NBA 2k14 - Test

LeBron und LeBron lassen.

Ein bisschen schade ist es ja schon, dass Visual Concepts mit jeder neuen Jahresausgabe einige Spielmodi wieder aus dem Konzept kickt. Auch wenn es wohl meist aus lizenzrechtlichen Gründen nicht anders zu machen ist, fehlt mir die Jordan Challenge der 2K11-Ausgabe doch sehr. Und auch die klassischen Match-Ups des Nachfolgers waren eine tolle Ergänzung, über deren Verlust der nette, aber letztlich nicht gerade bahnbrechende Dream-Team-Modus der letzten Version nicht hinwegtrösten konnte.

In diesem Jahr zeigt die Formkurve was Sondermodi angeht, wieder steil nach oben. Nicht nur bringt 2K14 den online sehr beliebten Crew-Modus zurück, bei dem sich euer Karriere-Spieler mit anderen Ballern zusammentut. Lebron: Path to Greatness, bei dem ihr in den Sneakern des aktuell wohl besten Spielers der Welt schlüpft und mehr oder weniger den Rest seiner Karriere nachspielt, ist zudem wieder ein deutlich einnehmenderer Bonus als im letzten Jahr. Ihr entscheidet in beschränktem, aber doch entscheidenden Maße darüber, wie es nach der Saison 2013 / 2014 mit King James weitergehen soll und ballert euch auf seinen weiteren Stationen durch viele, teils gescriptete Highlight-Match-Ups bis ans Ende seiner Laufbahn. Hier präsentiert sich das Spiel in einer Frische, die vielen anderen Sportspielen in ihrer x-ten Ausgabe abgeht.

Diesmal keine 'Jay-Z Production'

Eigentlich fehlt dieser Pepp in einigen Bereichen auch NBA 2K14, denn der Association-Modus und die Karriere für euren selbst geschaffenen Spieler sind nahezu unverändert - inklusive der drögen und gestelzten Pre-Draft-Befragungen - ins neue Jahr rübergeschlittert. Das sind gute Spielarten, keine Frage, aber hier und da hätte es ein paar Veränderungen durchaus gebraucht, immerhin sind es doch gerade diese beiden Modi, in die die Spieler auch in dieser Saison wieder Hunderte Stunden zu versenken gedenken. Da hilft es nicht gerade, dass man nach Spielen immer wieder mit den gleichen Fragen konfrontiert wird, die man beim letzten Mal schon am liebsten wegklicken wollte, aber nicht durfte.

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Kevin Harlan und Steve Kerr geben einmal mehr den besten Sportspiel-Kommentar der Branche ab.

Und doch wird man beide Varianten auch in diesem Jahr wieder sehr genießen, denn auf dem Court marschiert NBA 2K munter weiter, um auch in Abwesenheit einer wirklichen Konkurrenz an seinen Talenten zu feilen. Besonders in der Verteidigung hat man nun deutlich mehr Spaß. Man hat das Gefühl, mit dem richtigen Timing deutlich häufiger dazu zu kommen, die Hand oder zumindest einen Finger an das Leder zu bekommen, was in der Vergangenheit so oft in einem Foul resultierte, dass man sich an einem Steal meist erst gar nicht versuchte. Das gilt auch für Shot-Block-Versuche, die nun regelmäßiger zumindest in die Nähe kommen, die Flugbahn des Balles entscheidend zu beeinflussen (und ganz nebenbei gesagt, wenn sie gelingen, einfach fantastisch aussehen). So macht es deutlich mehr Spaß, eng am Gegenspieler zu kleben und sich in einem harten Match-Up aufzureiben.

Im Angriff hat man die Steuerung einmal mehr umgestellt, was nicht jedem gefallen muss. Anstatt wie in der Vorjahresversion durch den linken Trigger und den rechten Stick einen Schussversuch zu wagen, ist der Trigger nicht mehr vonnöten beziehungsweise macht er etwas anderes. Tippt den Analogstick rechter Hand an, während ihr LT respektive L2 haltet, um einen rasanten und sehr befriedigenden No-Look-Pass in die gewünschte Richtung zu pfeffern. Das ist gerade bei Fast-Breaks sicherlich einer der coolsten neuen Einfälle und fühlt sich klasse an, bedeutet aber auch, dass Wurf zusammen mit Finten und Dribblings allein mit dem rechten Analogstick gesteuert werden, was eine gewisse Umstellung erfordert. Einen guten halben Tag gibt man also auch in diesem NBA 2K den virtuellen Idioten, bis die Steuerung sitzt. Dann aber gehen Dribblings und Schüsse noch fließender ineinander über. Serienprofis dürften die Änderung letzten Endes zu schätzen wissen.

Wenn du mit deinem Latein am Ende bist: einfach mal 'nen Spielzug aufrufen!

Neu ist auch, dass man Spielzüge nun auch in halbautomatischer Manier aufrufen kann. Ein Druck auf den linken Bumper ('L2') und der Spielcode startet ein der Situation eigentlich immer angemessenes Play. Wenn einen die gut aufspielende KI mal wieder ratlos dastehen lässt, ist es fast immer eine gute Idee, sich auf diese Weise gewissermaßen vom Spiel coachen zu lassen.

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Wurde eigentlich auch mal Zeit: Euroleague Teams in NBA 2K!

"Die 14 Euroleague-Teams sind eine willkommene Ergänzung, die in Zukunft gerne noch weiter mit entsprechenden Modi unterfüttert werden darf"

Inhaltlich ist ansonsten alles beim guten alten, wenn auch mit einigen Ergänzungen. Mit myTeam baut Visual Concepts in diesem Jahr sein FIFA-artiges Kartenspiel weiter aus. Neue Modi alleine oder im Wettbewerb mit anderen Spielern teilen die Spielerkarten nun in verschiedene Farben von Gold bis Saphir und auch aktuelle Entwicklungen in der echten NBA fließen in Teile von myTeam ein. Ich hätte diese Art von Detailversessenheit zwar lieber in myCareer oder dem Association-Modus gesehen, weiß aber sehr wohl, dass einige Leute es genau anders herum haben wollen. Freunde europäischen Basketballs erleben unterdessen erstmals 14 Euroleague-Spitzenteams von Olympiacos Piräus über FC Barcelona bis hin zu Alba Berlin in einem NBA 2K. Eine willkommene Ergänzung, die in Zukunft gerne noch weiter mit entsprechenden Modi unterfüttert werden darf.

Technisch sind am Ende dieser Konsolengeneration keine gewaltigen Sprünge mehr zu erwarten. Das war in diesem Fall aber auch nicht wirklich nötig, denn im Fall von NBA 2K gilt weiterhin, wer nur durch das Spielzimmer streift und lediglich einen beiläufigen Blick auf den Fernseher wirft, der hält das Geschehen auf dem Bildschirm durchaus schon mal für die TV-Übertragung einer echten Partie. Die Animationen sind in Vielfalt und Feinheit genreübergreifend unerreicht. Und die exzellente Kollisionsanfrage verhindert zuverlässig, dass Körperteile durcheinander clippen und sich überschneiden, wie es nicht vielen anderen Videospielen gelingt. Das Resultat ist in Bewegung eine beinahe berauschende Lebensnähe, die von der fantastischen Sportarenen-Atmosphäre und der fernsehreifen Präsentation gestützt wird. Einfach eine Klasse für sich. Ich freue mich darauf, was Visual Concepts für die nächste Generation in Petto hat.

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Während also vieles beim Alten bleibt, hat man in diesem Jahr trotzdem das Gefühl, dass Visual Concepts wieder mehr auf den Court blickte, als sich darum zu kümmern, das Drumherum aufzuplustern. Jay-Z steht demnach zum Glück nicht mehr auf der Packung. Nehmt's mir nicht übel, aber die "Production" an den Rapper abzutreten, ist die Sorte Kommerz-Winkelzug, bei der man auch gleich auf die Packung schreiben kann, dass einem sonst nicht viel eingefallen ist. Zudem gefallen mir die etwas erdiger und weniger pompös präsentierten Menüs in diesem Jahr sogar etwas besser.

Im nächsten Jahr - ich bin nicht Optimist genug, zu glauben, dass sich schon mit 2K14 für PS4 und Xbox One später diesen Herbst schon Grundlegendes ändert - muss allerdings auf Next-Gen-Geräten mal wieder was passieren, um den nächsten Schritt zu gehen. NBA 2K hat mehr Disziplinen zu einer absoluten Meisterschaft gebracht als jedes andere Sportspiel. Vielleicht wird es jetzt Zeit, dem Ball eine echte Physik zu spendieren und ihn von den Spielern zu trennen? Was immer sich das Team einfallen lässt: Ich warte gerne darauf, denn mit der verbesserten Defensive und dem neuen Handling im Angriff wird das auch so schon ein kurzes Jahr.

9 / 10

Unsere Wertungsphilosophie NBA 2k14 - Test Alexander Bohn LeBron und LeBron lassen. 2013-10-08T09:00:00+02:00 9 10

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