Killzone: Mercenary - Test

Endlich hat die Vita ihren ersten Shooter-Kracher.

Liebes Activision,

wenn du dich jemals dafür entscheiden solltest, ein weiteres Call of Duty auf die PlayStation Vita zu bringen, dann orientiere dich doch bitte an Killzone: Mercenary.

Liebe Grüße

Zugegeben, es ist jetzt nicht ganz so schwierig, einen besseren Shooter auf der Vita abzuliefern als es bei Call of Duty: Black Ops Declassified der Fall war. Und es überrascht auch nicht wirklich, dass es mit Guerrilla Cambridge einen First-Party-Entwickler braucht, um Sonys jüngstem Handheld den ersten richtig guten First-Person-Shooter zu bescheren. Perfekt ist das Vita-Debüt der Killzone-Reihe nun sicher auch nicht, aber dennoch ein leuchtendes Vorbild für all die Entwickler da draußen. So wird's gemacht, nehmt euch ein Beispiel daran.

Muskelspiele in doppelter Hinsicht

Dabei lässt Killzone: Mercenary allen voran in technischer Hinsicht die Muskeln spielen und wischt mit der bisher auf der Vita erhältlichen Konkurrenz kurzerhand den Boden auf. Unter der Haube von Mercenary werkelt die leistungsstarke Killzone-3-Engine in einer natürlich an die Vita angepassten Version. Die selbst angefertigten Screenshots in diesem Artikel vermitteln euch bereits einen guten Eindruck der grafischen Qualität, wobei das Ganze in Bewegung noch besser aussieht und verdeutlicht, wozu die Vita in der Lage ist.

Andererseits lässt der Hauptcharakter Arran Danner in Killzone: Mercenary seine Muskeln spielen, gehört er doch zu einer Gruppe muskelbepackter Söldner. Die scheren sich eigentlich nicht so sehr darum, ob sie nun für die ISA oder die Helghast Aufträge erfüllen, Hauptsache am Ende stimmt die Belohnung auf dem Konto. Und so erledigt ihr im Verlaufe der Story zwar die Mehrheit der Kampagnenmissionen für die ISA, betätigt euch aber ebenso als Allzweckwaffe für die Helghast, was auch seine guten Gründe hat.

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Ein kleiner Flug durch die Stadt.

Dabei scheut man sich nicht davor, regelmäßig die grafischen Fähigkeiten des Spiels zu demonstrieren. Zu Beginn schießt ihr euch etwa erst ein wenig durch ein Hochhaus, nur um dann von dort aus in einer Wingsuit zu einem anderen, etwas weiter entfernten Gebäude zu gleiten, während euch ein schöner Panoramablick auf die Stadt geboten wird - und das wohlgemerkt alles in Echtzeit-Grafik. Solche Augenschmankerl hat das Spiel einige zu bieten.

Die KI verhält sich währenddessen ganz gut. Die feindlichen Soldaten verfügen über unterschiedliche Verhaltensmuster und versuchen euch das Leben möglichst schwer zu machen. Manche bleiben in Deckung und feuern von dort auf euch, andere stürmen in eure Richtung, versuchen mit ihrer Schrotflinte an euch heran zu kommen oder stürzen sich in den Nahkampf. So müsst ihr immer die Augen offen und die Übersichtskarte am unteren Bildschirmrand im Blick behalten, um nicht plötzlich überrumpelt zu werden. Besonders auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad ist das kein Zuckerschlecken, zumal die Gegner meist recht gut zielen. Langweilig wird euch so jedenfalls garantiert nicht.

Variable Spieldauer, vielfältige Kampagne

Für mich persönlich war die Kampagne in einem einzelnen Durchgang ein eher kurzes Vergnügen. Nach drei Stunden und 40 Minuten - laut Angaben im Spielerprofil - hatte ich die neun Story-Missionen durchgespielt, was auf den ersten Blick sicherlich etwas ernüchternd klingt. Das ist zwar immer noch mehr als dreimal so lang wie die Kampagne von Call of Duty auf der Vita, aber unterscheidet sich auch ziemlich deutlich von Sonys Angaben, etwa auf der Produktseite von Amazon, wo von rund einer Stunde pro Mission die Rede ist. Wie kommt das?

"Killzone: Mercenary lässt allen voran in technischer Hinsicht die Muskeln spielen und wischt mit der bisher auf der Vita erhältlichen Konkurrenz kurzerhand den Boden auf."

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Informationen verraten euch eure Feinde nicht freiwillig.

Nun, das liegt zum Beispiel daran, dass ihr viele Situationen in der Kampagne auch leise lösen könnt - oder zumindest die Chance dazu habt. Das beansprucht dann auch entsprechend mehr Zeit, wenn ihr durch die Gegend schleicht, Kameras zerstört, euch die richtigen Zeitpunkte für das Ausknipsen eurer Feinde sucht, wartet, bis sie alleine sind oder ihr gleich mehrere auf einmal ausschalten könnt. Bei meinen drei Stunden und 40 Minuten ist also durchaus noch einiges an Luft nach oben, was aber eben stark von eurer Spielweise abhängt. Wenn ihr euch nur durchballert - was ich nicht ständig getan habe, aber oft -, dürftet ihr ähnlich schnell durch sein. Wirklich konkrete Nachteile ergeben sich jedoch nicht daraus, wenn ihr das tut. Ihr bekommt es meist nur mit mehr Gegnern zu tun, wenn man euch entdeckt.

Für Wiederspielwert will man unterdessen nicht nur durch die Trophäen sorgen, ihr könnt auch in den einzelnen Missionen Informationen sammeln, die euch mehr Hintergrunddetails zu den Geschehnissen offenbaren. Die findet ihr einerseits an Terminals und andererseits indem ihr bestimmte Gegnertypen verhört, die sich optisch vom Rest unterscheiden und ebenso auf dem Radar entsprechend markiert werden. Und ihr müsst die Informationen wirklich freundlich aus ihnen herausquetschen, denn wenn ihr sie tötet, bekommt ihr sie nicht. Dazu schleicht ihr euch beispielsweise von hinten an, um die entsprechende Aktion per Tastendruck zu starten. Alternativ könnt ihr, sofern sie bereits über eure Anwesenheit informiert sind, auch Betäubungspfeile nutzen, um sie vorübergehend außer Gefecht zu setzen und dann zu verhören.

Weiterhin schaltet ihr nach erstmaliger Erfüllung der Story-Missionen weitere Herausforderungen für sie frei, die in die Bereiche „Präzision", „Verdeckt" und „Zerstörung" aufgeteilt sind und jeweils verschiedene Aufgabenstellungen umfassen. Nehmen wir die erste Mission als Beispiel und wählen die Zerstörungs-Herausforderung. Hier bestimmt alleine schon mal der gewählte Schwierigkeitsgrad, wie viel Geld ihr als Belohnung für den Abschluss erhaltet. Um die Mission in Angriff zu nehmen, benötigt ihr außerdem eine „Sky Fury"-Drohne, die für Luftunterstützung sorgt. Im Verlaufe der Mission müsst ihr dann drei Munitionskisten zerstören, 20 Feinde im Nahkampf erledigen, eine Dreifach-Eliminierung erzielen und einen Panzer mit der Sky Fury zerstören. Mit den jeweils drei Herausforderungen pro Mission erhöht sich die Spieldauer natürlich nochmals beträchtlich.

"Mit den jeweils drei Herausforderungen pro Mission erhöht sich die Spieldauer nochmals beträchtlich."

Ein echtes Söldnerleben

Als Söldner werdet ihr in Killzone: Mercenary nicht nur für erledigte Aufträge bezahlt, sondern auch für viele andere Dinge. Zum Beispiel Kills in schneller Abfolge, zerstörte Kameras, Nahkämpfe, leise Attentate von hinten, Kopfschüsse oder die Durchquerung eines Bereichs, ohne Alarm auszulösen. Euer Kontostand steigt jedenfalls stetig und ihr könnt euer hart verdientes Geld anschließend wieder in Primär- und Sekundärwaffen, verschiedene Drohnen, Granaten oder Panzerungen investieren.

Letztere helfen euch auch bei bestimmten Vorgehensweisen. Manche dämpfen eure Geräusche etwa besser, wodurch ihr mit einer entsprechenden Panzerung und schallgedämpften Waffen wirklich einen reinen Infiltrator spielen könnt. Oder ihr entscheidet euch für die Panzerung, die ordentlich einstecken kann und werft euch stets ohne Rücksicht auf Verluste mitten hinein ins Geschehen. Wie ihr Killzone: Mercenary also spielen wollt, liegt an euch.

Online-Kriegsspiele

Das alles setzt sich im Multiplayer-Modus nahtlos fort. Auch hier verdient ihr euch weitere Ingame-Credits und könnt mit bis zu acht Spielern in drei verschiedenen Spielmodi auf insgesamt sechs Schlachtfeldern antreten. Einerseits hätten wir da den „Söldnerkrieg", quasi ein klassisches Deathmatch. Hier zählt am Ende aber nicht die Anzahl der Kills, es gewinnt vielmehr derjenige, der innerhalb eines Zeitlimits die meisten Vektan Dollar verdient hat.

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Die Killzone-3-Engine lässt auf der Vita ihre Muskeln spielen.

Der „Guerillakrieg" ist der teambasierte Deathmatch-Modus. Hier zählen wiederum die meisten Kills und das Team, das hier nach Ablauf der Zeit die Nase vorn hat, gewinnt auch. Der Modus „Kriegszone" umfasst unterdessen verschiedene Aufgabenstellungen, bei denen es auf Teamwork ankommt. Manchmal müsst ihr Informationen von kampfunfähigen Feinden sammeln, indem ihr sie verhört, sammelt als Kopfgeldjäger Heldenkarten gefallener Kontrahenten oder eliminiert schlicht und ergreifend alle Feinde.

Zum Abschluss noch kurz ein paar Worte zur Steuerung, obwohl es dazu eigentlich nicht viel mehr zu sagen gibt als das, was ich bereits vor kurzem in meiner Vorschau angesprochen hatte. Funktioniert einwandfrei, kommt ohne nervige Touch-Features aus und steht euch somit nicht als Hindernis im Weg. Ein großes Lob dafür. Die Touch-Funktionen wurden sparsam, aber sinnvoll eingesetzt, etwa zum Kauf beim Waffenhändler oder für Nahkämpfe, bei denen ihr den Finger in die angezeigte Richtung über den Screen zieht.

Wenn ihr bis jetzt auf einen wirklich guten First-Person-Shooter für euren nach Software lechzenden Handheld gewartet habt: Hier ist er. Viel besser hätte die Premiere der Killzone-Reihe auf der Vita nicht laufen können. Gut, ich hätte mir vielleicht noch die eine oder andere Kampagnenmission oder Multiplayer-Map mehr gewünscht, aber auch so schnürt Guerrilla Cambridge hier ein sehr feines Shooter-Paket für euch, das euch wirklich lange beschäftigen kann, wenn ihr nicht nur auf ein einmaliges Durchspielen der Kampagne aus seid oder euch stumpf durchballern wollt. Wer auch immer jetzt einen Shooter auf die Vita bringen will, sollte sich das hier als Beispiel nehmen. Hervorragende Grafik, wunderbar funktionierende Steuerung und es gibt viel zu tun. Mehr kann man sich eigentlich nicht erwarten.

8 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Killzone: Mercenary - Test Benjamin Jakobs Endlich hat die Vita ihren ersten Shooter-Kracher. 2013-09-04T09:00:00+02:00 8 10

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