Anomaly 2 - Test

Angriff ist immer noch die beste Verteidigung.

Ataris Rampart legte vor 23 Jahren mehr oder weniger den Grundstein für die heutigen Tower-Defense-Spiele. Schon damals kamen dort entsprechende Elemente zum Einsatz, etwa der Bau von Türmen zur Verteidigung eines Territoriums oder deren Reparatur. Es dauerte jedoch bis zu den 2000ern, bevor Maps für StarCraft, Age of Empires 2 oder WarCraft 3 vermehrt von einer ähnlichen Spielmechanik Gebrauch machten und quasi die nächste Evolutionsstufe darstellten. Und zum Ende der letzten Dekade hin entstand dann so etwas wie ein kleiner Tower-Defense-Boom. Fast an jeder Ecke sprossen neue Vertreter des Genres aus dem Boden.

Die andere Seite

In die Kategorie der Tower-Defense-Spiele fallen theoretisch auch Anomaly 2 und dessen Vorgänger Anomaly: Warzone Earth, wobei man sich bemüht hat, nicht einfach noch einen weiteren unter vielen Tower-Defense-Titeln zu entwickeln. Wie das klappt? Ganz einfach: Die Entwickler drehten schlicht und ergreifend den Spieß um und machten aus Tower Defense kurzerhand Tower Offense. Ein relativ simpler Gedankengang, aber ein effektiver.

Auch in Anomaly 2 baut ihr in der Einzelspieler-Kampagne keinen einzigen Turm, ihr spielt vielmehr die Seite, die sich zwischen all den Verteidigern hindurchbewegt. Und das ist wiederum nicht minder spannend oder anspruchsvoll. Hier geht es ebenso darum, dass ihr die richtige Taktik und die richtige Einheiten-Zusammenstellung findet, um die vor euch liegenden Bollwerke zu durchbrechen.

Der Geschützpanzer ist hilfreich gegen Strukturen, die durch Schilde geschützt werden.

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Wenn aus intelligence ministry Intelligenz-Ministerium wird. Die Übersetzung ist nicht immer perfekt.

Euch stehen dabei stets sechs Einheitenslots zur Verfügung, die ihr - die nötigen Ressourcen vorausgesetzt - jederzeit und überall füllen könnt. Obendrein könnt ihr die Formation zu jeder Zeit nach Belieben verändern, verpasst euren Fahrzeugen ein Upgrade oder verkauft sie wieder. Das ist manchmal auch nötig, wenn die Situation etwa besser gepanzerte Fahrzeuge erfordert oder ihr in der Mitte eine Unterstützereinheit platzieren wollt, die die anderen um sich herum mit Schutzschilden absichert.

Insgesamt gibt es zwar nicht allzu viele Truppentypen, jedoch besteht bei jeder Einheit die Möglichkeit der Transformation. So bekommt ihr beispielsweise eine Art Panzer, der zwar ordentlich austeilen kann, dessen Geschützturm aber nur nach vorne beziehungsweise leicht zur Seite feuern kann. Ganz nützlich, wenn man sich auf einer längeren, geraden Strecke entlangbewegt. Transformiert ihr dieses Gefährt, erhaltet ihr einen Kampfläufer mit Raketen, der zwar nicht ganz so durchschlagskräftig ist - und nichtsdestotrotz immer noch gut Schaden anrichtet -, doch dafür in alle Richtungen feuern kann.

Ein weiteres Beispiel wäre der Geschützpanzer, der anfänglich noch recht langsam feuert und erst nach wenigen Sekunden auf Betriebstemperatur kommt. Dann lässt er Dauerfeuer auf die Gegner niederprasseln. Das eignet sich hervorragend, wenn mehrere Türme direkt hintereinander kommen, denn wenn die Pause zwischen gegnerischen Strukturen zu groß ist, kühlt sich das Geschütz wieder ab. Auch ist der Geschützpanzer hilfreich gegen Strukturen, die durch Schilde geschützt werden. Diese haben sechs Schildflächen, und wenn eine davon nach gerade mal einem einzigen Treffer zusammenbricht, rotiert der Schild und die nächste Fläche ersetzt die zusammengebrochene. Eine schnell feuernde Einheit wie der Geschützpanzer durchbricht die Schilde daher mit Leichtigkeit, ganz im Gegensatz zu den Kampfläufern mit ihren Raketen, die erst einmal nachladen müssen.

Mittendrin statt nur dabei

Ihr steuert das Ganze aus der Vogelperspektive, seid aber mehr als nur der unsichtbare Kommandeur. Der Commander rennt vielmehr als Fußsoldat mit über die Schlachtfelder und spielt taktisch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Insgesamt stehen im nämlich vier Aktionen zur Verfügung, die im Verlauf der Kampagne freigeschaltet werden. Einmal habt ihr die Möglichkeit, Einheiten in einem bestimmten Radius zu reparieren, was automatisch geschieht, sobald ihr eine entsprechende Markierung anbringt. Dann wiederum könnt ihr Köder aussetzen, was insbesondere bei den großen Behemoth-Geschützen der Aliens sinnvoll ist, da diese mit ihren Geschossen mehrere Einheiten beschädigen. Einfach einen Köder weit entfernt von euren Truppen platzieren und schon hat das Geschütz erst einmal zu tun.

Weiterhin gibt es noch einen EMP-Angriff, der Türme außer Gefecht setzt - zumindest, bis sie Schaden einstecken, dann werden sie wieder aktiv. Es ist allerdings eine gute Gelegenheit, bei ganzen Turmgruppen erst einmal für etwas Entlastung zu sorgen. Zu guter Letzt steht euch noch eine Zielmarkierung zur Verfügung. Damit könnt ihr Prioritätsziele für eure Kolonne festlegen, damit diese etwa nicht auf viele unterschiedliche Türme, sondern vornehmlich auf ein bestimmtes Objekt feuert, zum Beispiel die größte und gefährlichste Verteidigungsanlage unter mehreren.

Diese Fähigkeiten sind nur begrenzt oft einsetzbar, also geht sorgsam und nicht verschwenderisch damit um. Ihr sammelt zwar bei zerstörten Türmen immer wieder neue ein, aber wisst vorher nie, welches Extra ihr nun bekommt. Wer klug ist, behält daher immer ein paar Notreserven in der Hinterhand. Euer Commander heilt sich übrigens automatisch, daher könnt ihr mit ihm auch schon mal ein bisschen nach vorne stürmen und etwa EMPs frühzeitig einsetzen.

Richtungswechsel

Eure Einheiten marschieren währenddessen nicht nur stur die Straßen entlang, ihr könnt in gewissem Rahmen selbst die Wege bestimmen. Zoomt ihr per Mausrad in die taktische Ansicht, wird das Geschehen pausiert, und ihr seht die aktuelle Route eurer Truppen. Nun habt ihr die Gelegenheit, an jeder Kreuzung die Richtung zu ändern - auch über viele, viele Kreuzungen im Voraus. Das ist manchmal auch ganz sinnvoll, wenn man etwa Türme von hinten angreift, die sich entweder nur recht langsam oder gar nicht drehen und man so einen taktischen Vorteil erlangt. Manchmal hilft es euch zudem dabei, einen etwas sichereren Pfad mit weniger Geschützen zu beschreiten, während am Wegrand auch immer mal wieder die eine oder andere Extraladung Ressourcen darauf wartet, von euch aufgesammelt zu werden. Obendrein erhaltet ihr für jeden zerstörten Verteidiger eine kleine Menge an Rohstoffen.

Da ihr die Verteidigungstürme, die vor euch liegen, stets sehen könnt, habt ihr auch die Gelegenheit, schon frühzeitig eine Route zu planen.

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In der taktischen Ansicht plant ihr eure Marschroute.

Hierbei kommt es ebenso auf schnelle Entscheidungen wie auf eine langfristige Planung an. Da ihr die Verteidigungstürme, die vor euch liegen, stets sehen könnt, habt ihr auch die Gelegenheit, schon frühzeitig eine Route zu planen oder euch zu überlegen, aus welcher Richtung ihr das Ganze nun anpackt. Fangt etwa in einem nicht ganz so gut geschützten Teil an und dann arbeitet ihr euch nach erfolgreicher Säuberung weiter voran. Theoretisch könnt ihr den kompletten Weg durch ein Areal vorab planen und müsst nicht ständig vor der nächsten Kreuzung in die taktische Ansicht wechseln, aber manchmal überlegt man es sich dann doch noch anders und ist froh, diese Freiheiten bei der Anpassung der Route zu haben. Einen kompletten Level müsst ihr, sofern ihr scheitert, übrigens nicht wieder von vorne beginnen, denn erfreulicherweise haben die Entwickler eine Reihe von Checkpoints in nicht zu großen und auch nicht zu kleinen Abständen in den Missionen verteilt. Vorbildlich.

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Insgesamt besteht die Kampagne aus 14 Missionen, in denen ihr stets die Rolle des Angreifers einnehmt. Im neuen Multiplayer-Modus kann man schließlich auch das klassische Tower-Defense-Spielerlebnis bekommen, sofern ihr denn die Seite der Verteidiger wählt und eure Gebäude wie gewohnt in der Gegend platziert, um wiederum den Angreifer aufzuhalten. Das Gute daran ist: In der Kampagne habt ihr zwar nicht die Aliens selbst gespielt, kennt dann jedoch nichtsdestotrotz die Feinheiten, Vorzüge und Eigenschaften ihrer Türme, müsst euch also nicht großartig einarbeiten.

Anomaly 2 verfolgt auch weiterhin den frischen Ansatz seines Vorgängers, ohne dabei jedoch allzu revolutionäre Neuerungen zu bieten. Eine gute und weiter verfeinerte Fortsetzung also, die ein gleichermaßen spannendes und taktisch orientiertes Spielerlebnis bietet. Die größte Neuerung ist hier der Multiplayer-Modus, in dem einer der Spieler in klassischer Tower-Defense-Manier als Verteidiger auftritt. Auch abseits der Kampagne erwarten euch also noch einige schöne Stunden, wobei ein menschlicher Gegenspieler natürlich immer unberechenbarer ist, als die KI in den Kampagnen-Missionen. Solltet ihr schon am Vorgänger Gefallen gefunden haben, könnt ihr hier bedenkenlos zugreifen, aber auch für alle anderen, die mal die andere Seite der Tower-Defense-Medaille kennenlernen wollen, lohnt sich ein Blick.

7 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Anomaly 2 - Test Benjamin Jakobs Angriff ist immer noch die beste Verteidigung. 2013-05-21T12:00:00+02:00 7 10

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