Thunder Wolves - Test

Get to da choppa!

Es muss nicht immer Triple-A sein. Zugegeben, das ist jetzt nicht die bahnbrechendste Erkenntnis, aber oft sind es doch diese kleinen, günstigeren Spiele, die einem zwischen all den Hochglanz-Blockbustern etwas Abwechslung bescheren: mal mit Blick in die Vergangenheit des Mediums, mal mit mutigen Schritten nach vorn. Es sind sozusagen die kleinen, aber feinen und manchmal besonders leckeren Häppchen zwischen den größer budgetierten Mahlzeiten. Ein Titel mit wohligem Baller-Flair von gestern ist Thunder Wolves, und er legt es auch gar nicht darauf an, mit den großen Titeln zu konkurrieren. Warum auch? Wenn man den Vergleich zieht, könnte man ja eigentlich nur verlieren.

Mindless fun

Es gibt durchaus so einige Dinge, die man bei Thunder Wolves kritisieren könnte. Zum Beispiel die recht lächerlich anmutenden Laufanimationen von Charakteren. Oder die mit vier Stunden auf "Normal" relativ kurze Singleplayer-Kampagne. Aber viel wichtiger ist doch, dass es in dieser Zeit auf jeden Fall Spaß macht, sich nicht um irgendwelche realistischen Helikopter-Bewegungen kümmern zu müssen und alles wegballern zu können, was euch das Spiel vor die Nase setzt.

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Black Hawk Down. Oder so.

Man könnte auch sagen: In der Kürze liegt die Würze. Thunder Wolves ist im Umkehrschluss kein Spiel, das sich zu lang oder unnötig gestreckt anfühlt. Wobei ich gegen die eine oder andere abwechslungsreiche Stunde mehr natürlich nichts einzuwenden hätte. Überhaupt hat man sich bemüht, genügend Variation ins Spiel zu bringen, damit ihr nicht immer nur das Gleiche macht. Dazu zählen etwa immer wieder mal auftauchende Sequenzen, in denen die Perspektive ins Cockpit wechselt, euer Fluggerät wie in einem Rail-Shooter automatisch gesteuert wird und ihr lediglich das Geschütz bedient. Selbst in einem gepanzerten Bodenfahrzeug nehmt ihr einmal kurz Platz oder steuert eine kleine, aber mit MG und Raketen ebenso gut bewaffnete Mini-Heli-Drohne in eine Mine, um dort aufzuräumen.

Wie schon kurz angedeutet, schert sich das Spiel nicht wirklich um Realismus. Das macht sich einerseits an der Steuerung bemerkbar. Diese reagiert direkt und präzise auf eure Eingaben. Ihr habt euren Heli stets gut im Griff, ohne dabei wirklich auf kleinste Details wie Wind, Ausrichtung und dergleichen achten zu müssen. Taktisch beschränkt sich das Spiel weitestgehend darauf, das Fadenkreuz auszurichten und draufzuhalten. Zwischendurch weicht ihr den Geschossen der Gegner aus, wobei besonders die zielsuchenden Raketen zu einem Problem werden können und auf diese müsst ihr dann auch wirklich aufpassen, ausweichen und eure Täuschkörper abfeuern.

Aber um das noch mal klar zu sagen: Das hier ist eine Arcade-Ballerei in ihrer reinsten Form. Dementsprechend müsst ihr euch auch keine Sorgen um eure Munition machen, denn die ist unendlich vorhanden. Gewisse Einschränkungen gibt es aber doch, denn die verschiedenen Raketenarten beziehungsweise sekundären Angriffe müssen sich im Gegensatz zum MG erst wieder aufladen - je nach Effektivität mal mehr, mal weniger lang. Etwas schwerfällig lief nur der Raketenwechsel per Mausrad ab, den das Spiel manchmal erst - warum auch immer - nach mehrmaliger Ausführung erfasste. Nichts Dramatisches, aber schon ein wenig lästig, wenn man im Kampf gerne schnell hin- und herwechseln würde.

Solide Arbeit

Was die Story anbelangt, arbeitet ihr für eine Gruppe von Söldnern, die es hier in 13 Missionen und in vier verschiedenen Schauplätzen rund um die Welt mit bösen Terroristen aufnehmen. Mit der Ausgangssituation kann man nicht viel falsch machen. Ihr jagt zum Beispiel einem von Terroristen entführten, fahrenden Zug hinterher, der eine Atombombe transportiert, eskortiert und beschützt Verbündete am Boden oder unterstützt einen Kollegen, der mit einem Motorboot einen Flüchtigen auf einem Fluss verfolgt und dabei selbst unter Beschuss gerät. Aber wenn man ehrlich ist, spielt man Thunder Wolves nun auch nicht unbedingt wegen der Story. Ein paar coole Sprüche hier und da - einige wiederholen sich aber zu oft -, eine Vielzahl bedienter Klischees und fertig ist das hirnlose Action-Feuerwerk. Und das ist jetzt gar nicht mal despektierlich gemeint. Hier kommt es nur darauf an, dass ihr - egal ob Wüste, Dschungel, Insel oder Hacienda - alles niedermäht, was in euer Fadenkreuz läuft. Und das macht einfach Laune.

Texturen? Effekte? Landschaftsdetails? Sicherlich weit entfernt vom Top-Niveau, aber immer noch ganz okay. Wenigstens kann man mit seinen Geschützen und Raketen ganze Ortschaften oder Städte in Schutt und Asche legen, denn so gut wie jedes Gebäude zerfällt nach ausreichend Beschuss in seine Einzelteile. Denn warum einzeln die Soldaten vom Dach eines Hochhauses schießen, wenn man stattdessen gleich das ganze Gebäude wegsprengen kann? Manchmal ist man selbst durch solche Kleinigkeiten so einfach zufriedenzustellen. Dass ich am Ende den Erfolg für 1.000 zerstörte Gebäude bekam, zeigt ebenfalls, dass in diesem Spiel kein Stein auf dem anderen bleibt.

Texturen? Effekte? Landschaftsdetails? Sicherlich weit entfernt vom Top-Niveau, aber immer noch ganz okay.

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Immer wieder ballert ihr wie in einem Rail-Shooter aus dem Cockpit.

Grundsätzlich löblich ist außerdem, dass die Entwickler einen Koop-Modus integriert haben, mit dem man die komplette Kampagne spielen kann. Aber: Einerseits lässt sich das Ganze lediglich lokal vor einem Rechner spielen, nicht via Internet. Andererseits seid ihr dann auch nicht mit zwei Helikoptern unterwegs, sondern ein Spieler übernimmt die Kontrolle über Steuerung und Maschinengewehr, der andere über die Raketen. Das fällt dann doch eher in die Kategorie „nett" und ist noch ausbaufähig. Einen richtigen Multiplayer-Modus gibt es nicht.

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Schade ist auch, dass man zwischen den Missionen nicht ein wenig an den Helikoptern herumschrauben, ihre Bewaffnung selbst festlegen oder sie ein wenig verbessern kann. Ihr bekommt zwar im Verlauf der Kampagne Zugriff auf insgesamt neun verschiedene Fluggeräte mit unterschiedlichen Werten für Geschwindigkeit oder Panzerung, wirklich entscheidend bemerkbar macht sich das jedoch nicht. Und abgesehen von ein paar weiteren Lackierungen und Auszeichnungen für gesammelte Punkte war es das dann auch schon.

Sollte euch nicht alleine schon die Tatsache abschrecken, dass ein Spiel technisch eher durchschnittlich und obendrein noch relativ kurz ist, könnt ihr mit Thunder Wolves auf jeden Fall Spaß haben. Zumindest hatte ich den in den wenigen Stunden, die mich die Kampagne des Spiels beschäftigte. Ein solides, kleines Shoot 'em up, das obendrein fehlerfrei funktioniert. Letzten Endes passt die Beschreibung „fire and forget" wohl ganz gut, sofern man es wirklich wörtlich übersetzt. Ein paar Stunden Spaß haben und wieder vergessen. Gegen eine etwas längere Fortsetzung mit mehr Optionen, einem ausgebauten Koop-Modus und richtigem Multiplayer hätte ich aber keineswegs etwas einzuwenden.

6 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Thunder Wolves - Test Benjamin Jakobs Get to da choppa! 2013-05-16T09:00:00+02:00 6 10

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