Injustice: Götter unter uns - Ultimate Edition - Test (PS4)

Nicht ganz göttlich, aber immer noch ziemlich gut.

Wo Traveller's Tales mit LEGO Marvel Super Heroes die Fans von Iron-Man und Co. zum Start der PlayStation 4 bediente, springt für DC-Fans nun Prügel-Experte Netherrealm in die Bresche und liefert mit der Ultimate Edition von Injustice: Götter Unter Uns exzellenten DC-Fanservice ab. Den gibt es zwar auch auf PS3, 360, PC und PlayStation Vita, uns soll vor dem Hintergrund des Generationenwechsels aber vor allem die Next-Gen-Version interessieren. Die ganz feinen Details fasste ja bereits Kollege Frank im Frühjahr in seinem umfangreichen Test zusammen.

Also ans Eingemachte: Wir haben hier im Grunde eine Version vorliegen, die weniger ehrliche Spiele als "Game of the Year Edition" anpreisen würden. Injustice ist da insofern aufrichtiger, als dass es weiß, dass es zwar ein verdammt gutes Kampfspiel ist, sich aber damit begnügt, in seiner eigenen Disziplin das Bestmögliche abzuliefern. Und nicht weniger als das ist ihm gelungen, indem es alles an DLC in diesem Paket zusammenschnürte, was es sonst optional zu kaufen gab. Das bedeutet Schwarz auf Weiss: sechs neue Charaktere - Batgirl, Lobo, Zatanna, Zod, Scorpion und Martian Manhunter -, 30 neue Skins für all die Helden und 60 neue S.T.A.R.-Labs-Missionen.

Unverkennbar Netherrealm

Netherrealm sammelte ja bereits mit Mortal Kombat vs. DC Universe Erfahrungen mit Batman, Superman und Co. und kann sich in diesem neuen Prügler nun vollends austoben. Das Resultat ist ein nicht allzu technisches, aber dafür eingängiges und - mit einigen Einschränkungen - sogar wettbewerbstaugliches Kampfspiel. Lange Kombos findet man zwar eher nicht. Und einige Super-Moves, die nach dem Aufladen einer Leiste fast ohne Probleme gezündet werden, gleichzeitig aber auch nicht allzu schwer zu vereiteln sind, unterstreichen den Pick-up-and-play-Charakter. Aber die Bewegungsabläufe und das Schlagtiming sind in den allermeisten Fällen sehr gut ausbalanciert.

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Die Super Moves werden niemals langweilig. Supes wird gleich von dem Batmobil überfahren.

In der Move-Liste des Pausebildschirms wird zum Beispiel sogar die Anzahl der Start- und Erholungsframes jeder Aktion angezeigt, sofern man sich in derart technischen Aspekten ergehen möchte. Ansonsten bleibt es simpel aber clever und vor allem optisch opulent: An verschiedenen Stellen einer Stage hebt ihr Umgebungsobjekte auf und schleudert sie auf den Gegner. Oder ihr werft euren Kontrahenten selbst in ein Objekt im Hintergrund, etwa einen fliegenden Hubschrauber. Diese Aspekte sind häufig elegant in die Stages integriert, zum Beispiel, wenn man das im Hintergrund der Batcave geparkte Batmobil einsetzt, um für eine explosive Überraschung zu sorgen. Hier und da gibt es auch Stage-Transitions, wenn ihr euer Gegenüber vom Dach auf eine U-Bahn-Schiene werft und nach dem prompt folgenden Crash der Kampf in der Gasse darunter weitergeht.

Ihr seht schon: Das Spektakel und der Dienst am Fan stehen klar im Vordergrund, wie die erfahrenen Entwickler jedem der 29 DC-Charaktere (Scorpion ist ja eher ein prominenter Gast) ein überaus charakteristisches und passendes Move-Set auf den Leib schneiderten, verdient aber allein schon ein großes Lob. Die Figuren fangen im Kampf die Identität ihrer jeweiligen Vorlage ordentlich ein und gute Sprecher (Kevin Conroy als Batman, leider kein Mark Hamill als Joker) tun ihr Übriges, um sie angemessen zu verkörpern. Mir persönlich sagt allerdings das Design vieler Figuren nicht wirklich zu. Der praktische Look der Nolan-Batmans mit zu vielen Nähten und Körperpanzerungscharakter liegt hier mit einer deutlich fantastischer ausgelegten Welt und dem klassischen Design-Gedanken im Clinch. Warum Superman einen Anzug braucht, der aussieht, als könnte er Gewehrfeuer abhalten, will mir nicht in den Kopf. Und vielerorts blitzt etwas Martialisch-Pubertäres durch, das mich an die finsteren Comic-90er erinnert. Hier wäre ein traditioneller DC-Look besser gewesen.

Metropolis in Schutt und Asche

"Die Figuren fangen im Kampf die Identität ihrer jeweiligen Vorlage toll ein und gute Sprecher tun ihr übriges, um sie angemessen zu verkörpern."

Doch das ist sicherlich Geschmackssache, denn die Geschichte gibt dem düsteren Anstrich vieler Charaktere inhaltlich durchaus eine stabile Basis. Tatsächlich ist Injustice, was Story-Modi in Prügelspielen angeht, durchaus ein leuchtendes Beispiel. Puristen dürften bezweifeln, ob eine gute Handlung zu den Prioritäten dieser Sorte One-on-one-Action gehören sollte. Zu diesen Figuren gehört sie aber allemal, weshalb ich gut verstehen kann, dass Netherrealm der Narrative derart viel Aufmerksamkeit schenkte. Sie kann problemlos mit vielen der Justice-League-Animationsfilme mithalten.

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Was passiert, wenn Superman die Nase voll hat? Er zieht ein autoritäres Regime auf - zumindest in diesem Paralleluniversum.

Neben der Geschichte überzeugt vor alle auch der Umfang: Die thematisch sortierten Kämpfe fordern bis zum Schluss und die 300 S.T.A.R.-Labs Missionen haben es mit immer wechselnden Aufgabenstellungen wirklich in sich. Lobenswert ist auch, dass man sich die Wartezeit in der Online-Lobby mit dem Betrachten der Matches vertreiben kann und sogar Wetten auf den Ausgang der absolut lagfrei ablaufenden Kämpfe abschließt. Ein schönes, geselliges Erlebnis.

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Technisch gesehen zieht die auf 1080p60 aufgehübschte PS4-Neuauflage gegen den Konkurrenten auf der Xbox One - Killer Instinct - aber deutlich den Kürzeren. Es ist ein sehr detailliertes, aber doch eben sichtbar auf Unreal Engine 3 basierendes Erlebnis, das mit der Partikeldichte des Microsoft-Titels bei Weitem nicht mithält. Im Vergleich zu den Current-Gen-Versionen wurden allerdings die Charakterdetails deutlich heraufgefahren und die höhere Auflösung eliminiert das Kantenflimmern und sorgt für eine klarere Darstellung in der Tiefe der Arenen. Wermutstropfen: Die vorberechneten Zwischensequenzen sehen verwaschen aus, haben mit Bildrateneinbrüchen zu kämpfen und basieren offensichtlich auch auf weniger detaillierten Charaktermodellen. Schade, dass hier nicht auch nachgebessert wurde. Letzten Endes dennoch ein gut aussehendes Spiel, aber keines, dem man zwangsläufig einen Generationensprung ansähe.

Interessierte Current-Gen-User, die im April noch die Füße still hielten, sollten zum schmalen Preis von 30 bis 35 Euro spätestens jetzt zuschlagen. Nun ist nur noch die Frage, ob ihr für den Luxus, dieses schöne Spiel auf der PS4 zu erleben, das Doppelte ausgeben wollt? Qualität und Umfang rechtfertigen den höheren Preis in jedem Fall und nicht zuletzt füllt Injustice eine schmerzhaft klaffende Lücke im Start-Portfolio der PlayStation 4. Ich für meinen Teil würde diese Frage deshalb mit einem "Ja" beantworten. Denn unterm Strich zählt: Acht Monate nach Release ist Injustice mehr denn je ein ausgereifter, zugänglicher und langlebiger Prügler mit viel Charakter.

8 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Injustice: Götter unter uns - Ultimate Edition - Test (PS4) Alexander Bohn Nicht ganz göttlich, aber immer noch ziemlich gut. 2013-12-06T14:00:00+01:00 8 10

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