Tom Clancy's The Division: Prachtvoll geht New York zugrunde

Ubisoft überraschte das Publikum der E3 dieses Jahr mit einem MMO-Open-World-Action-RPG für Xbox One und PS4.

Tulsa in Trümmern! Norman entvölkert! Lawton in Ruinen! Oklahoma ist das Epizentrum der Apokalypse!

Nein, sorry. Das passt nicht. Neun von zehn Autoren dystopischer Endzeitfantasien sind sich einig: Wenn's dereinst kracht, dann muss New York City als erste amerikanische Stadt vor die Hunde gehen. Oder gehört zumindest unter die ersten drei.

In Tom Clancy's The Division besorgen Killerviren den gesellschaftlichen Zusammenbruch rund um den Big Apple. Die tödlichen Biester pappen auf jenen Dollarnoten, die zu Millionen am 'Black Friday' über die Ladentheken wandern - in den Vereinigten Staaten traditionell Startschuss der Weihnachtseinkaufssaison, am ersten Freitag nach Thanksgiving (danke Wikipedia). Schlappe drei Wochen später sind Manhattan und Umgebung ein Trümmerfeld: die Geschäfte geplündert, der Strom ausgefallen, Autowracks verstopfen die Straßen, Feuer lodern hie und da, Schnee deckt meterhohe Müllberge zu, Schüsse und Schreie echoen zwischen den Hochhäusern.

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Wenn The Division nur halbwegs so gut ausschaut wie auf den Screenshots, setzt der Titel Maßstäbe.

Ihr seid Mitglied einer geheimen Spezialeinheit namens 'Division', deren Stärke in der dezentralen Organisation liegt - die Agenten handeln ohne Befehl aus dem Hauptquartier in Washington und organisieren sich selbstständig. Eure Aufgabe: Den Menschen helfen und die Hintergründe der Epidemie aufklären. Ob ihr alleine loszieht oder im Team agiert, bleibt euch dabei selbst überlassen. The Division versteht sich als "Online-Open-World-Action-RPG", was im Endeffekt auf eine Kreuzung zwischen MMO und Deckungsshooter hinauslaufen dürfte.

Ist die Stadt erst ruiniert ...

Ubisoft zeigte auf der E3 eine Mission, in der vier Spieler eingesperrte Beamte in einer Polizeiwache befreien. Ein Team aus drei Kämpfern lieferte sich dabei einen Schusswechsel mit schwer bewaffneten Plünderern, während der vierte Kollege seine Mitstreiter mittels Tablet-gesteuerter Drone aus der Luft unterstützte. Schon beim Zuschauen bleibt einem da die Spucke weg - die Grafik ist fantastisch. Charaktere und Umgebung strotzen vor Details. Beleuchtung, Reflexionen, Partikeleffekte, Physik - die Snowdrop-Engine setzt Maßstäbe. Kugeln zerplatzen in Hunderten Staubfontänen, ein Polizeifahrzeug klappt realistisch zusammen, als der Spieler die Hinterreifen zerschießt, Autotüren, Windschutzscheiben und Plakatwände werden dynamisch von Projektilen durchsiebt - kaum verwunderlich, dass angesichts dieser optischen Pracht diverse Kollegen der Fachpresse zweifeln, dass Ubisoft hier tatsächlich echte Spielszenen gezeigt hat.

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Geschosse explodieren in Staubfontänen, Einschusslöcher werden dynamisch berechnet.

Grafikmogelei hin oder her, Rückschlüsse zum Gameplay lassen sich auf jeden Fall ziehen. Außerdem haben die Entwickler von Massive Entertainment das ein oder andere Detail verraten. Die Steuerung dürfte einem typischen Deckungsshooter entsprechen. Ihr nehmt Bösewichte aus der Schulterperspektive aufs Korn, geht hinter Fahrzeugen in Deckung, springt über Mauern oder rutscht über die Motorhaube eines geparkten Autos. Erinnerte mich an die flüssigen Moves eines Sam Fisher in Splinter Cell: Blacklist. Wie detailliert solche Bewegungen in The Division animiert werden, fällt während der gezeigten Demo ins Auge: Als der Spielercharakter entlang der Seite eines Polizeiwagens kriecht, schließt er beiläufig die offene Fahrertür, weil sie seinen Weg blockiert. Solche Kleinigkeiten werden anderswo gern übersehen.

Schon beim Zuschauen bleibt einem da die Spucke weg - die Grafik ist fantastisch. Charaktere und Umgebung strotzen vor Details.

Das HUD schiebt sich dezent als goldgelbes Raster über das Spielgeschehen, ähnlich wie man es in Watch Dogs gesehen hat, hebt interaktive Gegenstände hervor, wie zum Beispiel das Schwarze Brett in der Polizeiwache, durch das man seiner eigenen Übersichtskarte neue Infos hinzufügen kann oder ein Maschinengewehr, das der Spielercharakter nach dem Einsatz im Polizeirevier erbeutet. Sehr schön auch die Umgebungskarte, die bei Bedarf einfach auf den Boden rund um den Helden projiziert wird oder das Menü, das als Holografie über seiner Armbanduhr erscheint.

Tolle Gadgets - auch auf Tablets und PCs?

Neben dem riesigen Angebot moderner Schießprügel dürfen natürlich die obligatorischen High-Tech-Gadgets in diesem Tom-Clancy-Produkt nicht fehlen. Sei es der Sonarblick durch Wände, die ferngesteuerte Robotergranate oder der mobile Geschützturm fürs Handgepäck. In The Division soll dabei ein klassenloses Skill-System zum Einsatz kommen, aus dem man sich frei bedienen darf. Die Spieler können allerdings nur zwei Fertigkeiten auf einmal nutzen, wie Ryan Bernard in einem Video-Interview verraten hat. Dadurch wollen euch die Entwickler das Gruppenspiel schmackhaft machen - man soll aber auch alleine erfolgreich questen.

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Per Tablet könnt ihr eure Kollegen als fliegende Drohne unterstützen.

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Wie bereits erwähnt, soll man auch per Tablet seinen Kameraden zur Hilfe eilen können. Der Spieler sieht dann als Drohne das Geschehen aus der Luft, kann Feinde markieren und schwächen, Buffs an befreundete Einheiten schicken oder Angreifer per Luftschlag ausschalten.

Was ich noch interessant fand: Am Schluss der gezeigten Mission rief die Kollegin per Leuchtpistole einen Transporter zur Abholung des Teams, was 90 Sekunden dauern sollte. Das nutzte eine Gruppe anderer Spieler für einen Hinterhalt. Open-World-PvP in den Straßen von New York? Klingt vielversprechend.

2014 soll Tom Clancy's The Division für Xbox One und Playstation 4 erscheinen. PC-Fans schauen also offenbar zunächst einmal in die Röhre. Doch nicht verzagen: In einer Twitternachricht haben die Macher eine Umsetzung für andere Plattformen ausdrücklich in Erwägung gezogen. Man schließe jedenfalls nichts aus.

Tom Clancy's The Division - E3-Gameplay-Video

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