The Stanley Parable - Test

Eine unmögliche Kritik zu einem unmöglichen Spiel. Machen wir es kurz.

Das hat man nun davon, wenn man in der Redaktionskonferenz beim Punkt "Wer will Stanley Parable machen?" ankommt, und ohne nachzudenken "ICH!" schreit. Denn, und das ist so der Haken an diesem Job, am Ende muss man auch was dazu schreiben. Aber was, wenn über dieses Spiel jedes Wort zu viel ist? Was, wenn jede Silbe dem Leser und potenziellen Adressaten dieses bemerkenswerten Erlebnisses ein bisschen mehr verleidet? Na, ganz einfach, dann macht man es eben kurz!

Worum geht's? Keine Ahnung! Um alles, aber irgendwie auch um nichts. Eigentlich ist es nicht einmal ein Spiel im klassischen Sinne, auch wenn The Stanley Parable das Ästhetik-Empfinden von Half-Life- und Portal-Enthusiasten doch feste kitzeln dürfte. Tatsächlich ist der Portal-Vibe allgegenwärtig, ein durchgeknalltes Labyrinth voller Möglichkeiten und vor allem Lacher zu durchqueren. Nur bei den Interaktionen haperts augenscheinlich.

Mehr als durch die Umgebung laufen ist eigentlich nicht. Nun, das und der unglaublich trockenen, englischen Erzählerstimme aus dem Off zu lauschen, die sich, wie sie immer wieder versichert, eine "tolle Geschichte" für euch ausgedacht hat. Was dann zwangsweise folgt, sind befremdliche Verwunderung, Anfeindungen und Hätschelungen im Wechselbad und schlimme, schlimme Lachanfälle, bei denen man kurz aufhören muss, um vor Bauchschmerzen nicht etwas zu verpassen. Man mag insgesamt nur ein paar Stunden damit beschäftigt sein, aber jede Minute ist kostbar. Ein kurzer und spoilerfreier Vorgeschmack auf die Marke Humor, die euch erwartet, bietet der vielleicht beste Trailer des Jahres:

Der größte Kniff des Titels aus der Feder von Davey Wreden und William Pugh liegt in seiner Struktur. Nach fünf Minuten - spätestens - ist ein Durchlauf getane Sache und doch hört Stanley Parable nie auf. Es gibt keine Speicherfunktion, keine Checkpoints und wenn ihr am vermeintlichen Ende ankommt, setzen euch Spiel und Sprecher - der fabelhafte Kevan Brighting, von dem man eigentlich schon viel mehr hätte hören müssen - wieder am Anfang ab, nur dass dieses Mal etwas anders ist. Oder auch nicht?

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Startpunkt ist immer und immer wieder Stanleys trauriges, kleines Büro, in dem er eigentlich den lieben langen Tag sitzt und die Knöpfe drückt, die auf dem Bildschirm eingeblendet werden. Das allein ist schon eine Meditation über das Spielen an sich heutzutage, wenn man das denn so herauslesen will. Und die Autoren machen von dort aus weiter, wenn sie ihren Erzähler über Wahlmöglichkeiten in Spielen, interaktive Narrative, den Imperativ der Konsequenzen und die Natur von Achievements meditieren lassen.

Dass es kurz ist, stimmt dabei natürlich, aber in jedem Durchgang bieten sich euch mehrere Möglichkeiten, das Spiel dadurch anders zu gestalten, dass ihr die Augen offen haltet. Oft stolpert ihr richtiggehend über Dinge, von denen ihr nie gedacht hättet, dass ihr sie machen könnt. Das wiederum führt euch auf den Weg zu einem neuen von vielen, vielen unterschiedlichen Enden, die fast immer so grotesk lustig sind, dass der nächste Durchlauf fest eingeplant ist, bis man mal wieder ein privates Treffen kurzfristig verschieben muss.

Aber vielleicht habe ich auch schon zu viel verraten. Ohne, freilich, dass ihr jetzt auch nur eine Ahnung davon hättet, was euch in Stanley Parable nun wirklich erwartet. Vielleicht belasse ich es wirklich einfach dabei, euch zu sagen, dass ihr The Stanley Parable gespielt haben solltet, auch wenn es im Grunde eher euch spielt.

9 / 10

Unsere Wertungsphilosophie The Stanley Parable - Test Alexander Bohn-Elias Eine unmögliche Kritik zu einem unmöglichen Spiel. Machen wir es kurz. 2013-10-25T09:00:00+02:00 9 10

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