kommando, Unterstützer und Aufklärer. Und davon jede Menge. Allzu sehr gewöhnen sollte man sich nicht an die verschiedenen Namen, denn stirbt jemand auf dem Schlachtfeld, dann bleibt das auch so. Er ist nicht nur verletzt oder weilt plötzlich wieder unter den Lebenden, nein, er ist für alle Zeit verloren. Um das während eines Einsatzes zu verhindern, muss man schnell agieren: In einem schmalen Zeitfenster besteht die Möglichkeit, ein Squad-Mitglied wiederzubeleben. Kommt man zu spät, war's das. Etwas gewöhnungsbedürftig. Aber, hey, wir sind schließlich im Krieg und nicht auf einem Ausflug ins Grüne.

Um über Atmosphäre sowie Story- und Charakterentwicklung zu sprechen, hätte man The Bureau von Beginn an sehen müssen und nicht erst mit einem weiter vorangeschrittenen Spielstand. Das werden wir zu gegebenem Zeitpunkt sicher nachholen. Ziel dieser Übung war vielmehr, das „neue" Gameplay zu zeigen. The Bureau ist nun viel mehr XCOM, als es bei seiner ersten Präsentation vor drei Jahren den Anschein hatte und sicher auch geplant war. Die Portion Taktik ist so hoch, dass das XCOM im Untertitel nicht wie ein belangloser Marketing-Spruch wirkt. Die Namensänderung selbst hingegen lässt darauf hoffen, dass 2K sehr überzeugt ist von The Bureau. So überzeugt, dass wir bei ausreichendem kommerziellen Erfolg sicher weitere Teile dieser neuen Marke im XCOM-Universum sehen werden.

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